Quelle: https://phys.org/news/2026-06-distant-ocean-temperatures-snowfall-antarctica.html – Juni 2026
Ferne Meerestemperaturen beeinflussen den Schneefall in der Antarktis
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Schneemengen in der Antarktis nicht allein von lokalen Wetterbedingungen abhängen. Vielmehr können Temperaturveränderungen in weit entfernten Ozeanregionen die atmosphärischen Zirkulationsmuster beeinflussen und dadurch die Niederschläge über dem südlichsten Kontinent der Erde verändern. Solche Fernwirkungen spielen eine wichtige Rolle für die Stabilität des antarktischen Eisschildes und damit auch für den zukünftigen Meeresspiegel.
Die Wissenschaftler untersuchten die komplexen Verbindungen zwischen Ozeanen und Atmosphäre. Dabei zeigte sich, dass Veränderungen der Meeresoberflächentemperaturen in tropischen und gemäßigten Breiten großräumige Luftströmungen beeinflussen können. Diese wiederum bestimmen, wie viel Feuchtigkeit in Richtung Antarktis transportiert wird und wo sie schließlich als Schnee niedergeht.
Schneefall besitzt für die Antarktis eine besondere Bedeutung. Einerseits gleicht neuer Schnee einen Teil der Eisverluste aus, die durch Schmelzen oder den Abbruch von Eisbergen entstehen. Andererseits können Änderungen der Niederschläge das Gleichgewicht ganzer Eisregionen verändern. Bereits relativ kleine Verschiebungen bei den Schneemengen können sich über Jahrzehnte zu erheblichen Veränderungen der Eismassen summieren.
Die Studie verweist darauf, dass sich die Ozeane rund um die Antarktis derzeit verändern. Messungen zeigen, dass wärmeres Tiefenwasser in den vergangenen Jahrzehnten näher an den Kontinent herangerückt ist. Dadurch steigt das Risiko, dass Schelfeise von unten her angeschmolzen werden. Gleichzeitig beeinflussen Veränderungen der Meeresoberflächentemperaturen die atmosphärische Zirkulation und damit auch die Niederschlagsverhältnisse.
Die Forscher betonen, dass die Antarktis lange Zeit als vergleichsweise stabil galt. In den vergangenen Jahren wurden jedoch deutliche Veränderungen beobachtet. Das Meereis rund um den Kontinent hat seit 2015 stark abgenommen, nachdem es zuvor jahrzehntelang relativ stabil geblieben war. Wissenschaftler führen dies unter anderem auf den verstärkten Aufstieg wärmeren Tiefenwassers zurück.
Ein besseres Verständnis der Verbindungen zwischen fernen Ozeanen und dem antarktischen Klima könnte die Genauigkeit zukünftiger Klimamodelle verbessern. Wenn bekannt ist, wie Temperaturänderungen im Pazifik, Atlantik oder Indischen Ozean die Niederschläge in der Antarktis beeinflussen, lassen sich zukünftige Entwicklungen des Eisschildes genauer abschätzen.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Antarktis kein isoliertes System ist. Prozesse, die Tausende Kilometer entfernt stattfinden, können sich letztlich auf die Schneefälle, die Eismassenbilanz und damit auf den globalen Meeresspiegel auswirken. Für die Klimaforschung bedeutet dies, dass Ozeane, Atmosphäre und Eis noch stärker als zusammenhängendes System betrachtet werden müssen.
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Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie:
Zuverlässigere Vorhersage von Hitzesommern in Europa
Hitzesommer in Europa lassen sich besser vorhersagen, wenn man Abweichungen beim Wärmetransport im Nordatlantik angemessen berücksichtigt. Das zeigt eine Studie von Forschenden des Max-Planck-Instituts für Meteorologie. Die neue Methode lässt sich potentiell auf dekadische Klimavorhersagen anwenden, um in Zukunft wertvolle Informationen für spezifische Nutzergruppen bereitzustellen.
In Europa sind Menschen immer häufiger Hitzeextremen ausgesetzt – mit schwerwiegenden Folgen unter anderem für die menschliche Gesundheit, für Ökosysteme und für die Landwirtschaft. Forschende des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) haben ein Vorgehen entwickelt und erprobt, mit dem sich solche Hitzesommer in Europa besser vorhersagen lassen – und das bis zu mehreren Jahren im Voraus.
Ein entscheidender Hinweis auf bevorstehende Hitzesommer ist im Ozean zu finden: MPI-M-Forscherin Lara Wallberg und Kolleg*innen hatten in einer früheren Studie gezeigt, dass europäischen Hitzesommern häufig ein Wärmestau im Nordatlantik vorausgeht. Dieser Wärmestau zeichnet sich bereits drei Jahre vor einem Hitzeextrem ab. In ihrer neuen Studie haben Lara Wallberg, Laura Suarez-Gutierrez (ETH Zürich & LSCE Paris) sowie die MPI-M-Forschenden Daniela Matei, Daniel Krieger und Wolfgang Müller gezeigt: Ein entsprechender physikalischer Indikator lässt sich nutzen, um die Vorhersagen von extrem warmen Sommern in Europa zu verbessern.
Eine Filtermethode für Vorhersage-Ensembles
Forschende der Universität Hamburg haben dafür mit dem am MPI-M entwickelten Klimamodell MPI-ESM-LR mehrere Simulationen berechnet, die sich in den Anfangsbedingungen leicht unterscheiden – ein sogenanntes Ensemble. Wallberg und ihre Kolleg*innen haben aus einem solchen Ensemble dann anhand von Anomalien der Nordatlantikströmung diejenigen Modellläufe herausgefiltert, die den relevanten Nordatlantik-Mechanismus ausreichend abbilden.
Um die Güte der so gewonnenen Vorhersage überprüfen zu können, nutzten sie ein sogenanntes Nachhersage-Experiment: eine Vorhersage für einen Zeitraum, der bereits in der Vergangenheit liegt. So konnten sie die Ergebnisse mit Reanalyse-Beobachtungsdaten im Zeitraum 1964-2021 vergleichen, wobei in dieser Zeit 18 überdurchschnittlich warme Sommer in Europa auftraten. Das Ergebnis: Nach Anwendung der Methode werden zehn dieser Sommer, die Gesamtzahl der heißen Sommertage innerhalb dieser Sommer, sowie die Amplitude des Extrems und seine Variabilität zuverlässiger vorhergesagt.
Wallberg prüft nun, ob man mit dem Ansatz konkret die regionale Ausprägung der extrem warmen Sommer 2003, 2018 und 2022 schon drei Jahre im Voraus hätte vorhersagen können. Spezifisch betrachtet die Forscherin auch die Pflanzenwachstumstage, um zu sehen, ob mit der Methode beispielsweise wertvolle Informationen für die Landwirtschaft bereitgestellt werden können.
Originalpublikation
Wallberg, L., Suarez-Gutierrez, L., Matei, D., Krieger, D., & Müller, W. A. (2025). Anomalously warm European summers predicted more accurately by considering sub-decadal North Atlantic ocean heat accumulation. Geophysical Research Letters, 52, e2024GL111895. https://doi.org/10.1029/2024GL111895