Von Dr.-Ing. Ernst-Jürgen Niemann
Ich hatte auf Bitten einer Mutter, die darüber verzweifelt, dass ihre Kinder wegen der kommenden Klimakatastrophe selbst keine Kinder mehr bekommen wollen, Anfang Juli 2025 zu einer Katastrophenmeldung einen Brief verfasst. Da ich jetzt merke, dass das Thema Indoktrination und Lobbyismus bei Klimawandel und Energiewende auf großes Interesse stößt, könnte der Brief (Namen geändert) auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant sein:
„Hallo Anton,
Auf Deinen Zuruf im Vorbeigehen „Das Mittelmeer wird immer heißer“ mit einem gefühlten triumphalen Unterton „Jetzt kannst Du Klimaleugner nicht mehr widersprechen“, und evtl. dem üblichen Narrativ folgend NetZero CO2 „koste es was es wolle“, sonst Apokalypse und Weltuntergang, sollte ich eingehen. Wie ich gehört habe, gehen bei Euch die geschürten Ängste soweit, dass ihr fordert, man dürfe keine Kinder mehr in diese Welt setzen, um sie vor der bevorstehenden Klimakatastrophe zu bewahren.
Zur Versachlichung: Die Oberflächentemperatur (Nur die Oberflächentemperatur [SST] wird heute satellitengestützt gemessen), insbesondere des westlichen Mittelmeers, hat sich in diesem Jahr und im letzten Jahr außergewöhnlich früh stark erwärmt. Das passiert dann, wenn ausgedehnte Hochdruckgebiete ortsfest bleiben, also hohe Einstrahlung und kein Wind, kein Wellengang. Dann bildet sich an der Oberfläche eine Warmwasserschicht aus, mit eingeschränkter Verdunstung, da die advektive Komponente (kein Wind und kaum Sättigungsdefizit) gegen 0 geht (üblicherweise mit Penman-Formel berechnet). Dass Seen temperaturgeschichtet mit dem dichtesten Wasser unten (4 °C bei tieferen Meeren) sind, weißt Du sicherlich. Zumindest hast Du sicher schon Situationen beim Schwimmen erlebt, dass es kalt werden kann, wenn man die Füße nach unten streckt. Wenn Wind einsetzt, wird die Wasseroberfläche durch Verdunstungskälte und Umwälzung abgekühlt, so dass die Extremwerte verschwinden. Es ist also durchaus nicht so, dass sich das Mittelmeer (also der gesamte Wasserkörper) extrem aufgeheizt hat, wie in Deinen Worten mitschwang oder wie von „Fachjournalisten“, denen offensichtlich jeder physikalische Sachverstand fehlt, oder mittelmäßigen Meteorologen, die beruflich auf Klima Alarmismus ausgewichen sind, apokalyptisch verbreitet wird (Beispiel: https://www.focus.de/earth/hitzewelle-im-mittelmeer-doch-jetzt-drohen-starkregen-und-sturzfluten_50842d1a-ca18-43f1-9b6d-91bd0159a30f.html ). (Die SST in der Ägäis war gleichzeitig außergewöhnlich kühl. Das wird aber nicht thematisiert. Das passt nicht in die Zeit und Untergangsmeldungen locken Leser und bringen Geld.) Wieweit sich der Wasserkörper des westlichen Mittelmeeres tatsächlich aufgeheizt hat, ist mangels Messdaten und Vergleichsmöglichkeiten nicht bekannt. Dass das aber nur sehr moderat sein kann, kann durch physikalische Betrachtungen leicht bewiesen werden.
Warum dieses Phänomen (lange ortsfeste Hochdruckgebiete) dort vermehrt auftritt, ist nicht mit Sicherheit erklärbar. Es gibt Hinweise darauf, dass sich das globale Zirkulationssystem, insbesondere im Einflussbereich der NAO (nordatlantische Zirkulation), derzeit merkbar verschiebt. Während ich in der Schule noch gelernt hatte, dass sich die Sahara Wüste nach Süden ausbreitet und in der Sahelzone die Steppe zur Wüste wird (damals sprach man von Überweidung als Ursache), gibt es heute Meldungen, dass die Sahelzone wieder ergrünt. Wenn der Gürtel der Rossbreiten (eine Hochdruckgürtel ohne Wolken und wenig Wind – der Wüstengürtel) sich etwas nach Norden verlagert, dann wäre das eine Erklärung.
