Von Frank Bosse
Ein uralter (aber wohl noch recht bekannter) Schlager – Baujahr 1970-, interpretiert von Katja Ebstein, muss heute bemüht werden, wenn auf die Gasspeicher geschaut wird. Wir hatten am 13.Januar bereits berichtet, dass die Situation bei weitem nicht so entspannt ist, wie noch am 21.01.2026 auf der Website der Bundesnetzagentur zu lesen ist:
Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein.
Das ist in Anbetracht des Füllstandes der Gasspeicher mit 42,3% am 17.Januar 2026 gelinde gesagt ein Witz!
Man kann mit den Daten der Summe und der der täglichen Abnahme

dort den Zusammenhang zwischen jeweiliger Tagestemperatur und Gas-Ausspeicherung herstellen.
Man erhält so ein Diagramm für die Nicht-Ferienzeit ab 2. Januar 2026:

(tägliche Mitteltemperaturen 2. – 18.1.26: Kachelmannwetter)
Zu über 80% bestimmen die Temperaturen linear die Ausspeichermenge (das R² im Diagramm) und mit der Geradengleichung kann man für jeden kommenden Tag aus der Mitteltemperatur den Gasverbrauch recht verlässlich abschätzen. Mit dem (vergleichen Sie die Realität mit den Aussagen in unseren Beiträgen im Dezember und Januar) bewährten Wettermodell des ECMWF mit KI-Unterstützung ist es auch recht gut möglich die Temperaturentwicklung bis Ende Januar 2025 zu modellieren. Man erhält zusammen mit den bereits bekannten Daten einen solchen Monatsverlauf:

Danach gehen wir bis zum 28.Januar 2026 nochmals durch eine Kältephase, alles danach ist natürlich sehr unsicher wie es Wettermodelle jenseits der Wochenvorschau immer sein müssen. Ganz so kalt wie bis zum 12. Januar im Deutschlandmittel soll es nicht werden, das liegt vor allem am westlichen Landesteil. Das Januarmittel wird trotzdem mit -0,7°C recht deutlich unter dem Mittelwert 1961-1990 (+0,4°C) liegen. Kälter war es zuletzt 2010 (-3,2°C), der Januar 2026 ist KEIN Exot, so etwas müsste eigentlich zwingend beherrschbar sein. Die Gasvorräte werden bei diesem Verlauf jedoch zusammenschnurren bis auf 31-32% am Monatsende und es folgt noch der gesamte Februar!
Bei 20% Restkapazität bedeutet das „Alarmstufe rot“. Ein Blick auf die deutschen Februartemperaturen ab 2000:

Nehmen wir den „Allerweltswert“ von +1°C, dann sagt das „Gasmodell“ bereits am 17. Februar:
ALARM: nur noch 20% Gas verfügbar! MANGELLAGE!
Das passiert vor Ende Februar nur nicht, wenn es im Februar 2026 so warm wird wie selten: über 5°C.
So ein ganz klein wenig scheint die Unruhe auch bei der Pressemitteilung der „Initiative Energien Speichern“ (INES) vom 20.1.26 durch. Man findet dort diese Abbildung:

Vor Jahresfrist hatten die Speicher Ende Januar noch 41% Restfüllung, im Februar wurden noch 11% verbraucht. Dieses Jahr werden wir wohl bei 31% Ende Januar stehen, die „gesetzliche Vorgabe“ (in Rot) ist deutlich zu niedrig. Kein Wunder: man bezog sich dabei auf das „Wetterjahr 2016“, der Winter damals war der zweitwärmste (+3,4°C) nach 2020 (3,9°C) nach DWD-Daten!
Eine „Mangellage ist also recht wahrscheinlich in diesem Winter mit einer erwarteten Mitteltemperatur Dezember und Januar von 0,8°C. Das liegt nicht an den so tiefen Temperaturen, das ist nicht ungewöhnlich. Es liegt vor allem daran:
“Deutschland begann die Heizperiode trotz der zu rund 81 % vermarkteten Gasspeicherkapazitäten am 1. November 2025 mit einem Füllstand von lediglich 75 %.”
So der aktuelle INES- Report.
Man kann sich vor allem im Winter in Deutschland auf die Klimaerwärmung nicht verlassen!
Dann wird zunächst der Verbrauch von Industriekunden eingeschränkt. Das wären wohl auch Stromlieferanten. Wenn Sie (wahrscheinlich zurecht) beunruhigt sind ob der Situation: Vorsorge für eine Lage wie Anfang Januar in Berlin mit Stromausfällen ist nie verkehrt! Was war damals am begehrtesten? Stromgeneratoren! In jedem Fall wird es für alle teuer, der Gaspreis rauscht in die Höhe.
Aber es kann durchaus sein, dass der Februar sehr warm wird und sich alles „in Luft auflöst“. Das hofft bestimmt auch die Bundesnetzagentur mit ihren verharmlosenden Statements.
Denn wir wissen ja:
Wunder gibt es immer wieder.