Die wunderbare Welt des Christian Stöcker


Ja, er hat es wieder getan. Der Kolumnist des Spiegels hat sich seine Version der schönen neuen Energiewende-Welt vom Leib geschrieben und wir wundern uns – mal wieder. Das Phänomen Stöcker haben wir hier bereits mehrfach ausführlich beschrieben.

Wir wundern uns, dass Stöcker das macht, obwohl er (außerhalb des Honorars des Spiegels) offenbar kein Geld dafür bekommt.
Das war nicht immer so, wie wir wir einige Male berichtet haben, denn Stöcker stand auf der Pay-Roll von The New Institut.
Einem Thinktank eines reichen Hamburger Reeders, der seinen privaten Reichtum in Unternehmen der Energiewende steckte.
Er suchte sich dann willfährige „Fellows“, die für die Energiewende warben (damit also auch indirekt für die Investitionen) und fand mit Stöcker einen solchen Kandidaten.
Der trommelte, was das Zeug hielt.
Dass das etwas stinkt, das ist sogar Maja Göpel aufgefallen, die die Tätigkeit für das Institut schnell wieder einstellte.
Nehmen ist seliger als geben könnte sich Stöcker gedacht haben, wer weiß?

Nun, was Stöcker in seinem aktuellen Kommentar macht ist, er nutzt seinen eigenen Sonderfall als implizites Modell für die gesamte Gesellschaft. Epic Fail.

Wie auch immer, kein Argument ist zu absurd, dass Stöcker es nicht bringt.
Dazu gehört auch, dass er froh ist, dass keine Gasleitung mehr in sein Haus führt.
Gift und Explosionsgefahr und so. 

Das ist so schreiend blöd, dass es ihm beim Schreiben sogar selbst auffiel:

Ich finde es angenehm, dass zu unserem Haus keine Leitung führt, die ein flüchtiges, extrem brennbares Gift enthält, an dem man ersticken kann. Mir ist völlig klar, dass das überwiegend irrational ist, denn Gasunfälle sind in Deutschland recht selten. Aber mal ehrlich: Haben Sie schon mal von einer Wärmepumpenexplosion gehört? Oder davon, dass eine ganze Familie nachts wegen einer kaputten Wärmepumpe erstickt ist? Ich auch nicht.



Nein, von explodierenden Wärmepumpen hört man wirklich wenig, aber davon, dass diese Geräte nach einem längeren Stromausfall im Winter gewaltige Schäden haben können.

Die BZ nach dem Stromausfall in Berlin Anfang 2026:

Heizungstechniker im Dauereinsatz: „Das Telefon klingelt bei uns ohne Unterlass“, sagt Diplom-Ingenieur Alexander Dobriloff (51), Chef der Firma RO-DO Wärmedienst, direkt im Epizentrum des Stromausfallgebietes, am S-Bahnhof Schlachtensee. 

„Ganz akut sind eingefrorene Wärmepumpen“, so der Experte. „Die Sondersituation Kälte und kein Strom führte bei einigen Geräten zum Totalschaden. Leitungen sind geplatzt, Armaturen defekt. Die Anlagen sind nicht mehr zu retten.“ Kosten für eine neue Wärmepumpe: 10.000 bis 15.000 Euro.



Um es gleich mal zu sagen, auch Öl und Gasheizungen waren betroffen, allerdings waren es keine Totalschäden. In Berlin dürfte es 10% Wärmepumpen in den Stadtteilen ohne Strom betroffen haben. 

Weiter geht es in der Wunderwelt des Christian Stöcker.

Für den Gaspreis gilt das Gleiche: Unser Haus wird mit einer Wärmepumpe beheizt, und zwar schon so lang es steht, seit etwa fünfzehn Jahren. Das ist sehr angenehm: Die Temperatur ist über die gesamte Heizperiode hinweg nahezu konstant, die Kosten sind zugleich gering.

Ja: Unser Haus ist ein gut gedämmter Neubau, aber Wärmepumpen funktionieren auch in Altbauten. Glauben Sie nicht die Märchen, die die Fossilkonzerne und ihre politisch-medialen Handlanger seit Jahren mit Macht in den Kommunikationsmarkt drücken. Außerdem gibt es ja auch noch Fernwärme und andere nichtfossile Alternative.



