Von Frank Bosse
Immer wieder konnte man es lesen wie hier:
„Klimaforscher Stefan Rahmstorf
Golfstrom-Abschwächung begünstigt Hitzewellen“
Es folgt ein langes Interview mit noch weiteren 14 Erwähnungen von „Golfstrom“! Die letzte Frage mit Teilen der Antwort:
„Ehring: Wie geht es denn weiter? Wird der Golfstrom versiegen und welche Folgen dieser Entwicklung haben wir in Europa zu erwarten?
Rahmstorf: Ich denke, er wird sich weiter abschwächen, zumindest auf lange Sicht gesehen, denn es gibt auch Schwankungen, die sich dem überlagern – Größenordnung ein bis zwei Jahrzehnte.“
Dafür, dass es in dem ganzen Gespräch sachlich gar nicht um den Golfstrom ging, sondern um die AMOC (oder die „Atlantische Umwälzzirkulation“), ist das sehr häufig. Warum sind das zwei unterschiedliche Sachverhalte? Der Golfstrom ist Passatwind getrieben, die AMOC wird durch Temperatur- und Dichteunterschiede „thermohalin“ angetrieben. Der Golfstrom kann nicht versiegen, die AMOC schon, theoretisch. Nur deuten neueste Forschungsergebnisse darauf hin, dass das immer unwahrscheinlicher wird, wir berichteten, u.a. hier.
Warum wird jedoch immer wieder auch von Wissenschaftlern wie Rahmstorf „der Golfstrom schwächer gemacht“, wenn der doch gar nicht gemeint ist? Hier kann man nur vermuten. Der Golfstrom ist als Begriff jedenfalls populärer als „AMOC“. Ihn kennt wohl schon jedes Kind und wenn man ihn anspricht, so verbindet wahrscheinlich jeder etwas damit. Und auf Popularität kommt es „Klimakommunikatoren“ immer an. Möglichst keine lästigen Nachfragen und viel Gefühl: das ist das Ziel. Sonst hätte Rahmstorf die Frage nach dem Golfstrom nicht so bestätigend im Raum stehen lassen dürfen mit der Antwort:
„Ich denke er wird sich weiter abschwächen.“
Nun allerdings hat der Golfstrom erfolgreich zurückgeschlagen! In einer sehr aktuellen Studie vom August 2026 wurde gefunden, dass sich der Strom nach 2014 „rapide verstärkt“ habe gegenüber den Verhältnissen vorher. In Fig. 4c der Arbeit ist das in Rot gezeigt:

Woran liegt das? Am Ende ist es der Wind, das himmlische Kind. Dauernd haben wir von „Verlangsamung des Golfstroms“ gehört und nun wird gefunden: er ist deutlich schneller geworden! Des Rätsels Lösung: Man spricht über zwei unterschiedliche Dinge. Nur sprachen genau so die Vertreter der „Verlangsamung“. Von denen wurde das Wording so eingeführt und andauernd sinnentstellt benutzt. So können auch die Autoren in der zugehörigen Pressemitteilung sich einen Seitenhieb nicht versagen:
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Golfstrom viel dynamischer ist als eine simple Verlangsamungserzählung.“
„Eine simple Erzählung“ ist eine zutreffende Beschreibung für das, was auch hier immer wieder von üblichen Verdächtigen zu vernehmen ist.
Nun hat sich der völlig zu Unrecht verdächtigte Golfstrom also erfolgreich gewehrt. Man wird sich wohl eine neue „simple Erzählung“ ausdenken müssen, um ahnungslose Zeitgenossen weiter verängstigen zu können.