Endlich wieder richtig Sommer – ein Erfolg konservativer Politik

von Dr. Bernd Fleischmann

Rudi Carrell sang 1975 „wann wird’s mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war. Mit Sonnenschein von Juni bis September“. Er meinte damit wohl nicht den Sommer von 1540: „Elf Monate fiel damals praktisch kein Regen, „die Temperatur lag fünf bis sieben Grad über den Normalwerten des 20. Jahrhunderts, verbreitet muss die Temperatur im Hochsommer über vierzig Grad geklettert sein. … Schon im Mai wurde das Wasser knapp, Brunnen und Quellen fielen trocken, die Mühlen standen still, die Leute hungerten, das Vieh wurde notgeschlachtet.“ In Europa starben im Jahr 1540 schätzungsweise eine halbe Million Menschen“ [1]. Sie starben vor allem durch Seuchen, Hunger und Brände.

Dann kam die Kleine Eiszeit mit ihren Hungersnöten und Gletschervorstößen, zuletzt um 1850, mit dem größten Vorstoß der Alpengletscher im Holozän (letzte zehntausend Jahre). [2] Zum Glück stiegen die Temperaturen in Europa dann wieder, etwa bis zum Jahr 1950. Um wieviel genau lässt sich nicht sagen, denn praktisch alle langlaufenden Stationen sind durch den städtischen Hitzeinseleffekt, Stationsverlagerungen und Änderungen der Messtechnik beeinträchtigt. Die NASA, die einen der „amtlichen“ Datensätze pflegt, zeigt keine einzige zuverlässige Station vor 1880 in ihrem Datensatz [3] und für die Zeit vor 1900 keine Station auf 95 Prozent der Erdoberfläche:

Grafik 1: Von NASA GISS verwendete Messstationen, die vor 1880 in Betrieb waren.
Anzahl der Stationen: 0

Die Temperaturangabe für die „globale Erwärmung seit der vorindustriellen Zeit“ mit der üblichen Referenzperiode 1850 bis 1900 auf ein hundertstel Grad genau ist deshalb keine Wissenschaft, sondern Scharlatanerie. Für das Jahr 1950 schwanken die Angaben der sechs führenden Forschungsinstitute, welche Bodenmessstationen auswerten, für Europa – den Kontinent mit der größten Dichte an Messstationen – um 0,6°C [4].

Von 1950 bis Mitte der 1980er Jahre sanken die Temperaturen in Europa leicht, auch eine Folge der zunehmenden Emissionen an Schwefeloxiden, Staub und Ruß aus Kraftwerks- und Fabrikschloten und Heizungskaminen. Der „Spiegel“ titelte deshalb 1974 „Katastrophe auf Raten – Kommt eine neue Eiszeit?“ [5], womit wir wieder bei Rudi Carrells Lied wären. Kleinste Staub- und Rußpartikel und Aerosole wie Schwefeldioxid wirken auf zwei Wegen kühlend. Erstens reflektieren sie einen Teil des einfallenden Sonnenlichts und zweitens wirken sie als Kondensationskeime für Wasserdampf, was zu Tröpfchenbildung und Wolken führt, die ebenfalls Sonnenstrahlen reflektieren und damit kühlen [6]. Den Rückgang der Sonnenscheinstunden hat der Deutsche Wetterdienst gut dokumentiert [7].

Das Problem der Luftverschmutzung wurde erkannt und konservative Politiker steuerten gegen, zuerst Kanzler Ludwig Erhard. Während seiner Regierungszeit wurde 1964 die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ (TA Luft) eingeführt und Immissionsgrenzwerte für Staub, Schwefeldioxid etc. eingeführt. Unter Kanzler Helmut Kohl wurden 1983 mit der Großfeuerungsanlagenverordnung und 1986 mit der Ersten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Bundesimmissionsschutzgesetz schärfere Grenzwerte festgelegt. Während seiner Amtszeit von 1982 bis 1998 gingen die Schwefeldioxidemissionen Deutschlands um 85 Prozent zurück. In den großen europäischen Industrienationen Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien war der Rückgang von 1980 bis heute 97 Prozent [8], zuletzt auch durch die Reduktion von Schwefel im Schiffsdiesel um 80 Prozent im Jahr 2020 [9]. Der Rückgang der Schwefeldioxidemissionen wäre in Deutschland ohne den irrational motivierten und von nicht mehr konservativen Politikern von CDU und CSU (Merkel und Stoiber) beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie noch stärker und schneller erfolgt.

Grafik 2: Kohleverbrauch und Schwefeldioxid-Emissionen in Deutschland von 1980 bis 2024.