„Klimaleugner“: Klima ist als langjähriger Durchschnitt von Wetterdaten definiert, in der Meteorologie üblicherweise 30 Jahre-Datenreihen. Klima ist und war nie konstant. Bis etwa 1970 hat sich Klimawissenschaft mit dem Problem der Abkühlung der Erde beschäftigt, erst ab etwa 1990 war es dann die Erwärmung, die als Problem betrachtet wurde. Man muss nicht in die Erdgeschichte gehen, um mit unsicheren Proxidaten die Klimageschichte zu interpretieren. Man kann auch in die durch schriftliche Überlieferung und menschliche Artefakte erzählte jüngere Vergangenheit schauen, um Klimawandelperioden zu identifizieren. Etwa 300 Jahre andauernde sogenannte Klimaoptima (kleine Warmzeiten) während der Römerzeit ca 150 vor bis 200 n Chr., Mittelalterliche Warmzeit ca. 1000 bis 1300 mit Weinbau im Norden und Landwirtschaft in Grönland, darauffolgende Kaltzeit mit Höhepunkt etwa 1600-1700 (Missernten, Hunger, Seuchen, Kriege, hohe Sterblichkeit und auch das Verbrennen von Hexen konnte keine Abhilfe schaffen). Die Warmzeiten vor etwa 7500 – 5000 Jahren, mit Baumwachstum bis 3000 m Höhe in den Alpen und in der Sahara war Savanne. Warmzeiten waren Blütezeiten für Kultur und Menschheitsentwicklung (auch zahlenmäßig), in Kaltzeiten hat der Mensch ums Überleben gekämpft.
Einflüsse: Klima ist ein hyper-komplexes, dynamisches Geschehen, dessen Gesetzmäßigkeiten in ihrer Gesamtheit nicht annähernd verstanden werden. Außer dem Einfluss durch periodische geometrische und astronomische Parameter (Präzession, Ekliptik, Sternkonfiguration, Sonnenzyklen,….) ist wenig über die Ursachen von Klimawandel genau bekannt. Direkte und indirekte natürliche Wirkungen wie Sonnenstrahlung, Sonnenwinde, Vulkanismus und Seismizität, Erdkernrotation, Bodenwärmestrom (auch am Meeresgrund), Wolkenbildung, Albedo, Magnetfeldänderung…… sind nicht ausreichend abbildbar oder vorhersagbar. Weitere unbekannte Faktoren sind wahrscheinlich. Man kennt noch nicht mal die genauen Ursachen für El Nino, obwohl mit seinem Auftreten weltweite Zirkulationen und Wetter-Phänomene erklärt werden. Komplexe Prozesse in der Stratosphäre, die auf die Atmosphäre wirken, sind nur rudimentär bekannt. Nicht einmal die Komponente „Einflusses des Menschen“ wird ganzheitlich erfasst. Man redet von menschengemachter Klimaerwärmung, meint aber nur die CO2 Emissionen und ggf. noch CO2 Äquivalente. Weit ausgedehnten Urbanisationen mit erhöhten Temperaturen gegenüber dem naturbelassenen Umland (Größenordnung 3 – 7 °K)?? Änderungen des Albedo durch Raubbau an der Natur (einschließlich der großflächigen Verwüstungen durch Lithiumgewinnung oder dem gigantischen Bodenumsatz zur Herausfilterung von seltenen Erden)?? – Nebenbei: PV verringert Albedo (Rückstrahlung in die Atmosphäre) und Windkraft wandelt Wind-Bewegungsenergie in Strom, also letztendlich in Wärme um. Also auch hier wird ein Beitrag zur Erderwärmung geleistet, insbesondere wenn das in großem Stil umgesetzt wird.
Wie konnte es dazu kommen, dass sich dieses CO2 Narrativ durchsetzen konnte, obwohl Klimaforschung vor nicht allzu ferner Zeit viel breitere Ansätze hatte? Das ist entgegen jeder Vernunft! Mit etwas Bildung und Kenntnis der Naturvorgänge sowie kritischem Denken muss man doch die Unmöglichkeit verstehen, die Welttemperatur über das CO2-Konzentration-Thermostat steuern zu können. Ist es nicht eine Anmaßung des Menschen, solche hochkomplexen, im Detail unbekannten Vorgänge, die vielleicht besser mit der Chaostheorie beschrieben werden können, mit vergleichsweise einfachen Algorithmen abzubilden? Versucht der Mensch hier Gott zu spielen und einen neuen „Turmbau zu Babel“? Wo ist eigentlich die Kirche?
Ich konnte diese Entwicklung zum monokausale CO2 Ansatz zur Temperatursteuerung der Erde nicht logisch erklären bis ich per Zufall auf einen Artikel aus dem Jahr 2011 gestoßen war, in dem mit Bezug auf eine Aussage von 1998 vorhergesagt wurde, dass sich die Politik nicht die Chance nehmen lassen wird, die Luft zu besteuern: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article13466483/Umweltschutz-Die-CO2-Theorie-ist-nur-geniale-Propaganda.html
Das Ganze ist getrieben von öffentlichen und privaten Interessen, die mit geschickter „Informations-“ Strategie (Kognitionstechnologien) und Lobbyismus den Großteil der mit latent schlechten Umwelt-Gewissen behafteten Bevölkerung für diesen Glauben gewinnen konnte. In Kürze:
- Öffentlicher Bereich: Politik gründet IPPC, dort gezielt Forschung über Wirkungen von Greenhouse Gases, später eingegrenzt auf CO2 , finanziert und durchgeführt. Ziel Konsens der wissenschaftlichen Mehrheit (Manufactured Consensus). Nach Skandalen, offensichtlichen Falschvorhersagen (z.B. Gletscherverlust im Himalaya bis 2020) und einer vernichtenden internen Revision durch UN hat IPCC viele seiner apokalyptischen Vorhersagen stillschweigen kassiert. Man geht seit 2021 beim mittleren Szenario nur noch von + 2,5 K bis 2100 aus, wovon die Hälfte bereits erreicht ist.
