Dürre im Nordosten der USA hat abgenommen

Eine neue Studie des Dartmouth College zeigt, dass Dürren im Nordosten der USA in den vergangenen Jahrzehnten seltener und weniger intensiv geworden sind. Damit unterscheidet sich die Entwicklung dieser Region von vielen anderen Teilen der USA, insbesondere vom Westen des Landes, wo Dürren zugenommen haben. Die Untersuchung wurde im Journal of Hydrometeorology veröffentlicht.

Die Forscher untersuchten die Entwicklung der Dürre in den Jahren 1901 bis 2022. Betrachtet wurden die Bundesstaaten Connecticut, Delaware, Maine, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, Pennsylvania, Rhode Island, Vermont und West Virginia sowie Washington, D.C. Für die Analyse wurden vor allem langjährige Messreihen zu Niederschlag und Temperatur herangezogen.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Häufigkeit, Stärke, Dauer und Schwankungen von Dürren verändert haben. Dafür verwendeten die Wissenschaftler unter anderem den Palmer Drought Severity Index, einen etablierten Dürreindex, der Temperatur- und Niederschlagsdaten sowie weitere klimatische Größen berücksichtigt. Die Ergebnisse wurden außerdem mit Daten des U.S. Drought Monitor und mit Berechnungen zur Bodenfeuchte verglichen.

Deutlich weniger Dürren seit den 1980er Jahren

Besonders auffällig ist der Vergleich zweier Zeiträume: 1901 bis 1983 und 1984 bis 2022. Danach war die Dürrehäufigkeit im gesamten Untersuchungsgebiet in allen Monaten um etwa 59 Prozent geringer. Gleichzeitig nahm die Dürreintensität um rund 19 Prozent ab.

Auch während der warmen Jahreszeit, in der Dürren besonders große Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wasserversorgung haben können, zeigte sich eine deutliche Veränderung. Von Juni bis November ging die Häufigkeit von Dürren um etwa 56 Prozent zurück, während ihre Intensität um etwa 16 Prozent abnahm.

Die Untersuchung kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass der Nordosten der USA seit etwa 1984 statistisch gesehen feuchter geworden ist.

Mehr Niederschlag trotz steigender Temperaturen

Das Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als die Temperaturen auch im Nordosten der USA gestiegen sind. Höhere Temperaturen führen normalerweise dazu, dass mehr Wasser aus Böden und Pflanzen an die Atmosphäre abgegeben wird. Dieser Vorgang wird als Evapotranspiration bezeichnet.

Eine stärkere Erwärmung kann deshalb grundsätzlich die Entstehung von Dürre begünstigen. Entscheidend ist jedoch das Verhältnis zwischen Wasserverlust und Niederschlag. Wenn die zusätzliche Verdunstung durch ausreichend zusätzlichen Regen ausgeglichen wird, muss es nicht trockener werden.

Die Forscher beschreiben diesen Zusammenhang als eine Art Gegenspiel: Einerseits sorgt die Erwärmung für einen höheren Wasserverlust an der Oberfläche, andererseits hat der Niederschlag im Nordosten ebenfalls zugenommen.

Um herauszufinden, welcher Faktor für die beobachtete Entwicklung entscheidend ist, führten die Wissenschaftler zusätzliche Berechnungen durch. Dabei hielten sie zunächst die Temperaturen auf historischen Werten fest und ließen nur die Niederschlagsentwicklung zu. Anschließend wurde der Niederschlag konstant gehalten, während die Temperatur verändert wurde.

Das Ergebnis war eindeutig: Die Zunahme der Niederschläge erklärt den überwiegenden Teil des Rückgangs der Dürre.

Keine Zunahme des Wechsels zwischen Dürre und Starkregen

Ein weiterer interessanter Befund betrifft die Frage, ob sich die Schwankungen zwischen sehr trockenen und sehr nassen Bedingungen verstärkt haben.

In den vergangenen Jahren wurde häufig von einem zunehmenden „Weather Whiplash“ gesprochen. Damit ist ein rascher Wechsel zwischen extrem trockenen und extrem nassen Bedingungen gemeint. Die Untersuchung für den Nordosten der USA liefert hierfür jedoch keinen entsprechenden Hinweis.

Die Schwankungen zwischen trockenen und nassen Monaten haben sich demnach nicht wesentlich verändert. Die Region ist also zwar insgesamt feuchter geworden und erlebt weniger und schwächere Dürren, gleichzeitig zeigt sich aber keine statistisch erkennbare Zunahme solcher schnellen Wechsel zwischen Dürre und Nässe.

Weniger Dürre bedeutet nicht weniger Probleme mit Wasser

Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass der Nordosten der USA von Dürreproblemen verschont bleibt. Die Forscher betonen, dass Dürren weiterhin auftreten können und teilweise erhebliche Folgen haben.

So war noch ein Jahr vor der Veröffentlichung der Studie mehr als ein Drittel des Nordostens von einer schweren oder extremen Dürre betroffen. Landwirtschaft und Wasserversorgung können auch bei einer langfristig rückläufigen Dürrehäufigkeit durch einzelne extreme Ereignisse stark belastet werden.

Gleichzeitig hat die Zunahme der Niederschläge eine Kehrseite: Stärkere Niederschläge erhöhen die Gefahr von Überschwemmungen.

Damit zeigt die Studie ein wichtiges regionales Muster. Eine Veränderung des Niederschlagsregimes kann dazu führen, dass eine Region weniger unter Dürre leidet, während gleichzeitig das Risiko für Überschwemmungen steigt. Die zunehmende Niederschlagsmenge stellt deshalb nicht automatisch eine Verbesserung der gesamten Wassersituation dar.

Was geschieht in Zukunft?

Ob sich die Entwicklung fortsetzt, lässt sich nach Ansicht der Forscher nicht mit Sicherheit sagen. Entscheidend wird sein, wie sich das Verhältnis zwischen Niederschlag und Evapotranspiration künftig entwickelt.

Solange der zusätzliche Niederschlag schneller zunimmt als der Wasserverlust durch Verdunstung und Transpiration, dürfte der Nordosten der USA nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht mit einer grundlegenden Zunahme der Dürre rechnen. Allerdings unterscheiden sich Klimamodelle hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Niederschlags in dieser Region.

Die Studie liefert deshalb vor allem eine wichtige Erkenntnis über die bisherige Entwicklung: Trotz der Erwärmung ist der Nordosten der USA im betrachteten Zeitraum nicht trockener geworden. Stattdessen haben zunehmende Niederschläge dazu beigetragen, dass Dürren seit den 1980er Jahren deutlich seltener und weniger intensiv auftreten.

Die Ergebnisse verdeutlichen damit auch, dass die Auswirkungen des Klimawandels regional sehr unterschiedlich sein können. Eine zunehmende globale Erwärmung führt nicht zwangsläufig überall zu einer Zunahme von Dürren. Entscheidend sind die regionalen Veränderungen von Niederschlag, Verdunstung, Bodenfeuchte und anderen Bestandteilen des Wasserkreislaufs.

Für die Wasserwirtschaft und die Anpassung an den Klimawandel sind solche regionalen Unterschiede von großer Bedeutung. Während der Nordosten der USA aufgrund der höheren Niederschläge derzeit weniger stark von Dürren betroffen ist, muss gleichzeitig mit den möglichen Folgen zunehmender Starkniederschläge und Überschwemmungen gerechnet werden.

Weiterlesen: https://phys.org/news/2026-09-drought-northeastern-states-decreased.html

Wargo et al. 2026: Observed decreases in seasonal drought across the Northeastern United States.

Teilen: