Von Frank Bosse
Wir hatten darüber informiert, dass die „heißesten“ Emissionspfade bis ins Jahr 2100 von der zuständigen Gruppe in Vorbereitung auf die zu erwartenden Klimamodelle des 7. Sachstandsberichtes des IPCC „abgeräumt“ wurden. Wer nachlesen möchte zu Einzelheiten kann das hier und hier tun. Die Voraussetzungen für das Eintreten der stärksten Klimaantriebe (genannt RCP 8.5 oder SSP585) wurden immer „unplausibler“, auch der zweitstärkste „Pfad“ wurde nach unten korrigiert, das vollzog nun endgültig auch die zuständige Gruppe des IPCC.
Die Auswirkungen sind beträchtlich: Die oberste Grenze des erwarteten CO2-Ausstoßes pro Jahr für 2080 halbierte sich.
Was lasen wir alles für Schreckens-Szenarien für die Zukunft? Hier seien einige dieser „Blüten“ aufgeführt, die ausschließlich auf diesen nun einkassierten Annahmen beruhten.
Da gab es „Verbindungen unter Kippelementen im Erdsystem“ in dieser Arbeit aus dem Jahre 2023.
In der Schrift wurde eine Verbindung zwischen dem Amazonas- Gebiet und dem Hochplateau von Tibet gesehen, beide Gebiete könnten miteinander „kollabieren“ und man folgerte aus solchen Modellierungen nur vom „Hochemissionsszenario“ getrieben auch noch auf die reale Welt:
„In addition, we detect that TP (Tibetisches Plateau, d.A.) snow cover extent has been losing stability since 2008.
Das ist freilich aus Beobachtungen nicht so einfach zu folgern. Um so etwas wie nachlassende Stabilität der Schneedecke „festzustellen“, muss man schon die Richtung wissen. Die gab das berühmt-berüchtigte „SSP585“ an, nur auf dem beruhte der Inhalt des Aufsatzes.
Das Medienecho war stark, das PIK hatte mit einer Pressemitteilung den Ton gesetzt und viele folgten. Der MDR fasste zusammen:
Eine Studie mehr, die zeigt, wie abhängig das Schicksal der Erde vom Amazonas-Regenwald ist.
Das Problem: Ein inzwischen in Rente geschicktes Szenario wurde für bare Münze genommen, um etwas zu verlautbaren über die reale Welt. Und das zu einer Zeit, in der viele Wissenschaftler schon arge Zweifel an ihm äußerten. Für Schlagzeilen war es offenbar noch tauglich.
Ein weiteres Beispiel ist diese Schrift aus dem Jahre 2022. Auch in ihr wurden ausschließlich die beiden „Hochemissionspfade“ (SSP585 und SSP370) für Modellierungen herangezogen und das „Klima-Endspiel“ durchdekliniert.
„Ökotest“ textete:
„Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der Klimawandel katastrophale Ausmaße annehmen könnte“, schreiben die Wissenschaftler, darunter der frühere und ein aktueller Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber und Johan Rockström.“
Es wurde versucht, die „Klimakatastrophe“ bis hin zu Thesen über das Aussterben der Menschheit im wissenschaftlichen Schrifttum salonfähig zu machen. Realistischere Projektionen wie das Szenario SSP245 störten nur, wurden einfach nicht verwendet. Nach dem erwartet man im Jahre 2050 noch immer Emissionen, wie sie heute schon auftreten oder weniger, das „Climate Endgame“- Szenario SSP585 ist dann beim doppelten. Das „Endgame“ war 2022 „unplausibel“ und heute erst recht. Es war Angstmache!
Noch ein Beispiel ist eine Publikation über die berüchtigten „Planetaren Grenzen“ aus 2019. Da wurden wilde Einflüsse des Menschen modelliert, ein „Wissenschaftsinformationsdienst“ fasste den Horror zusammen:
Hier wurden neun kritische Systeme identifiziert, die den Zustand des Planeten regulieren: Klimawandel, biogeochemische Ströme (insbesondere von Stickstoff und Phosphor), Landnutzungsänderungen, Süßwassernutzung, Aerosolbelastung, Ozonabbau, Versauerung der Ozeane, Verlust der Biosphärenintegrität einschließlich der biologischen Vielfalt, und Einführung neuartiger Substanzen wie toxischer Chemikalien und Kunststoffe.
Die „zusätzlichen Informationen“ der Schrift offenbaren: Auch hier wurde ausschließlich das „Super-Szenario“ RCP 8.5 benutzt, um auf den zukünftigen „Zustand des Planeten mit seinen Grenzen“ zu schließen.
Alle drei Beispiele stammen aus dem Hause PIK. Und sie zeigen, wie Forschung nicht arbeiten soll: Die selektive Nutzung von nur Extremszenarien, um extreme Bedingungen zu modellieren und daraus Rückschlüsse auf die reale Welt zu ziehen. Das ist keine Wissenschaft, das ist Manipulation.
Die Protagonisten schaden damit auch den Journalen (2mal Nature und PNAS) und dem Ruf der gesamten Klimawissenschaft.
Auf die Redaktionen könnte so ein großer Aufwand zukommen:
Alle die Veröffentlichungen finden, die ausschließlich die beiden „Heiß-Szenarien“ benutzen verbunden mit Aussagen zur tatsächlichen Welt. Da die Szenarien „unplausibel“ wurden, so sind es auch diese Schriften. Sie gehören eigentlich zurückgezogen oder mit dem Vermerk gestempelt: ERGEBNISSE UNPLAUSIBEL.
Bei einigen Autoren würde dann die Publikationsliste sehr schnell sehr viel kürzer.