Quelle: Phys.org – https://phys.org/news/2026-07-extreme-precipitation-central-asia-drought.html – Autor: Rachel Leeson – Veröffentlicht: 21. Juli 2026
Extreme Wetterereignisse nehmen in vielen Teilen Asiens zu. Während auf dem südostasiatischen Festland Dürren immer häufiger auftreten, werden in Zentralasien außergewöhnlich starke Niederschlagsereignisse beobachtet. Ein Forschungsteam der Rice University hat nun untersucht, ob diese beiden scheinbar gegensätzlichen Phänomene miteinander zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht.
Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob die zunehmenden Dürren in Südostasien und die häufigeren Starkniederschläge in Zentralasien unabhängig voneinander entstehen oder ob beide durch gemeinsame großräumige Klimamechanismen gesteuert werden. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge soll dazu beitragen, betroffene Regionen widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Extremereignissen zu machen und die Vorbereitung auf wasserbezogene Naturgefahren zu verbessern.
Da meteorologische Messreihen nur wenige Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurückreichen, griffen die Forscher auf sogenannte Paläoklimadaten zurück. Dazu gehören unter anderem Baumringe, Sedimentablagerungen und Eisarchive, die Informationen über frühere Klimabedingungen enthalten. Aus der Breite von Baumringen oder der Zusammensetzung von Sedimentschichten lassen sich Rückschlüsse auf frühere Feucht- und Trockenperioden ziehen. Mithilfe dieser natürlichen Klimaarchive rekonstruierten die Wissenschaftler die Entwicklung der Niederschlagsverhältnisse in Zentral- und Südostasien über mehrere Jahrtausende.
Anschließend kombinierten sie diese Rekonstruktionen mit modernen Klimamodellen. Die Simulationen zeigten, dass Dürren auf dem südostasiatischen Festland und außergewöhnlich niederschlagsreiche Perioden in Zentralasien bereits seit rund 2.000 Jahren gleichzeitig auftreten. Obwohl es sich um entgegengesetzte Wetterextreme handelt, werden sie durch gemeinsame großräumige Klimamuster miteinander verknüpft.
Der Vergleich der historischen Daten mit den heutigen Verhältnissen ergab jedoch eine deutliche Veränderung: Solche Extremereignisse traten zwar schon in der Vergangenheit regelmäßig auf, ihre Häufigkeit hat in den vergangenen Jahrzehnten jedoch erheblich zugenommen. Besonders auffällig ist nach Angaben der Forscher, dass die jüngsten Dürren in Südostasien nicht nur zu den stärksten des vergangenen Jahrtausends gehören, sondern auch wesentlich häufiger auftreten als früher. Gleichzeitig nehmen die Phasen außergewöhnlich starker Niederschläge in Zentralasien zu.
Die Klimamodelle deuten darauf hin, dass dieser Zusammenhang auch unter einer weiteren globalen Erwärmung bestehen bleiben wird. Darüber hinaus erwarten die Wissenschaftler, dass kurzfristige Extremereignisse künftig noch häufiger auftreten werden. Dies könnte erhebliche Folgen für Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Ökosysteme und die Bevölkerung in den betroffenen Regionen haben.
Nach Ansicht des Forschungsteams zeigen die Ergebnisse, dass Klimaextreme nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Vielmehr seien Dürren und Starkniederschläge Bestandteile eines zusammenhängenden Klimasystems, dessen Dynamik sich nur verstehen lasse, wenn auch die langfristige Klimageschichte berücksichtigt werde. Die Rekonstruktion vergangener Klimaverhältnisse liefere deshalb wichtige Hinweise darauf, welche Risiken in einer wärmeren Zukunft zu erwarten sind und wie sich Gesellschaften besser auf diese Veränderungen vorbereiten können.
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Paper: Na Wang et al, Opposing hydroclimate extremes in Central and mainland Southeast Asia over past millennium, Nature Geoscience (2026). DOI: 10.1038/s41561-026-02020-2