Die halluzinierte Beschleunigung: Wie das PIK aus Datenrauschen eine Klimakatastrophe bastelt

Eine neue Studie des Potsdam-Instituts behauptet, die Erderwärmung habe sich seit 2015 „signifikant beschleunigt“. Der Physiker Peter Ibach ordnet ein – und zeigt, warum die Arbeit mehr über den Zustand der Klimawissenschaft verrät als über das Klima selbst.

Es gehört zu den Ritualen der modernen Klimaforschung, dass in regelmäßigen Abständen eine Studie erscheint, die den endgültigen Beweis für die bevorstehende Katastrophe liefern soll. Anfang März 2026 war es wieder so weit: Stefan Rahmstorf und Grant Foster, beide vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), veröffentlichten in den Geophysical Research Letters eine Arbeit mit dem Titel „Global Warming Has Accelerated Significantly“. Die Kernbotschaft: Seit 2015 habe sich die Erwärmungsrate nahezu verdoppelt – von knapp 0,2°C pro Jahrzehnt auf rund 0,35°C. Mit einer statistischen Sicherheit von über 98 Prozent. Quer über alle fünf großen Temperaturdatensätze. Die Medien sprangen erwartungsgemäß auf.

Wer genauer hinschaut, stellt fest: Die Studie ist ein Lehrstück dafür, wie man mit statistischer Methodik beeindruckende Ergebnisse erzeugt – und dabei die physikalischen Grundlagen elegant umschifft.

Die Endpunkt-Falle

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Rahmstorf und Foster wählen als Analysezeitraum für die „Beschleunigung“ die Spanne von 2015 bis 2024. Das klingt nach einem Jahrzehnt – und ist doch vor allem eines: ein Zeitraum, der mit den beiden wärmsten Jahren der Instrumentenaufzeichnung endet. 2023 und 2024 waren Ausreißerjahre, maßgeblich getrieben durch einen starken El Niño, der Mitte 2023 einsetzte und seine thermische Signatur bis weit ins Jahr 2024 trug.

Die Autoren versichern natürlich, sie hätten El Niño und andere natürliche Einflüsse „herausgerechnet“. Die Methode dafür stammt aus einer früheren Arbeit Fosters (die sogenannte FR11-Methode), bei der Vulkanausbrüche, Sonnenzyklen und ENSO-Variabilität per linearer Regression aus den Temperaturreihen entfernt werden. Was dabei stillschweigend vorausgesetzt wird: Dass wir die Magnitude all dieser Einflüsse exakt kennen. Das ist eine gewagte Annahme.

Was die Studie ebenfalls nicht berücksichtigt: Seit dem Temperaturpeak 2024 ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. 2025 lag laut Copernicus bereits 0,13°C unter dem Vorjahr. Berkeley Earth und NASA kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Das PIK konstruiert offenbar also eine „Beschleunigung“, deren Endpunkt bereits wieder nach unten korrigiert wird – noch während die Pressemitteilungen verschickt werden.

Die Vulkan-Illusion

Besonders bemerkenswert ist der Umgang mit Vulkanausbrüchen. Die FR11-Methode schätzt den vulkanischen Einfluss per Formel ab – als ließe sich die Klimawirkung einer Eruption wie eine Physikaufgabe aus dem Lehrbuch lösen. Dabei steht seit dem Ausbruch des Hunga Tonga im Januar 2022 ein Elefant im Raum: Dieser submarine Vulkan injizierte gewaltige Mengen Wasserdampf direkt in die Stratosphäre – eine in der modernen Klimageschichte beispiellose Situation. Ob diese Wasserdampfinjektion erwärmend oder kühlend wirkte, in welchem Zeitrahmen und in welcher Größenordnung, ist nach wie vor Gegenstand aktiver Forschung und keineswegs geklärt.

Eine Methode, die vorgibt, vulkanische Einflüsse mit einer Standardformel aus Temperaturreihen herauszurechnen, während gleichzeitig der ungewöhnlichste Vulkanausbruch der jüngeren Geschichte physikalisch nicht verstanden ist – das ist nicht Statistik. Das ist Wunschdenken.

