Eisbären-Stories

Von Frank Bosse

Es war doch überhaupt DAS Symbol für Schäden durch den Klimawandel: Eisbären magern ab, finden nichts mehr zum Fressen, weil das Eis in der Arktis viel weniger wird. Klingt logisch? Noch im Juli 2025 erschien in der ARD eine Folge „planet Schule“ mit dem Titel „Klimawandel bedroht Eisbären- Erklär’s mir“. In dem 2:35 min langem Video wird das alles so ausgebreitet und das wird von betroffen dreinblickenden Schülern auch emotional kommentiert: „Die Eisbären tun mir leid und wir sind schuld“.  

Es erschienen auch in anderen Medien Meldungen, die Studien kommentierten, die das zu bestätigen schienen. So titelte der „Spiegel“ im Juli 2020: „Eisbären könnten bereits im Jahre 2100 ausgestorben sein“. In der referierten Studie wurde die globale Erwärmung bis 2100 extrapoliert und mit +3,3 °C gegenüber vorindustriell angenommen. Das war schon recht gewagt, wir berichteten, dass der letzte Stand der Forschung einen zentralen Erwartungswert von ca. 2,4 °C ansetzt, das Überschreiten von 3°C nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 9% erwartbar ist. Die 3,3 °C global waren schon in 2020 zu hoch angesetzt. In der Arktis wird der Unterschied noch höher durch die “Arktische Verstärkung” der Erwärmung.  

Der zentrale Punkt: „Wie empfindlich ist eine reale Eisbärenpopulation gegenüber einer Reduktion des Meereises“ ist jedoch damit noch gar nicht berührt. Man nahm nur Dramatik an, vor allem in manchen Medien und leider auch bei der Bildung von Kindern.  

Nun hat sich eine Studie in „Nature“ darum gekümmert. Sie untersuchte eine Population bei Svalbard. Nirgends in der Arktis ging das Eis seit den 90er Jahren so schnell zurück wie da. Das favorisierte Modell der Studie war also auch zunächst: “Die Population ist besonders betroffen und der Körperindex der Bären geht deutlich zurück.”  

Das Ergebnis kurz zusammengefasst lautet jedoch: 

The results from this paper, which show that polar bears have not yet experienced a decline in body condition in an area where sea ice habitat loss has occurred faster than anywhere else they live…” 

Da ist kein Zusammenhang zwischen Körperkonditionen und Meereisrückgang.
In anderen Regionen mag das anders sein, nur dass es ausgerechnet im Arktisgebiet mit dem stärksten Eisrückgang nicht so ist, erschüttert das einfache Denken von „planet Schule“ etc. doch erheblich.  

Überraschend kommt auch ein „Meinungsartikel“ im „Spiegel“ dazu mit dem Titel: „Der einsame Bär auf der Eisscholle ist purer Populismus“ (Bezahlschranke). Der Autor hat sich die neue „Nature“ Studie auch aufmerksam angesehen und findet für die lange gestreuten „Eisbärmythen“ klare Worte:  

„Das heißt: Auch die beste Wissenschaft zeigt nie das ganze Bild. Es bleiben immer Erklärungsreste, Widersprüche, Irrtümer. Und die Fotos von »einsamen« Polarbären auf kleinen Eisschollen erklären gar nichts, sondern sind nur eine Art massenmedialer Ökopopulismus. Hässliches Wort, ja, aber hier trifft es zu.“ 

Das ist direkt auf den Punkt! Immer wieder erscheinen jedoch auch Studien, die den beklagten „massenmedialen Ökopopulismus“ mit neuer Nahrung versorgen. Die letzte „Erhitzungsbeschleunigungs- Studie“ ist dafür ein beredter Ausdruck, im Blog wurde erst unlängst darüber berichtet, vgl. hier und hier

Es wäre kaum auszudenken, wenn solche und ähnliche Veröffentlichungen mit „Datenmassagen“ und statistischen „Verrenkungen“ erst gar nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken würden. Oder Studien, die wild extrapolieren in eine wohl viel zu warme zukünftige Welt wie die oben erwähnte „Eisbärenarbeit“ aus 2020, die eine viel zu hohe Gewissheit des Untergangs der Eisbären vermittelt oder wie im aktuellen Spiegel- Artikel sehr zutreffend heißt:  

„Aber solche Garantien gibt es nicht. Die Zukunft ist keine durchorganisierte Schnitzeljagd, sondern eine offene Veranstaltung. Und genau dafür haben die Polarbärenforscher aus dem hohen Norden neues Material geliefert.“ 

Das „richtige Leben“ ist viel zu komplex für Monokausalitäten. Das trifft nun auch für die Eisbärenpopulationen zu, erwartbar war es.  

Denn es ist wirklich keine neue Erkenntnis! Sie galt auch vor dem Erscheinen der „Nature Studie“ vom Januar 2026. Ganz besonders kritisch wird es jedoch, wenn man sie Kindern vorenthält und ihnen stattdessen die eigenen vorgefertigten Scherenschnitte der Wirklichkeit „unterjubelt“ wie in dem oben verlinkten Beitrag des SWR. Die werden nicht Original-Arbeiten lesen und auf „Scheingewissheiten“ kritisch prüfen. Sie glauben schlicht “Autoritäten“.  

Dann haben die eine große Verantwortung, wissenschaftliche Erkenntnisse stets mit einem gesunden Zweifel zu vermitteln und eben genau nicht in „massenmedialen Ökopopulismus“ zu verfallen. 

So ein falsches Weltbild bleibt in jungen Köpfen leider lange erhalten.  

An der Redaktion von „planet Schule“ wäre es nun spätestens, die „Eisbärenfolge“ zu verbessern oder ganz zurückzuziehen. Ob das passieren wird? Zweifel sind angebracht, denn der eigene “Scherenschnitt” der Wirklichkeit könnte das verhindern.      

Teilen: