Was eine neue PIK-Studie zu einem „AMOC- Kollaps“ wirklich sagt

Von Frank Bosse

Es gibt eine neue Modell-Studie zum möglichen Kollaps der Atlantischen Umwälzzirkulation (AMOC). Nicht ganz überraschend kommt sie aus dem Hause „Potsdam Institut für Klimafolgenforschung“ (PIK).

Ergebnis diesmal: Bräche die Meeresströmung dauerhaft zusammen, so würde das den Südlichen Ozean in eine CO2-Quelle verwandeln, bisher ist dieses Gebiet die größte Senke der Meere, entfernt also CO2 aus der Atmosphäre. Damit wäre dann Schluss und das würde die globalen Temperaturen um weitere 0,2K steigen lassen. Das gäbe weitreichende lokale Konsequenzen, die Arktis kühle sich deutlich ab, die Antarktis erwärme sich dagegen um ca. 6°C. Eine Meldung von Wetter.com zitiert den Chef des PIK, Rockström mit diesen Worten:

 „Je mehr CO₂ sich zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs in unserer Atmosphäre befindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer zusätzlichen Erwärmung. Das heißt: Je mehr Emissionen wir heute ausstoßen, desto größer wird das Risiko für stärkere Klimafolgen in der Zukunft.“

Das sind handfeste „Hinweise“ auf das Handeln in der realen Welt. Die Studie wurde jedoch mit Klimamodellen durchgeführt. Wie realistisch sind die Annahmen da? Hierzu sei ein Blick in die Methoden der Arbeit geworfen. Wie wurde die AMOC im Modell „abgeschaltet“ als notwendige Bedingung für alle Aussagen zum Verhalten danach?

Man findet das:

„Subsequently, a 7000-year experiment is conducted for each equilibrated state, with freshwater hosing applied during model years 1000–2000.  Freshwater hosing is performed at strengths of 0.1 Sv and 0.2 Sv in the North Atlantic in the range of 50 °N–70 °N. In our experiments, freshwater hosing of 0.1 Sv proved insufficient to induce AMOC collapse under atmospheric CO2 concentrations of 550 ppm and 600 ppm; consequently, the freshwater flux was increased to 0.2 Sv to ensure consistent AMOC collapse across all experimental scenarios.” 

Es wird beschrieben, welche Mengen Süßwasser notwendig sind, um bei einer CO2-Konzentration von 550-600 ppm (das erwartet das wahrscheinlichste Emissions-Szenario um das Jahr 2100 herum) die AMOC sicher „abzuschalten“. Die Angaben sind in „Sverdrup“ (Sv) gemacht, wobei 1 Sv einen Fluss von 10^6 m³ Wasser pro Sekunde beschreibt. 0,1 Sv sind nicht ausreichend dafür, das doppelte ist erforderlich. Das lässt man dann (im Modell!) 1000 Jahre lang geschehen

Wo kann das Süßwasser im Nordatlantik herkommen? Im Modell macht man es sich einfach, man schüttet die erforderliche Menge einfach in den Nordatlantik zwischen 50°N und 70°N. In der realen Welt kommt dafür ein Abschmelzen des grönländischen Eisschelfs infrage, das stellt auch ein Bericht zu „Tipping Points“ so heraus:

The AMOC depends on the formation of dense, salty water in the high latitudes of the North Atlantic. As GrIS melting (Schmelzen des Grönländischen Eis-Schelfs, d.A.)  increases (1.2.2.1), the associated discharge of salt-free freshwater in the ocean will decrease surface water salinity and thereby density, inhibiting the formation of dense waters and weakening the circulation.“

Wieviel Eis (potenzielles Süßwasser) ist da gelagert? Man findet, es seien 2,6-2,9 Mio km³. Nimmt man das Modellsetting in der PIK-Arbeit als Maßstab, so taue das innerhalb von 1000 Jahren. Wieviel Volumenstrom (in Sverdrup) ergibt das?  Es sind nach Adam Riese: 0,000092 Sv.

Im PIK-Modell war also eine Menge von Süßwasser erforderlich die AMOC in den Kollaps zu treiben, die die überhaupt durch Grönland zu liefernde Süßwassermenge, um den Faktor 1087 für die noch nicht ausreichenden Fluss von 0,1 Sv zu erbringen. Sicher ist er erst bei einer Menge, die Faktor 2100 über dem liegt, was überhaupt möglich ist auf der realen Erde.

Für die Methoden der PIK-Arbeit wäre es also höchst sinnvoll, nicht einfach eine gigantische Menge Süßwasser in den Nordatlantik zu kippen, sondern es wäre auch notwendig zu erklären, wo die über 2100fache Menge des Grönlandeises da herkommen soll.

Das unterlässt die Arbeit geflissentlich, berücksichtigt also die Gegebenheiten der realen Erde überhaupt nicht, ein Autor macht jedoch sehr „stringente“ Aussagen darüber, wie „der Mensch“ handeln sollte um den “AMOC-Kollaps” zu vermeiden, indem sie voraussetzt, dass die Modellergebnisse realistisch sind.  Ein klassischer Zirkelschluss!

Dabei ist schon das 100% „Einwirken“ des realen schmelzenden Grönländischen Eisschelfs auf die AMOC sehr fragwürdig, wir hatten hier darüber berichtet, dass da nur ein kleiner Teil davon AMOC-wirksam ist, wie eine Arbeit aus 2025 des MPI-M herausfand.

„In der ganz aktuellen Arbeit zeigt der Autor, dass es vor allem Wasser der Wintersaison ist, das auch das kritische AMO-Gebiet erreicht, kaum das Wasser vom viel stärkeren „Sommer-Tauen“.  
Zudem spielt für die AMOC vor allem der Südliche Teil von Grönland eine Rolle, viel weniger der Nördliche. Im Süden ist jedoch viel weniger Eis vorhanden zum potenziellen Tauen als im Norden.  
So schrumpft die mögliche Rolle des Grönlandeises bei den „Kollaps-Simulationen“ weiter und diese könnten realistischer werden.“

„Alles an der neuen PIK-Arbeit ist also unrealistisch!“ so die kurze Zusammenfassung.

Ein mit utopischen Süßwassermengen „gefüttertes“ Klimamodell zeigt einen damit auch völlig unrealistischen Kollaps der AMOC: Das ist gut zu wissen zum Einordnen all dieser Fantasien.   

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