Der Aerosol-Mythos

Die Studie untersucht, wie die Autoren selbst einräumen, nicht die Ursachen der behaupteten Beschleunigung. Was die Medienberichterstattung nicht daran hindert, sogleich die „wahrscheinlichste Erklärung“ zu präsentieren: den Rückgang der Aerosol-Emissionen durch strengere Schwefelregulierungen in der Schifffahrt und der Industrie. Weniger Aerosole, weniger Abkühlung, also mehr Erwärmung – so die griffige Erzählung.

Peter Ibach, der sich seit Jahren intensiv mit den physikalischen Grundlagen der Klimaregulation befasst, hält diese These für längst überholt. Sie passe weder zeitlich noch räumlich, weder physikalisch noch von der Größenordnung her. Die tatsächliche Ursache des beobachteten Wolkenrückgangs sei vielmehr die polwärtige Verschiebung der extratropischen Sturmbahnen – ein Phänomen, das in jeder historischen Warmphase auftritt und energetisch konsistent zur beobachteten Temperaturentwicklung passt.

Der Thermostateffekt, den niemand diskutiert

Was in der gesamten Debatte um „Beschleunigung“ oder „Nicht-Beschleunigung“ systematisch ausgeblendet wird, ist ein physikalischer Mechanismus, der jedem Klimawissenschaftler eigentlich bekannt sein sollte: die konvektive Selbstbegrenzung tropischer Meerestemperaturen.

Wer auf Echtzeit-Visualisierungen wie earth.nullschool.net oder Ventusky schaut, sieht es sofort: Die tropischen Ozeane sind bei maximal rund 30°C gedeckelt. Nicht weil irgendjemand einen Thermostat eingestellt hätte, sondern weil ab dieser Schwelle massive Konvektion einsetzt – Wolkenbildung, Verdunstung, Wärmetransport nach oben. Das System regelt sich selbst.

Willis Eschenbach hat diesen Mechanismus als „Thunderstorm Thermostat Hypothesis“ explizit ausformuliert und mit Beobachtungsdaten untermauert: Tropische Gewitter und Kumuluswolken entstehen temperaturgetrieben und begrenzen die weitere Erwärmung aktiv. Es handelt sich um einen negativen Rückkopplungsmechanismus, der umso stärker wirkt, je wärmer es wird. Eschenbach steht mit dieser expliziten Formulierung international weitgehend allein – obwohl der zugrunde liegende physikalische Prozess in der Fachwelt unbestritten ist. Man formuliert ihn nur nicht aus. Denn die Implikation wäre unbequem: Ein robuster Thermostat-Mechanismus begrenzt die Sensitivität des Klimasystems gegenüber zusätzlichem Strahlungsantrieb fundamental.

Wie wir in einem früheren Artikel dargelegt haben, hat Peter Ibach diese Thermostat-Theorie wesentlich erweitert: Die Effizienz des Mechanismus hängt von der Ozeangeometrie ab. In offenen, tropischen Ozeanen – wie in der heutigen Konfiguration – funktioniert die Konvektion optimal. In halbgeschlossenen Randbecken, wie sie im Eozän dominierten, war der Thermostat dagegen außer Betrieb. Die extremen Temperaturen vergangener Erdzeitalter erklären sich nicht primär durch höhere CO₂-Werte, sondern durch eine Ozeangeographie, die den planetaren Kühlmechanismus strukturell blockierte.

Die Homogenisierungsfrage

Es gibt noch einen weiteren Punkt, den Ibach anspricht und der in der öffentlichen Diskussion chronisch unterbelichtet bleibt: die Qualität der Temperaturdaten selbst. Die fünf Datensätze, auf die sich Rahmstorf und Foster stützen (NASA, NOAA, HadCRUT, Berkeley Earth, ERA5), durchlaufen alle umfangreiche Homogenisierungsprozesse. Stationen werden angepasst, Zeitreihen geglättet, städtische Wärmeinseln (UHI-Effekt) korrigiert – oder eben nicht hinreichend korrigiert. Hinzu kommt der sogenannte Aging-Effekt von Messstationen, bei dem die zunehmende Urbanisierung und Versiegelung im Umfeld einer Station zu schleichenden Erwärmungsartefakten führt.

