Quelle: https://phys.org/news/2026-05-subglacial-ch-export-greenland-ice.html – Charles University – veröffentlicht am 5. Mai 2026
Methanfreisetzung unter dem grönländischen Eisschild mit einer Warmzeit im mittleren Holozän verknüpft
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Karls-Universität in Prag hat Hinweise gefunden, dass während einer wärmeren Phase vor etwa 9.000 bis 4.000 Jahren große Mengen Methan unter dem grönländischen Eisschild freigesetzt wurden. Methan gilt als starkes Treibhausgas. Bereits zuvor war Methan an schmelzenden Gletscherrändern weltweit nachgewiesen worden. Die neue Studie untersucht nun erstmals systematisch die gesamte Randzone eines großen Eisschildes. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler sammelten Schmelzwasserproben entlang eines 2.000 Kilometer langen Abschnitts an der Westküste Grönlands.
Mithilfe von Isotopenanalysen und Radiokohlenstoffdatierungen bestimmten sie Herkunft und Alter des gelösten Methans. Das Methan erwies sich als 1.500 bis 4.500 Jahre alt. Es wurde biologisch von methanbildenden Mikroorganismen erzeugt. Dies deutet darauf hin, dass sich der grönländische Eisschild während des Holozäns zeitweise deutlich weiter zurückgezogen hatte als heute. In den eisfreien Gebieten konnte sich Tundravegetation ausbreiten und organisches Material ansammeln. Während einer späteren Abkühlungsphase wurde dieses Gebiet erneut vom Eis überdeckt. Die Forscher sehen darin Hinweise auf eine sehr dynamische Reaktion des Eisschildes auf Klimaveränderungen. Laut den Autoren ist der grönländische Eisschild empfindlicher gegenüber Erwärmung als bislang angenommen. Dies habe wichtige Folgen für zukünftige Entwicklungen des Meeresspiegels.
Der Mitautor Alun Hubbard von der Universität Oulu erklärte, die Studie sei eine ernüchternde Erinnerung an die mögliche Zukunft des grönländischen Eises. Derzeit sei die Menge des freigesetzten Methans noch vergleichsweise gering. Mit zunehmender Eisschmelze könne sich dies jedoch ändern. Mehr Schmelzwasser könne die Freisetzung von Methan künftig verstärken. Dies gelte möglicherweise auch für die Antarktis, wo unter dem Eis noch größere organische Reserven vermutet werden. Die Autoren betonen daher die Bedeutung solcher Prozesse für globale Methanbilanzen und zukünftige Klimamodelle.
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Hinweis der Redaktion: Immerhin wird die unbequeme mittelholozäne Warmzeit hier eingeräumt. Dass nun aber große Methanmengen „aus dem Hut“ gezaubert werden müssen, um die vorindustrielle Wärme in den Klimamodellen reproduzieren zu können, ist fraglich. In Wahrheit fehlen wohl ganz andere Parameter in den Modellen. Momentan kann in den Modellen die Wärme nur durch Treibhausgase generiert werden…
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Quelle: https://phys.org/news/2026-05-lake-mud-reveals-years-kangaroo.html – Haidee Cadd, Jonathan Tyler, Lucinda Duxbury – veröffentlicht am 4. Mai 2026
Seeschlamm enthüllt 7.000 Jahre komplexer Feuergeschichte auf Kangaroo Island
Während des australischen „Black Summer“ 2019 bis 2020 brannte etwa die Hälfte von Kangaroo Island. Zwei Menschen starben und große Teile der Vegetation wurden zerstört. Nach den Bränden wuchs die Sorge um seltene Tierarten wie die grüne Holzbiene oder bedrohte kleine Beuteltiere. Forscher untersuchten daraufhin Sedimente aus der Lashmars Lagoon im Osten der Insel. In den Ablagerungen fanden sich tausende Holzkohlefragmente vergangener Feuer. Durch deren Analyse konnten die Wissenschaftler eine rund 7.000 Jahre lange Feuergeschichte rekonstruieren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Global and Planetary Change“ veröffentlicht.