Nun, der Energieverbrauch eines Hauses mit Wärmepumpe findet vorwiegend im Winter statt. Und vermutlich meint Stöcker die Temperaturen in seinem Haus, denn in der Realität waren der Januar und der Februar 2026 sehr kalt und auch für Wärmepumpenbesitzer teuer, denn der Stromverbrauch steigt rapide an, wenn die Außenluft kaum noch Energie enthält.
Irgendwann heizt man einfach mit Strom.
Das ist in Norwegen (Skandinavien bringt er natürlich auch als glänzendes Beispiel) kein Problem, dort kostet die kWh irgendwas zwischen 10-16 Cent.
Preise, von denen in Deutschland ein Wärmepumpenbesitzer nur träumen kann. 
Er zahlt hier das Doppelte bis Dreifache. Ein Umstand, den Stöcker besser verschweigt.

Er erwähnt auch lieber nicht, dass Wärmepumpen in Altbauten zusätzliche Investitionen in z. B. Dämmung notwendig machen.
Das sind keine Märchen sondern die harte Realität. 

Interessant wäre doch zu erfahren, wie der Strom, den seine Wärmepumpe benötigt hat, tatsächlich und nicht rein rechnerisch produziert wurde.
Nehmen wir die besagten beiden kalten Monate Januar und Februar 2026.
Der CO2 Ausstoß bei der Stromerzeugung lag laut Nowtricity in Deutschland im Januar bei 379 g/kWh und im Februar bei 359 g/kWh.
Das liegt unter anderem daran, dass der Strom für die Stöckersche Wärmepumpe aus reichlich Kohle und Gas hergestellt wurde in den kalten Monaten. 
Wind und Sonne schickten keine (großen) Rechnung, vielleicht ja auch, weil sie so wenig lieferten?
Die CO2-Werte seiner Wärmepumpe in den kalten Monaten Januar und Februar dürften nur wenig unter denen einer Gasheizung gelegen haben, ihm aber dennoch das Gefühl der moralischen Überlegenheit geben.

Die beiden Werte liegen jedenfalls deutlich über denen des Gesamtjahres 2025 mit 328 g/kWh und verdeutlichen das Dilemma von Wind und Sonne.
Sie brauchen fossile Backups und je mehr wir elektrifizieren desto mehr wird davon benötigt. Kommt aber alles in der Denkweise eines Kognitionspsychologen (ja, das ist Stöckers Ausbildung) nicht vor.
Das schreckt ihn alles nicht, er schwärmt von seinem Elektroroller und plädiert für das Fahrradfahren.
Auch hier wieder mit anekdotischer Evidenz, denn, dass es Arbeitswege gibt, die für das Fahrradfahren schlicht zu lang sind, kommt in der Stöcker-Welt nicht vor.

Stattdessen Schwarz/Weiss-Denken mit zum Teil schrägen Argumenten.
So preist er oben die Fernwärme, als wenn diese vom Himmel fällt und über die Preissteigerungen der letzten Zeit bei Fernwärme hat er vermutlich noch nie gehört. 

Das elektrische Leben sei billiger behauptet er und verdrängt die Investitionskosten dafür mal eben.

Nein, Stöcker ist echt nicht mehr zu helfen. Der hat es sich in seiner Grünen Wunderwelt gut eingerichtet und alles, was stört wird konsequent ignoriert oder mit eigenen z. T. hanebüchenden eigenen Geschichten und Erlebnissen kommentiert.

Immerhin hat er uns bei diesem Kommentar von seinem zusammengegoogelten Viertelwissen bewahrt, vielleicht waren die Korrekturen daran in seinem Artikeln in der Vergangenheit dann doch zu peinlich für den Verlag.

Legendär diese Klarstellung im Spiegel unter einer seiner Kolumnen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, 2007 habe die Union zusammen mit der FDP regiert. Es war jedoch eine Große Koalition mit der SPD. Außerdem war von den Geschehnissen in der Silvesternacht 2016/17 die Rede, gemeint war die Silvesternacht 2015/16. Wir haben die Fehler korrigiert. 
An einer anderen Stelle zu den Fällen in Solingen und Aschaffenburg war davon die Rede, dass die politische Verantwortung bei den Unionsinnenministern von Nordrhein-Westfalen und Bayern gelegen habe. Das ist so nicht korrekt. In NRW ist für die Abschiebung die grüne Fluchtministerin des Landes zuständig. Im bayerischen Fall lag ein Problem beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das dem SPD-geführten Bundesinnenministerium untersteht und wegen Überlastung mit Verzögerung arbeitete. Auch hier haben wir die Stelle korrigiert.


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