Man bastelt also, so Ibachs pointierte Zusammenfassung, einen künstlichen Wärmeeffekt in die Temperaturreihen, nimmt als Endpunkt die Ausreißerjahre 2023/2024, ignoriert den seither erfolgten deutlichen Temperaturrückgang – und halluziniert in diesen Datensalat eine „Beschleunigung“ hinein.

Der historische Kontext, der fehlt

Was in der PIK-Studie naturgemäß nicht vorkommt: Die aktuelle Erwärmung seit der Kleinen Eiszeit ist im Kontext der Bond-Zyklen – der etwa 1.000-jährigen Klimaoszillationen des Holozäns – völlig erwartbar. Der rückläufige Wolkenbedeckungsgrad passt energetisch präzise zur Erwärmung. Alle beobachteten Muster – die polwärtige Verschiebung der Sturmzugbahnen, die Veränderung der meridionalen Wärmetransporte, die relative Stabilität der tropischen Temperaturen – entsprechen exakt dem, was bei historischen Erwärmungsphasen immer schon beobachtet wurde.

Dass ein Zusammenhang mit CO₂ die primäre oder gar alleinige Erklärung sein soll, hat nach Ibachs Einschätzung keinerlei Grundlage – schon gar nicht angesichts eines konvektiven Thermostat-Mechanismus, der jede zusätzliche Energie in den Tropen ohnehin abführt und eine unkontrollierte Temperatursteigerung physikalisch verhindert.

Die Medien-Maschinerie

Was die Episode letztlich besonders illustrativ macht, ist nicht die Studie selbst – es ist die Art, wie sie durch das Mediensystem geschleust wird. NGOs und Nachrichtenredaktionen verbreiten die Ergebnisse, ohne sie kritisch mit anderen Messergebnissen, mit physikalischen Grundlagen oder mit den offenkundigen methodischen Schwächen abzugleichen. Dass selbst Zeke Hausfather von Berkeley Earth – kein Klimaskeptiker, sondern Teil des Establishments – die Methoden der Studie als „decidedly imperfect“ bezeichnete und darauf hinwies, dass unklar bleibe, wieviel der zusätzlichen Erwärmung tatsächlich auf externe Antriebe zurückgehe, fand in der Berichterstattung allenfalls als pflichtschuldiger Nebensatz statt.

Dass eine Studie aus dem Jahr 2024 in Communications Earth & Environment zu dem Schluss kam, die verfügbaren Daten zeigten keine statistisch robuste Beschleunigung über die seit den 1970er Jahren beobachtete hinaus, wird höchstens als Fußnote erwähnt.

Fazit: Physik statt Panik

Die PIK-Studie von Rahmstorf und Foster ist ein geschickt konstruiertes statistisches Argument. Aber sie analysiert Rauschen, nicht Realität. Sie ignoriert den physikalischen Thermostat-Mechanismus, der die tropischen Ozeane seit Jahrmillionen reguliert. Sie behandelt Ausreißerjahre als Trend. Sie rechnet vulkanische Einflüsse heraus, die sie nicht versteht. Und sie endet mit der unvermeidlichen Mahnung, nur „zero CO₂“ könne die Erwärmung stoppen – als hätte die Konvektion über tropischen Ozeanen nie existiert.

Wer sich die Erde stattdessen als das anschaut, was sie physikalisch ist – eine Wärmekraftmaschine mit einem robusten, geometrieabhängigen Thermostatmechanismus – der erkennt: Die Panik ist unbegründet. Nicht weil sich das Klima nicht verändert. Sondern weil die Erde über Selbstregulationsmechanismen verfügt, die eine unkontrollierte Eskalation unter der heutigen Ozeangeometrie strukturell verhindern.

Peter Ibach formuliert es nüchtern: Jede zusätzliche Energie wird sowieso abgebaut. Sie ändert nicht die Temperatur.

Quellen: Foster & Rahmstorf (2026), Geophysical Research Letters; Eschenbach, W. „The Thunderstorm Thermostat Hypothesis“, Energy & Environment 21(4), 2010; Berkeley Earth Global Temperature Report 2025; Copernicus Climate Change Service, Jahresbericht 2025.

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