Frühere Studien hatten vorgeschlagen, dass indigene Landbewirtschaftung auf dem australischen Festland Feuer begrenzte und Brennmaterial reduzierte. Kangaroo Island bietet laut den Forschern einen seltenen Sonderfall, weil die Insel über lange Zeit nicht dauerhaft von Menschen bewohnt war. Archäologische Daten deuten darauf hin, dass Menschen die Insel vor etwa 5.000 bis 6.000 Jahren verließen. Danach entwickelte sich dichtere und stärker verholzte Vegetation. Dennoch blieben größere Feuer über weitere 3.000 Jahre selten. Erst in den vergangenen 2.000 Jahren nahm die Feueraktivität deutlich zu. Besonders intensiv war sie vor etwa 700 bis 900 Jahren. Diese Entwicklung fiel mit trockener werdenden Klimabedingungen zusammen.
Vermutlich spielten Veränderungen der südlichen Westwindzonen dabei eine Rolle. Interessanterweise verlief die Entwicklung anders als auf dem australischen Festland. Dort nahm die Feueraktivität im gleichen Zeitraum eher ab. Dies spreche für die wichtige Rolle indigener Landschaftspflege bei der Begrenzung von Buschbränden. Die Forscher sehen dennoch auch positive Aspekte. Die außergewöhnliche Artenvielfalt von Kangaroo Island habe frühere Klimaveränderungen und Feuerperioden offenbar überstanden. Offen bleibe jedoch, ob die heutigen Ökosysteme auch häufigere und intensivere Brände in Zukunft bewältigen können. Die Autoren betonen deshalb die Bedeutung einer Kombination aus indigener Erfahrung, lokaler Zusammenarbeit und moderner Wissenschaft zum Schutz dieser einzigartigen Landschaften.
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Quelle: https://phys.org/news/2026-04-lost-millennium-galapagos-deep-sea.html – University of Bristol – veröffentlicht am 20. April 2026
Verlorenes Jahrtausend der Tiefseekorallen der Galápagosinseln mit großer Pazifik-Klimaveränderung verbunden
Forscher haben herausgefunden, dass Tiefseekorallen im Gebiet der Galápagosinseln für mehr als 1.000 Jahre verschwanden, bevor sie sich später wieder erholten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Tiefsee-Ökosysteme empfindlicher auf Klimaveränderungen reagieren als bisher angenommen. Die Studie wurde von der University of Bristol gemeinsam mit internationalen Wissenschaftlern durchgeführt und in der Fachzeitschrift „PNAS“ veröffentlicht. Die Forscher analysierten mehr als 900 fossile Tiefseekorallen aus Tiefen von bis zu 1.000 Metern. Mithilfe von Uran-Thorium-Datierungen rekonstruierten sie eine Klimageschichte über 117.000 Jahre. Damit entstand eine der bislang detailliertesten Rekonstruktionen von Tiefseekorallen im Pazifikraum.
Tiefseekorallen sind im Vergleich zu tropischen Korallen bislang wenig erforscht, gelten aber als wichtige Lebensräume für zahlreiche Fisch- und Wirbellosenarten. Die Studie zeigt, dass diese Korallen viele große Klimaveränderungen überstanden, darunter die letzte Eiszeit und die anschließende Erwärmung. Vor etwa 5.000 Jahren kam es jedoch zu einem abrupten Zusammenbruch. Für mehr als ein Jahrtausend verschwanden die Korallen vollständig aus den Sedimentaufzeichnungen. Weitere Analysen deuten darauf hin, dass dies mit Veränderungen des El-Niño-Southern-Oscillation-Systems zusammenhing.
Die Wissenschaftler vermuten eine langanhaltende La-Niña-Phase als Ursache. Dadurch wurden stärkere Meeresströmungen ausgelöst, die nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche transportierten. Dies könnte den Sauerstoffgehalt in größeren Tiefen reduziert haben. Laut den Forschern verschlechterten sich dadurch die Lebensbedingungen für Tiefseekorallen erheblich. Die Ergebnisse zeigen, dass auch länger anhaltende La-Niña-ähnliche Bedingungen schwere Schäden verursachen können. Bisher standen vor allem El-Niño-Ereignisse im Fokus der Korallenforschung. Die Autoren warnen, dass Veränderungen des ENSO-Systems durch den Klimawandel künftig große Auswirkungen auf Tiefsee-Ökosysteme haben könnten. Gleichzeitig zeigt der Fossilbefund, dass sich die Korallen später wieder ansiedelten. Dieser Erholungsprozess dauerte allerdings viele Jahrhunderte. Die Wissenschaftler sehen darin wichtige Hinweise für den zukünftigen Schutz mariner Tiefseegebiete und die Gestaltung von Meeresschutzgebieten im Pazifik.
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