Quelle: Catherine Lovelock, The Conversation.
Mangroven gehören zu den außergewöhnlichsten Ökosystemen der Erde. Die Bäume wachsen in den Gezeitenzonen tropischer und subtropischer Küsten, kommen mit salzhaltigem Wasser zurecht und können ihre Wurzeln teilweise oberhalb des Bodens ausbilden. Lange Zeit galten Mangrovensümpfe als unwirtliche und wirtschaftlich wenig interessante Flächen. Deshalb wurden sie großflächig gerodet und beispielsweise in Reisfelder, Palmölplantagen oder Aquakulturanlagen umgewandelt. Heute ist bekannt, dass Mangroven für Küstenschutz, Artenvielfalt und Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen.
Eine aktuelle Auswertung von vier Jahrzehnten weltweiter Beobachtungsdaten liefert nun eine überraschend positive Nachricht: Seit 2010 nimmt die globale Fläche der Mangroven wieder zu. Nach Angaben der Studie haben sich die Mangrovenbestände seitdem um mehr als 2.000 Quadratkilometer ausgedehnt. Damit wächst die von Mangroven besiedelte Fläche inzwischen schneller, als sie verloren geht. Grundlage der Untersuchung sind unter anderem Satellitendaten, mit denen Wissenschaftler seit 1984 die weltweite Verbreitung und Entwicklung der Mangroven verfolgen.
Die Bedeutung dieser Entwicklung geht weit über den Erhalt einzelner Baumarten hinaus. Mangroven bilden äußerst produktive Lebensräume für zahlreiche Fische, Reptilien, Säugetiere und andere Organismen. Zugleich schützen sie die Küsten vor den Auswirkungen von Sturmfluten, tropischen Wirbelstürmen und Tsunamis. Ihre dichten Wurzelsysteme bremsen die Strömung, stabilisieren Sedimente und können dadurch Überschwemmungen und Küstenerosion vermindern. Für Millionen von Menschen, insbesondere für Fischer und die Küstenfischerei, sind Mangroven außerdem wirtschaftlich bedeutsam. In vielen Regionen besitzen sie darüber hinaus eine hohe kulturelle Bedeutung.
Besonders interessant sind Mangroven auch aus Sicht des Klimaschutzes. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse und vor allem in den Böden, in denen sich abgestorbenes organisches Material über lange Zeit ansammelt. Laut dem Beitrag können Mangroven bezogen auf die Fläche ungefähr viermal so viel Kohlenstoff speichern wie andere Wälder an Land. Der Erhalt und die Ausbreitung dieser Ökosysteme können deshalb dazu beitragen, Kohlenstoff langfristig aus der Atmosphäre fernzuhalten.
Die positive Entwicklung ist umso bemerkenswerter, weil der Klimawandel gleichzeitig erheblichen Druck auf die Mangroven ausübt. Häufigere und intensivere Dürren sowie schwere Stürme können die Bäume schädigen oder vollständig zerstören. Hinzu kommt der steigende Meeresspiegel. Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass Mangroven durch den Meeresspiegelanstieg dauerhaft überflutet werden und geeignete Lebensräume verlieren. Trotzdem konnten die globalen Bestände seit 2010 insgesamt wieder wachsen.
Ein Teil dieser Entwicklung hängt mit verbesserten Schutzmaßnahmen zusammen. Myanmar und Indonesien gehörten vor 2010 zu den Regionen mit besonders hohen Mangrovenverlusten. Inzwischen hat sich die Situation dort stabilisiert. Der Beitrag führt dies unter anderem auf einen verbesserten gesetzlichen Schutz zurück, der nach schweren Naturkatastrophen wie dem Tsunami im Indischen Ozean 2004 und dem Zyklon Nargis 2008 verstärkt wurde. Die Katastrophen machten deutlich, welche wichtige Schutzfunktion intakte Mangrovenwälder für Küstenregionen besitzen.
