Der Jetstream und der Klimawandel: endgültiger (?) Abgesang  

Von Frank Bosse

Was konnte man nicht alles lesen und hören: „Die Wetterextreme nehmen zu, weil der Jetstream „welliger“ wird durch den Klimawandel.“ So ist das Fazit eines Artikels im „Focus“ aus dem Sommer 2018 mit dem Titel: 

„Der Jetstream-Kollaps! Wie ausgeleierte Strahlströme die Erde gefährlich aufheizen.“  

Damals erlebte Deutschland Hitzewellen, vor allem war der Sommer sehr trocken. Die Erklärung war schnell bei der Hand: Der Windgürtel in 8-11 km Höhe sei durch den Klimawandel „ausgeleiert“ und dadurch blieben Druckgebilde auch in geringerer Höhe länger an Ort und Stelle, das führt zu mehr Wetter-Extremen. 

Das könne auch im Winter passieren, so ein ausführlicher Beitrag des Deutschlandfunks im Jahre 2014. 

 „Arktische Wärme bringt Kälte nach Europa“ 

Über die Theorie des „schwächelnden und welligeren Jetstreams“ hatten wir schon mehrfach berichtet und wie damit versucht wurde, so ziemlich jedes nicht alltägliche Wetterereignis auf den Klimawandel zurückzuführen.  

Dass Jahre wärmer werden, ist an sich logisch: Auch hierzulande stiegen die Temperaturen seit den 70er Jahren um ca. 2 Grad C an durch den Klimawandel. Dann, so der gesunde Menschenverstand, verschieben sich also die Mittelwerte und damit auch die „Ränder“, das sollte zu höheren Sommertemperaturen (Stichwort Hitze) führen, das gleiche trifft dann auch für die Winter zu. 
Das wird auch so bestätigt von Statistiken des DWD. Warum dann ab und zu so kalte Winter, wie gegenwärtig mit Januar-Temperaturen recht deutlich unter dem Mittel 1961-1990? Die richtige Antwort lautet: Der Winter wird neben der beschriebenen Erwärmung auch durch starke Variabilität beeinflusst, es kann immer mal wieder kälter als „normal“ werden. Also schlicht Witterung! Wir hatten die realen Zusammenhänge hier ausführlicher erklärt.  

Stattdessen werden immer wieder die „Jetstream-Geschichten“ erzählt in vielen Medien und den Leuten „vermittelt“, dass eine wärmere Arktis (sie erwärmt sich am Boden deutlich schneller als der Rest der Erde) den Jet in der Höhe schwächer und welliger mache. Wir hatten mehrfach berichtet und aufgeklärt, erst unlängstEine Studie aus dem Jahre 2024 beerdigte wohl die Story vom „schwächeren Jetstream durch den Klimawandel“, wir berichteten es zeitnah vor Jahresfrist.  Er wird tendenziell sogar stärker und verschiebt sich leicht polwärts. 

Bleibt noch sein „klimabedingtes Ausleiern“, seine angeblich auch durch die stärkere arktische Erwärmung zunehmende Welligkeit.  

Die Frage ist dabei oft, welche Zeiträume betrachtet werden und wie genau man diese „Welligkeit“ bestimmt. Hierzu erschien nun eine Studie mit dem zunächst unverfänglichen Titel: „Ein welligerer Jetstream trug zu dem „Winterloch“ der Erwärmung in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts bei“. Also doch der Jetstream mit mehr Wellen??  

Was die Forscher fanden, war jedoch das:  

 „We show that five reanalyses and three independent waviness metrics all indicate that these recent increases in Northern Hemisphere mid-latitude jet stream waviness are well within 20th century variability, and periods of higher waviness occurred in the 1960s–1980s, prior to the emergence of Arctic amplification.” 

Ihre Ergebnisse zur Welligkeit des Jetstream fast dieses Bild zusammen: 

 

Quelle: Fig. 8 der zitierten Arbeit 

In den 60 bis 80er Jahren war der Jet noch stärker gewellt (geringere Werte der Metriken im Diagramm) als gegenwärtig. Zwischen 1930 und 1960 nahm das vorher zu und ist heute geringer als um 1980.  

„Das verträgt sich überhaupt nicht mit „Zunehmende Welligkeit durch wärmere Arktis!“, so könnte man die Ergebnisse der Studie kurz zusammenfassen. Wie manch anderes ist da sehr viel natürliche Variabilität, eindeutige „Klimasignale“ der Erwärmung seit 1980: Fehlanzeige!  

Das muss in der Wissenschaft nicht das letzte Wort sein, das gibt es da nie. Vielleicht kommen andere Daten später zum Einsatz und damit findet man dann noch andere Ergebnisse. So ist „Science“, sie irrt sich empor. Um 2015 meinte man da vielleicht: Es gibt Indizien für mehr Wellen, das ist NICHT das Problem.  Das wirkliche Problem besteht darin, dass es eben nicht im Wissenschaftskreis blieb, sondern als scheinbare Gewissheit so intensiv medial ausgeschlachtet wurde. Die Überschriften sprechen Bände! Auf einmal waren diese Medien alle „Jetstream-Experten“ und erklärten dem erstaunten Publikum die Klimawelt mit „Kollaps“ und Thesen, die bestenfalls unter Fachleuten geprüft werden sollten. Offensichtlich gelang das der Wissenschaft erst 2025 mit nun negativem Ergebnis. So konnten sich Arbeitshypothesen als scheinbare Gewissheiten in das „kollektive Bewusstsein“ eingraben.  

Über die neue Arbeit und dem, was sie fand, ist bis jetzt „natürlich“ nichts in Medien zu finden. Sie ist auch sehr neu (vom Juni 2025), nur hätte ein „Pro-Klimawandel- Resultat“ den Weg dahin schon lange gefunden! Diese Asymmetrie ist sehr bemerkenswert.  

Die PR-Maschinerie der „Alles Klimawandel Fraktion“ ist besser geölt und vernetzt als es der Wissenschaft zuträglich ist.      

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