Die wilden „weiter so Geschichten“  

Von Frank Bosse

Was wurde vor allem medial mit einem „weiter so wie bisher“ (busines as usual) -Szenario für den Klimawandel alles erzählt und schwarze Bilder an die Wand gemalt!  

Auch Klimawissenschaftler beteiligten sich rege daran. Ein Beispiel aus dem „Spiegel“ aus dem Jahre 2013. Mojib Latif wurde interviewt im Video und sagte:  

„Wenn wir so weitermachen wie bisher… dann können es durchaus 6 Grad sein und in diesem Bereich bewegen wir uns eben.“ 

Dazu dieses Bild:  

Quelle: Screenshot „Spiegel“. 

Eingekreist ist dabei ein „Szenario“ in Rot, es hieß RCP 8.5.  Es schwebt sehr weit über den gelben Kurven, die stehen für RCP 4.5.  

Das IPCC AR6 ersetzte später die Bezeichnungen durch „SSP“, die angenommenen zusätzlichen Erwärmungsantriebe von 8,5 W/m² bzw. 4,5 W/m² gegenüber vorindustriellen Zeiten bis 2100 blieben gleich. Die Überschrift des Artikels:  

Klimawandel: Erderwärmung bis zu sechs Grad bis 2100 .. 

Das ging dem Leser gewiss durch Mark und Bein!  

Der bekannte Ozeanologe Stefan Rahmstorf stellte eine seiner Arbeiten als Ko-Autor in einem Video im Jahre 2021 vor, es ging um den erwarteten Meeresspiegelanstieg. Von Min. 34 bis Min. 39 besprach er ausschließlich das Szenario RCP 8.5, andere wurden detailliert im Video nicht gezeigt. 

Quelle:   Screenshot „Youtube“ 

Auch öffentliche Verwaltungen bliesen in dieses Horn, der Berliner Senat veröffentlichte eine Mitteilung über „Klimaschutz“ und auch dort wird ausschließlich das „Hochemissions-Szenario“ und kein anderes beschrieben.   

Man könnte noch viele Beispiele einer so ins „Apokalyptische“ verzerrten Wiedergabe von Erkenntnissen berichten, das Bild ist stets ähnlich. 

Wie realistisch war das Szenario schon immer? Bereits im Jahre 2017 erschien eine Arbeit, die feststellte, dass für dieses Projektion alles auf Kohleverbrennung umgestellt werden müsste und es solche Mengen, wie sie dann erforderlich wären, gar nicht gibt. Schlussfolgerung: Das Szenario ist nicht „extrem“, es ist schlicht nicht möglich in der realen Welt.  

Die Verbindung von ihren errechneten Daten mit dem Handeln des Menschen (vgl. oben Latif: „Wenn wir so weitermachen wie bisher…) wurde später von einem Aufsatz in „Nature“ aus dem Jahre 2020 stark kritisiert: „Emissionen: die „weiter wie bisher Story“ ist irreführend“.  

Das war in Wissenschaftler- Keisen gut bekannt und so durfte man gespannt sein, welche Szenarien als Grundlage für die kommenden Modelle des nächsten (Nr.7) Sachstandsbericht des IPCC benutzt werden. Im April 2026 dann die Auflösung: Die Modellierungsgruppe veröffentliche das Ergebnis mit dieser Studie.   

Was sagt sie aus über die erwarteten Treibhausgasemissionen im direkten Vergleich zu den Bisherigen?  

Quelle 

Es sind die nun veralteten „Pfade“ (gestrichelt „SSP“) mit den neuen („CMIP7“) verglichen. Über einem erwarteten Wert von ca. 65 Gt/Jahr ist da nun nichts mehr (“CMIP7 High). Das „Doom“-Szenario brachte es für 2080 auf den doppelten Wert! Die schwarzen Markierungen zeigen den bisherigen Handlungspfad an (rund) und für die erklärten politischen Klimaschutzmaßnahen (eckig). Das zeigt auch sehr deutlich, dass wir NIE (auch nicht mit „weiter so“) auf dem „RCP5-Weg“ waren. Die Geschichten darum waren in der Tat irreführend!  

Es ist auch klar, dass wir uns real auf dem „mittleren Pfad“ bewegen, mit weiteren, bereits erklärten politischen Klimaschutzmaßnahmen könnte es ein Mittelding zum „Low Pfad“ (vorher als SSP 1-2.6, grün gestrichelt, bekannt) werden. Wir hatten hier berichtet, was das an globaler Erwärmung bis 2100 bewirken könnte: Ungefähr 2-2,5°C. Wir sahen bis jetzt ca. 1,5°C. Die Frage, ob das eine „Apokalypse“ bedeutet, mag sich jeder selbst beantworten, wenn er dabei den Zeitraum und die erfolgenden Anpassungen an den Klimawandel berücksichtigt. 

Was bleibt? Mit den neuen Projektionen wurde mit einem Irrtum aufgeräumt. Leider repetierten viele „Klimabotschafter“, manch Politiker und Streiter vor Gerichten das ( „Welt“ berichtete davon) und bedienten sich bei Licht besehen eines Tricks:  

„Das „Emissionsszenario“ sei zwar extrem: aber eben nicht unmöglich und wir müssen dagegen vorsorgen“.  

 

Damit ist jetzt Schluss! Denn was uns nun die Arbeit zu der Alten („Doom“) SSP5-8.5 – Projektion ins Stammbuch schreibt, lautet wörtlich: „Sie ist unglaubwürdig“ nicht „extrem“!  

Ob es dann auch aufhört mit solchen “Ergüssen” im “Spiegel” aus dem Jahre 2024: 

“Damit ist ein Ton gesetzt, Auftakt für das Endlos-Recycling von Verniedlichungsparolen.” 

Der Autor, ein Journalist und Biologe kritisierte mit diesen Worten den wohl sehr bekannten Profi- Klimawissenschaftler Hans v. Storch, ohne auch nur eine der von dem vertretenen Auffassungen fachlich prüfen zu wollen oder zu können, weil sie ihm nicht “schwarz genug malten”.    

Das mag dann ein harter Schlag für manchen „Erhitzungs-Prediger“ sein, bleibt er jedoch bei seinen Aussagen über die Zukunft in Verbindung mit einem solchen Pfad, so wird er ebenfalls „unglaubwürdig“. Manches kann auch sehr einfach sein.  

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