Radio-Quatsch

Von Frank Bosse

Professor Volker Quaschning und „Energieaussichten“.

Kurz vor Jahresschluss am 30. 12. 2025 sollte der morgendliche Rundfunkhörer von „Radio Eins“ des RBB nochmals aufgeklärt werden über drängende Energiefragen. Das Interview (ohne jede auch nur im Ansatz kritische Nachfrage!) ist hier zu hören. Wir wollen die Aussagen des Professors mit der Realität abgleichen. Zunächst geht es um das Gutachten der Netzagentur vom September 2025 zur weiteren Gestaltung der „Energiewende“ im Auftrag des zuständigen Ministeriums und der Ministerin Reiche. Zentraler Punkt dort:  

“…dass die Versorgungssicherheit mit Elektrizität in Deutschland in den gewählten Szenarien gewährleistet werden kann, wenn zusätzliche steuerbare Kapazitäten von bis zu 22,4 GW (Zielszenario) bzw. bis zu 35,5 GW (Szenario „Verzögerte Energiewende“) bis zum Jahr 2035 errichtet werden.“

Nun hat „Greenpeace“ die Nachricht, dass da an einem Vorgängermanuskript (auf Geheiß der Ministerin) Änderungen vorgenommen wurden. Das Ministerium stimmt teilweise zu, führt jedoch ins Feld, dass die fraglichen Änderungen alle durch die Gutachter selbst eingebracht wurden und NICHT vom Ministerium willkürlich initiiert wurden. Das ist der Sachstand bis frühestens zum 5. Januar 2025.  

Prof. Quaschning sieht den so bei Min. 1:25: 

„…weil die Frau Ministerin einfach ihre eigene Interpretation des Gutachtens vorgelegt hat“ 

Das ist wohl zumindest voreilig? Kern: Der Professor ist gegen den Ausbau bis zur oben genannten Grenze und beklatscht bis Min. 2:24, dass die EU („Brüssel“) da eine Grenze (von 10 GW) eingezogen hat. Benötigt werden Gaskraftwerke, das immerhin gibt er bei Min. 2:00 zu,  

„für die Dunkelflaute, wenn wir zu wenig Sonne und Wind haben“   

Wieviel? Die Bundesnetzagentur hatte eine Zahl in den Ring geworfen (22,4 GW Leistung) und eine solche ausgeprägte Dunkelflaute mussten wir auch im Dezember 2025 hinnehmen:  

Bildquelle: Agora 

Zwischen dem 3.12.2025 und 5.12.2025 sahen wir nur marginale Erzeugung durch Energien niedriger Dichte für insgesamt 75 Stunden. Was war also angesagt? Bis zu 20 GW Erzeugung durch Kohleverbrennung oder 19,4% (besonders CO2-intensiv), eben so viel Gasverbrennung kam hinzu und bis zu 14 GW Importe vor allem aus den Niederlanden (0% aus Kohle), Dänemark (4% aus Kohle) und Frankreich (0,3% aus Kohle). Allein aus inländischer Produktion entstanden im Mittel des Zeitraumes 543 g CO2/kWh, wobei alle Länder Europas kaum auf Wind zurückgreifen konnten: 



Der Wind in Europa am Abend des 3.12.25 nach ERA5 bei Kachelmannwetter.  

Vielerorts unter 20 km/h Wind, für Energieerzeugung kaum brauchbar  

Das sind physikalische Grenzen von Energien niedriger Dichte und einem Verbundnetz, das in solchen Situationen auch nur den Mangel verwalten kann. Der Energiepreis wird dann auch überall in die Höhe getrieben er stieg auf bis zu 300 Euro/MWh an. Das ist überhaupt nicht lustig gegenüber den Nachbarländern und die „von Brüssel genehmigten“ 10 GW genügten bei weitem nicht, die Spitzenlast auch nur annährend einheimisch zu stemmen.  

Wären genügend moderne Gaskraftwerke (auch mit möglichem „Herausfangen“ von CO2 aus dem Abgas („CCS“) für das Klima nicht weitaus besser als jede andere Kohlenstoffverbrennung? Die Frage beantwortet Quaschning leider nicht. Dabei geht es doch letztlich darum? 

Weiter im Text des Professors: 

Auf die Frage nach Überschussproduktion (nur im Sommer möglich) antwortet er bei Min. 2:40: 

„Da hat man den zweiten Schritt vergessen, wie müssen Leitungen und Speicher bauen…aber wir sehen gerade einen Riesen Boom bei den Speichern“      

Die Kosten für Netze und Speicher?  

Welchen Speicher- Boom in welcher Größenordnung? Mitte 2025 waren ganze 25 GWh Kapazität an chemischen Speichern verfügbar, Pumpspeicher bringen es auf 39 GWh. Im ersten „Agora Bild“ sind diese berücksichtigt, sehen Sie die klitzekleinen grauen Beiträge da? Dann haben Sie sehr gute Augen! 

Das hält den Professor nicht davon ab, sehr optimistisch zu sein bei Min 3:03 

Das (Speicher) Problem haben wir in 2-3 Jahren gelöst.“  

Ist es Blauäugigkeit eines „Professors für regenerative Energiesysteme“ in Berlin? Hat er irgendetwas nachgerechnet, zumindest Größenordnungen? Das sollte für solche Experten doch zum täglichen Handwerkszeug gehören? Er will ernsthaft das „Lückenproblem“ oben im Bild mit chemischen Speichern lösen? Wann genau werden die Akkus geladen? Im Sommer kann man wohl wirklich etwas entlasten, indem Überproduktion dafür verwendet wird in der Zukunft. Im Winter ist das völlig unmöglich.  

Wenn auch „regenerative Energiesysteme“ (allein der Name ist schon suspekt für einen Lehrstuhlinhaber, weil man Energie nur verwandeln kann in der Physik und nicht „regenerieren“) dafür da sein sollten, den Menschen und Firmen sichere und bezahlbare Energie bereitzustellen bei minimalen Emissionen, so hat der Herr Professor wohl dieses oberste Ziel aus den Augen verloren. Dass eine ARD-Rundfunkanstalt darüber hinaus den Hörer derart uniformiert aus einem Interview zurücklässt macht es nicht besser!       

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