Der Rückgang der Emissionen führte zu einem deutlichen Rückgang der Bewölkung und einer Zunahme der Sonnenscheinstunden im Mittel um 10 Prozent (200 Stunden) in Europa und 20 Prozent in West- und Mitteleuropa, vor allem in BeNeLux, Deutschland und der Schweiz, wie diese Grafik des Copernicus Climate Change Service zeigt [10]:

Grafik 3: Anomalie der Sonnenscheinstunden in Europa (links) und Verteilung 2022 (rechts).

Mehr Sonne bedeutet natürlich mehr Wärme, vor allem wenn die Tage am längsten sind, also Mitte bis Ende Juni. Dass jetzt viele Temperaturrekorde gefallen sind, hat aber auch mit der Umstellung der Messtechnik zu tun. Früher wurde die Temperatur mit Quecksilberthermometern in Wetterhütten aus Holz (Stevenson-Hütten) aufgezeichnet. Die heute verwendeten elektronischen Temperaturfühler in zwangsbelüfteten Hüttchen reagieren viel schneller und können deshalb kurzfristige Schwankungen aufzeichnen, die früher in der Trägheit des Messaufbaus untergingen. Das sieht man beispielsweise am aktuellen Hitzerekord von Neißemünde-Coschen. Der beträgt 41,7 °C, aber man weiß nicht, wie viele Sekunden es so warm war. Über 10 Minuten, was nahe an der zeitlichen Auflösung der alten Messtechnik ist, waren es jedenfalls nur 40,7 °C (Spalte „Air Temperature“ in den Aufzeichnungen für 13:00 Uhr bis 13:30 Uhr UTC) [11].

Grafik 4: Temperaturmesswerte in Neißemünde-Coschen am 28. Juni 2026. „Air Temperature“ ist der 10-Minuten-Mittelwert

40,7 °C ist weniger als 1°C über den 39,8 °C, die in Amberg 1892 gemessen wurden. Gemessen wird in Coschen seit dem Jahr 2000, 10-Minuten-Werte aber erst seit 2004. Wie die Temperaturen  dort während der Hitzewellen 2003, 1976, oder 1947 waren, die ebenfalls durch blockierte Hochdruckkuppeln entstanden, weiß man also nicht. Mit neuen Stationen an „geeigneten“ Standorten kann man jedenfalls neue Temperaturrekorde „produzieren“. Der Hitzedom des Juni 2026 war sicher ungewöhnlich, aber nicht einzigartig. „So eine Hitzewelle vor 50 Jahren nicht möglich“ titelte tagesschau.de am 28.6., ohne den Hauptgrund, die Zunahme der Sonnenintensität durch weniger Aerosole, zu nennen.

Bei allen Diskussionen über extreme Hitze und ihre Auswirkungen darf nicht vergessen werden, dass in allen europäischen Ländern fünf- bis zehnmal mehr Menschen an Kälte als an Hitze sterben [12], obwohl Klimaanlagen in Europa verpönt und nur in weniger als 20 Prozent der deutschen Haushalte vorhanden sind. In Pflegeheimen ist der Ausstattungsgrad noch schlechter. Hier stellt sich die Frage nach den Prioritäten bei den Ausgaben im Gesundheitsbereich.

Fazit: Perioden mit extremer Hitze und Dürre gab es in Europa schon immer. Zugenommen haben vor allem die Messstationen, die Rekorde aufzeichnen könnten, die Empfindlichkeit der Messtechnik, die Sommertemperaturen aufgrund der Luftreinhaltungsmaßnahmen von Ludwig Erhard und Helmut Kohl und der Trend in vielen Medien zu Untergangsphantasien.

Wärmer ist besser! Und Klimaanlagen retten Leben!

[1] Dürre und Hitze in Europa 1540 – Wikipedia

[2] https://hydrologischeratlas.ch/downloads/01/content/Text_Tafel38.de.pdf

[3] https://data.giss.nasa.gov/gistemp/station_data_v4_globe/

[4] https://www.eea.europa.eu/en/analysis/indicators/global-and-european-temperatures

[5] https://www.spiegel.de/politik/katastrophe-auf-raten-a-5cb92973-0002-0001-0000-000041667249

[6] https://science.nasa.gov/earth/earth-observatory/aerosols/

[7] https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.html

[8] https://ourworldindata.org/grapher/sulphur-dioxide-and-coal?time=1980..2022&country=GBR~DEU~ITA~FRA

[9] https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2024GL109077

[10] https://climate.copernicus.eu/esotc/2022/clouds-and-sunshine-duration

[11] https://climateexplorer.app/dwd/10-minutes/brandenburg/neissemuende-coschen/?view=dashboard-data&start=2026-05-31&end=2026-06-28

[12] https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196(23)00023-2/fulltext

Teilen: