Von Frank Bosse
Das ZDF-Sportstudio berichtete ausführlich über die Winterspiele in den Italienischen Hochalpen. „Eine Chance, da viele Zuseher!“ mag sich Özden Terli gedacht haben und machte sich auf, dem staunenden Publikum das Klima zu erklären in der Olympiasendung des ZDF.
Er wurde nach den Schneemengen befragt, die passend zum Event im Laufe des Januars vom Himmel über Cortina d‘Ampezzo herniedergingen.
Zunächst referierte er schwer verständlich über die sich ändernde Chemie und Physik der Atmosphäre, um dann zum Kern zu kommen. Auf einer Video-Wand lief eine Animation und Terli erklärte gestenreich, was da über den Meeren passiert:

(Abbildung: Screenshot ZDF)
Da verdunstet Wasserdampf in die Atmosphäre und der kommt dann in den Alpen als Schnee herunter. Und was hat das alles mit Klima zu tun? Wir begeben uns auf Spurensuche.
Was passierte Mitte-Ende Januar 2026 in der Atmosphäre?
Eine Abbildung hilft weiter:

Die Reanalyse vom 21.01.26 Quelle: Kachelmannwetter
Über dem europäischen Kontinent hatte sich ein stabiles „Blocking“ aufgebaut. Von Skandinavien her war damit die übliche Westdrift für die Tiefdruckgebiete (blau oben) verbaut. Sie mussten nach Südosten ausweichen und damit war der Weg frei für das Abladen der Feuchtigkeit im Alpen- und Mittelmeerraum. Es schneite also recht intensiv im Gebirge.
In einem hat Terli also recht: Die Feuchte für die Schneemassen stammte vom Nordatlantik.
Wieviel da von der Luftmasse aufgenommen werden kann, hängt von den Temperaturen der Meeresoberfläche (SST) da ab. Ist es wärmer, so geht da mehr: ca. 7% mehr pro °1 C, so besagt es das Gesetz von Clausius-Clapeyron.
Also, so die Folge, schauen wir auf die Temperaturen im Januar 2026 da:

Die Januartemperaturen des Gebietes infrage seit 1981. Das Bild wurde mit dem KNMI-Climate Explorer generiert.
Wir lesen ab: 11,2 °C waren im Januar 2026 vorzufinden. Das war auch 2023 und fast 2021 so und von 2002 bis 2008. Die Temperaturen waren recht genau 0,5°C über dem Mittel von 1981-2010, das wären dann nur 3,5% (!) mehr aktuell mögliche Verdunstung über diesem Atlantik-Gebiet, über dem die Tiefdruckgebiete die Feuchte für den folgenden Schnee in den Alpen aufnahmen.
Und das erklärt nun die heurigen Schneemengen?? Erklären sie natürlich nicht, die Atmosphärendynamik spielt die übermächtige Rolle.
Da hat der gute Özden Terli wohl die Quantitäten nicht recht beachtet, sollte er aber als Meteorologe.
Keiner kann übersehen, dass auch der Ozean seit den 80er Jahren wärmer wurde, es waren dort etwa 1 Grad. Damit jedoch irgendwelche Wetterereignisse „klimatisch einzuordnen“ ist gerade für ein Massenpublikum völlig unmöglich. Das trifft schon gar nicht auf Fachleute zu, denn die wissen, dass eine Trennung von Klimaantrieb und natürlicher Variabilität für ein Ereignis praktisch unmöglich ist.
Es sei denn, man zeigt wilde Bilder nur „für die Galerie“ von „dampfenden“ Meeresoberflächen.
Das tun die aber nicht bei 11°C!
So geht es aus wie so oft: Kaum schaut man sich Fakten näher an, verpuffen diese Übertreibungen und erreichen das gewünschte Publikum überhaupt nicht. Das sieht viel Schnee und Winterbedingungen wie sie schon vor 40 Jahren waren. Und ist nur noch genervt, wie kürzlich berichtet.