Politik erlässt in den Mitgliedländern (z.B. EU) die entsprechenden Gesetze zur CO2 Besteuerung, setzt diese um, ignoriert dabei, dass die apokalyptischen Szenarien inzwischen vom Tisch sind.
- Individueller Bereich – Angefangen beim internationalen CO2 Zertifikate Handel bis hin zum Ausbau der Erneuerbaren Energien (EE), wobei das in Deutschland besonders extrem gehandhabt wird. Extrem guter Lobbyismus hat hier bereits zu extrem teuren Systemerzeugungskosten und immer unsicherer Stromversorgung geführt. Die „bösen Fossilen“ wie EON und RWE sind schon seit Langem in EE investiert und sehen dort und im Netzbetrieb wegen der hohen erzielbaren und staatlich garantierten Gewinne eine Zukunft. Die bestehenden konventionellen Kohlekraftwerke genauso wie zuvor die Atomkraftwerke sind für sie angesichts des solargetriebenen Strombörsenjoyos wirtschaftlich uninteressant, müssen aber zur Versorgungssicherheit weiterbetrieben werden. Die „Fossilen“ ziehen also ebenfalls in Richtung EE-Subventionierung. Diese mächtigen partikularen Interessen machen es schwer, die extrem teure und subventionierte Strompolitik zurück auf rationale Ebene zu führen
Individuelle Profiteure sind auch Forscher, die der Spur der auf CO2 ausgerichteten Forschungsförderung folgen (müssen) und mit Modellen mit großen Unsicherheiten behaftete, zweifelhafte Ergebnisse liefern oder auch der Journalist oder Meteorologe, der sein Geld mit selektiven Katastrophenmeldungen verdient und das Geschäft der Angst betreibt.
- Sündenökonomie: Dieses ist tatsächlich ein Fachbegriff, und bezeichnet eine Wirtschaft, die das latent schlechte Gewissen (hier Zerstörung der Natur) der Menschen ausnutzt. Ablasshandel durch CO2 Bepreisung und Bereitschaft der verängstigten Menschen hohe Kosten auf sich zu nehmen.
Gefährlicher als die Klimaerwärmung sind die Folgen der CO2 Policy:
- Extrem hohe Stromkosten, besonders in Deutschland, mit steigender Tendenz je mehr volatile Erzeugung zugebaut wird. (PV und Wind rechnen sich volkswirtschaftlich und sind ökologisch nur sinnvoll, wenn die installierte Leistung/Erzeugung komplementär zu regelbaren Kraftwerken bleibt. Diese Grenze ist in Deutschland schon lange überschritten.) Perspektivisch wird die Armut in Deutschland wachsen und die sozialen Probleme zunehmen.
- Gefährlich ist auch, dass die CO2 Policy der EU die EE als von herausragendem öffentlichem Interesse eingestuft und damit Natur und Artenschutz nachrangig gemacht hat. In Deutschland wurde das Naturschutzgesetz entsprechend geändert. WEA Investments dürfen sich z.B. vom Artenschutz freikaufen. Gleichzeitig spielt der Natur- und Ressourcenschutz außerhalb Deutschlands bei Importen keinerlei Rolle, sofern er den EE in Deutschland dient. Diese Doppelmoral zieht sich durch die gesamte Klima- und Energiewende Debatte. Auch die Abhängigkeit bei den Technologien vom Ausland (China) sind kritisch.
- Das Problem der Weltbevölkerung wird mit dem Argument ausgeblendet, dass die Bevölkerungsentwicklung ja verharrt, da in China, Japan oder Europa die Zahlen sogar zurückgehen. Große Regionen der Welt in Afrika, Lateinamerika oder Asien verzeichnen aber erheblichen Bevölkerungszuwachs verbunden mit hoher Umweltnutzung. Auch bei diesem Problem ist die NetZero CO2 Policy kontraproduktiv.
Anstatt blind irgendwelchen interessengetriebenen Ersatzglaubensrichtungen zu folgen, sollten wir zurück zu rationalem Handeln kommen. Maßnahmen müssen technisch und wirtschaftlich machbar sein. Der sparsame Umgang mit allen Ressourcen gehört genauso dazu wie ökologische und ökonomische Prinzipien. Eine teuer erkaufte CO2 geminderte Atmosphäre, die soziale Probleme, Armut oder hohe Sterblichkeit verursacht, ist nicht erstrebenswert! Wir sollten uns einfach mehr an die Rede des Häuptlings Seattle zum sorgfältigen Umgang mit der Erde halten und uns nicht durch interessengetriebene Indoktrination blind, und unter Vernachlässigung von Naturschutz, in eine soziale Katastrophe treiben lassen.“

Diagramm, wie Deiner Mutter versprochen, das typischen solargetriebenen Strombörsenjoyo im Sommerhalbjahr zeigt.