In Australien zeigt sich dagegen ein anderer Mechanismus. Dort breiten sich Mangroven zunehmend auf Überschwemmungsflächen aus. Der steigende Meeresspiegel ermöglicht es den Gezeiten, weiter ins Landesinnere vorzudringen. Dadurch entstehen dort salzhaltige Bedingungen, unter denen Mangroven wachsen können. Diese Entwicklung kann positiv sein, wenn beispielsweise aufgegebene Aquakulturanlagen von Mangroven zurückerobert werden. In Nordaustralien kann die Ausbreitung allerdings auch Süßwasserökosysteme beeinträchtigen und damit zu einem Problem für die dortigen traditionellen Landnutzer werden.
Überraschend ist außerdem, dass Mangroven nicht nur landeinwärts, sondern teilweise auch seewärts neue Lebensräume besiedeln. Die Studie beobachtet eine zunehmende Ausbreitung auf neu entstandenen Schlickflächen. Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass Flüsse durch Bodenerosion große Mengen an Sedimenten an die Küsten transportieren. Dadurch können neue Flächen entstehen, auf denen sich Mangroven ansiedeln. Der Vorgang zeigt die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme gegenüber Veränderungen der Umweltbedingungen.
Allerdings bedeutet eine größere Mangrovenfläche nicht automatisch, dass sich der Zustand der Wälder überall verbessert. Die Forscher untersuchten deshalb zusätzlich die Degradation der Bestände. Dabei geht es unter anderem darum, ob die Baumkronen dünner werden und der Wald dadurch an Vitalität verliert. Menschliche Eingriffe wie Holzentnahme und Verschmutzung sowie extreme Wetterereignisse können zu einer solchen Verschlechterung beitragen. Die Ursachen unterscheiden sich jedoch deutlich von Region zu Region.
Genau hier liegt die wichtigste Einschränkung der positiven Nachricht: Die globale Ausdehnung der Mangroven nimmt zwar zu, gleichzeitig können bestehende Bestände an Qualität verlieren. Die Autoren warnen deshalb davor, die Entwicklung als Entwarnung zu interpretieren. Dünnere und geschädigte Mangrovenwälder können ihre Funktionen für den Küstenschutz, die Artenvielfalt und die Kohlenstoffspeicherung schlechter erfüllen. Für den Klimaschutz und die Stabilität von Küstenökosystemen bleibt der Erhalt gesunder Mangroven daher entscheidend.
Die Ergebnisse sprechen somit für ein differenziertes Bild. Mangroven sind offenbar widerstandsfähiger und anpassungsfähiger, als lange angenommen wurde. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Schutzmaßnahmen tatsächlich Wirkung entfalten können. Wo Rodungen eingeschränkt, zerstörte Flächen renaturiert und Mangrovenbestände geschützt werden, besteht die Möglichkeit, verlorene Ökosysteme teilweise zurückzugewinnen. Die globale Erholung seit 2010 ist deshalb ein ermutigendes Signal für den Küstenschutz und den Klimaschutz.
Trotzdem sind weitere Untersuchungen notwendig. Die Wissenschaftler wollen besser verstehen, warum sich Mangroven in manchen Regionen ausbreiten, während sie an anderen Orten zurückgehen oder sich verschlechtern. Besonders wichtig ist die Frage, wie sich steigender Meeresspiegel, veränderte Niederschläge, zunehmende Extremereignisse und menschliche Landnutzung langfristig auf die Mangroven auswirken. Die aktuellen Ergebnisse zeigen jedenfalls, dass der Klimawandel nicht zwangsläufig überall zu einem weiteren Rückgang der Mangroven führt – vorausgesetzt, die Ökosysteme erhalten ausreichend Raum für ihre natürliche Anpassung und werden gleichzeitig vor direkter Zerstörung geschützt.
Weiterlesen: The Conversation. , https://phys.org/news/2026-08-good-news-coasts-climate-mangrove.html