Die Wärme des März 2026 in den USA war ohne Klimawandel praktisch unmöglich?” Kann sein!  

Von Frank Bosse

Auch die taz berichtete:  

Eine solche Hitzewelle zu dieser Jahreszeit wäre in einer Welt ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel praktisch unmöglich“, erklärte die internationale Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) in einem Bericht.“ 

Die Zeitung zitierte damit eine „Key Message“ in diesem ganz aktuellen Bericht. In ihm findet man viel zur Methodik für das Finden solcher Thesen. Wir haben ihn angeschaut und versucht, das nachzuvollziehen. Ein Prinzip ist es dabei, auf Beobachtungs- und Reanalyse Daten zurückzugreifen. Das ist relativ etabliert und anerkannt. Ein zweiter Strang des Erkenntnisgewinnes erfolgt dann oft mithilfe von Klimamodellen, das ist eher umstritten. Wir werden sehen warum, an diesem aktuellen Beispiel der „Attributionsforschung“.  

Gleich in Fig. 1 des Berichts kommen die „harten Fakten“, das Untersuchungsgebiet und die Temperaurverteilung dort über das Jahr mit dem Wert von 2026 für den 20.3. (schwarz), zum Zuge:  

Quelle: Fig. 1 des verlinkten Berichts 

Datenbasis ist dort ist die europäische Reanalyse ERA5, sie hält tägliche Daten ab 1950 bereit. Für den 20.3.2026 waren nahezu 25°C Maximaltemperatur im Mittel des studierten Gebietes (links) vorhergesagt. Das liegt deutlich über dem langjährigen Mittel auch der Jahre nach 1995 (rot, fett) von ca. 14°C. Nur: Das Mittel sagt nicht allzu viel aus über Extreme. In dem Bericht wurde auch Bezug genommen auf eine Reanalyse-Reihe der NOAA: „CPC“. Die hat den Vorteil, dass sie länger zurück reicht- bis hin zu 1835 in dieser Variante

Wir interessierten uns für die täglichen Maximalwerte im Studiengebiet, und zwar jeweils auch am 20. März.  

Das gibt dieses Bild:  Die Wärme des März 2026 in den USA war ohne Klimawandel praktisch unmöglich?” Kann sein!  

Die Tageswerte streuen stark, sehr hohe Temperaturen von über 20°C im März kamen jedoch immer wieder vor. Die nahezu 25 °C in diesem Jahr stechen jedoch schon heraus. Nur deutet das unbedingt darauf hin, dass sie „ohne Klimawandel praktisch unmöglich sind“? Auch eine Kontrollrechnung mit ERA5 zeigt ein ähnliches Bild nach 1950: 

Das Jahr 2004 hält mit 24 °C den bisherigen Rekord, das ist auch schon wieder über 20 Jahre her.  Seitdem wurden die 20°C nicht wieder überboten an einem 20. März.  

Wie verhält es sich also mit Trends für diesen Tag? Wenn es vorrangig der Klimawandel wäre, der an solchen Tagewerten „schuld“ sein soll: dann müsste sich das klar abzeichnen durch eine stetige Zunahme hoher Werte nach ca. 1980. Ein 10-jähriger gleitender Mittelwert:  

Er zeigt zwar eine Zunahme zwischen 1985 und 2000 an, nur fällt er in den letzten 25 Jahren wieder ab!   

Bei den Maximaltemperaturen des 20. März im Gebiet ist viel „Wetter“ am Werken. Das ist die Quintessenz. Dass es mit dem Klimawandel insgesamt auch graduell höhere globale Temperaturen gibt, steht nicht in Zweifel. Nur ist die Folgerung für ein solch relativ kleines Gebiet im Südwesten der USA an wenigen Tagen in dem letzten Bericht der Attributionsforschung: „ohne Klimawandel praktisch unmöglich“ durch die Daten selbst nur sehr wenig belegbar.  

Die zweite Begründung erfolgt dort mit Klimamodellen der letzten Generation „CMIP6“. Im „Appendix“ des Berichtes ist aufgeführt wie: Ein Multi-Modell-Mean aus 31 Modellen. Für nach 2015 wurden die mit dem Szenario SSP5-8.5 für Emissionen beaufschlagt: Das ist viel zu hoch, wie man weiß. Dass so etwas überhaupt noch verwendet wird, grenzt schon an einen Skandal! Die Wissenschaft ist sich schon länger darüber einig, dass ein Szenario mit im Jahr 2100 real eingepreisten 8,5 W/m² zusätzlichem Strahlungsabtrieb „irreführend“ ist. Aussagen zur Zukunft damit im vorliegenden Bericht ebenso. Dies betrifft Fig.6 und Tab.2 dort, sie zeigen für die Zukunft eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit solcher Events.  

Wie auch immer: Das Prinzip der Attributionsforschung ist stets ähnlich: Man vergleicht reale Daten mit Modell-Ergebnissen, man kann dann den Klimawandel (=zusätzlicher Strahlungsantrieb) ein- und ausschalten und schauen, was er anrichtet. Das geht nur in Modellen, niemals in der realen Welt. Nur setzt dieses Vorgehen auch zwingend voraus, dass in der fraglichen Gegend die Modellergebnisse auch gut mit Beobachtungen übereinstimmen in der Vergangenheit. Hier also der Test mit dem CMIP6- Modell Mean und zum Vergleich die für globale Temperaturen die auch im Bericht verwendeten Daten von GISS bis 2015: 

Das Bild zeigt die räumlichen Korrelationen der Beobachtungen mit den Modellwerten im Untersuchungsgebiet im Monat März zwischen 1960 und 2015. Die Skala endet bei einem besten Wert der Korrelation von 0,6! 

Im Mittel werden um 0,35 erreicht, also „schwache positive Korrelation“ nach gängiger Definition. Auf solchen “schwachen” Aussagen etwas mit dieser Sicherheit („ohne Klimawandel praktisch unmöglich“) behaupten zu wollen, ist schon sehr abenteuerlich! Die Modellvergleiche in der Attributionsforschung sind wohl nicht den Rechenaufwand wert, der notwendig ist: die Modellmittel korrelieren in kaum einem kleineren Gebiet hinreichend genug mit der realen Welt, die Beobachtungen abbildet.  In anderen Worten: Die Modelle sind zu schlecht in kleineren Gebieten, als dass sie sinnvolle Aussagen ermöglichen. Sie sind auch nicht vorrangig dafür gemacht, global schlagen sie sich teilweise besser.  

Was bleibt? Physikalisch ist es nicht unplausibel, dass es auch zunehmend wärmere Frühjahre im Südwesten der USA gibt mit dem Klimawandel. Alles andere an „Sicherheit“ in den Meldungen auf Basis des zitierten Berichts ist bei Licht besehen recht fadenscheinig.  

Alle Kalkulationen wurden mit dem KNMI-Climate Explorer (KNMI Climate Explorer. c2022. de Bilt: Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut (KNMI); [accessed 2025 Nov 17]. https://climexp.knmi.nl/start.cgi.)   ausgeführt und sind für jedermann nachvollziehbar.Auch die nicht zitierten Abbildungen entstanden so.     

Teilen: