Von Frank Bosse
„Dieser Winter ist ja wirklich mal ganz anders als die ganzen vergangenen.“
Mit dieser Feststellung würdigt Fabian Ruhnau die aktuelle Witterung in einem Video bei „Kachelmannwetter“ vom 17.01.2026 bei Min. 8:55.
Was in den Wettermodellen berechnet wird, ist tatsächlich recht kaltes Winterwetter für wenigstens die nächsten 10 Tage. Wir hatten diese Möglichkeit schon kurz nach Weihnachten und am 13. Januar erörtert.
Ein Blick auf die Entwicklung der nächsten 7 Tage nach dem amerikanischen Modell GFS, bis dahin sind sich so ziemlich alle benutzten Modelle einig:

Gezeigt ist der Temperatur- Trend zwischen dem 17.01.2026 und dem 24.01.2026 in Europa. Quelle
Einzig der äußerste Südwesten Deutschland bleibt etwas ausgeschlossen von der Abkühlung, im Mittel soll es um 5,2 Grad in Deutschland bergab gehen vom 17.01.2026, das führt zu strengem Frost in großen Teilen Deutschlands.
Wie ist die Energiewirtschaft darauf eingestellt? So schlecht wie wohl in keinem Jahr, so beantwortet die Frage die „Gesellschaft für Krisenvorsorge“ (GfKV) in ihrem neuesten Statement.
Da steht:
Deutsche Gasspeichersituation
Sollten die Prognosen in dieser Form eintreten, würde sich eine drastische Zuspitzung bei der Gasversorgung abzeichnen, da die deutschen Gasspeicher aktuell nur zu etwas mehr als 40 % gefüllt sind. Im vergangenen Jahr wurde dieser Füllstand erst über einen Monat später bei deutlich milderen Temperaturen erreicht. Was es bedeuten würde, wenn die Gasspeicher den kritischen Füllstand von unter 20 % erreichen, ist derzeit völlig unklar.
Von offizieller Seite wird das Thema weiterhin beschwichtigt.
Ist das so? Ein Blick auf die offizielle Website der Bundesnetzagentur bestätigt es:
Unter „aktuelle Lagebewertung“ steht da:
Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein.
Gleich darunter findet man ein Diagramm mit Daten, am 14.01.2026 waren die Speicher noch zu 44% Kapazität gefüllt. Diese weiter zu entleeren als 20% Rest, ist tunlichst zu vermeiden. Bleiben also noch 24%. Bei größerer Kälte werden um 1,2 % pro Tag entnommen, es verbleiben jedoch noch rund 40 Tage im meteorologischen Winter bis Ende Februar!
Hat die Bundesnetzagentur noch nicht mitbekommen, dass „dieser Winter ganz anders ist als die vergangenen“? Das kann nicht sein, denn da steht auch geschrieben:
Die Bundesnetzagentur beobachtet und bewertet die Lage fortlaufend.
Dann muss man sich der Bewertung der „Gesellschaft für Krisenvorsorge“ anschließen, die von „Beschwichtigung“ spricht.
Der ganze Bericht ist hoch aufschlussreich. Er behandelt auch ausführlich den Terroranschlag auf das Berliner Stromnetz am Anfang des Januars, wir berichteten.
Wissen Sie die Einzelheiten des Stromnetzes, um solche Anschläge zu planen? Nein? Dem kann abgeholfen werden! Besuchen Sie diese öffentliche Website und zoomen zum Heizkraftwerk Lichterfelde, dem Ort des Anschlags:

In allen Einzelheiten erkennt man die Verläufe der drei 110 kV- Kabel an der fraglichen Brücke.
Wen können solche Details der Infrastruktur interessieren, dass sie ungeschützt für jedermann
zugänglich sind? Die GfKV spart denn auch nicht mit Kritik:
Politiker fordern mehr Geheimhaltung für Kabelwege und Infrastrukturdaten. Doch diese Informationen sind seit langem öffentlich einsehbar und verfügbar, egal ob über Google Maps, Open Infrastructure Map, Netzausbaupläne, Satellitenbilder oder digitale Zwillinge.
Es rundet sich ein Bild: Die staatlich Zuständigen reagieren kaum und scheinen mehr dem Motto zu frönen: „Wird schon gut gehen!“
Egal ob es hoch sensible Informationen über sehr kritische Infrastruktur sind oder ein Blick auf die Winterwitterung in einer Woche, die eigentlich offener und stringenter Information der Öffentlichkeit bedarf. Oder will man sich die Blöße nicht geben, dass ein etwas kälterer Winter an den Grundfesten der „gewendeten Energie“ in Deutschland rütteln könnte? Das wäre politisch allerdings verständlich, nur hilft das nicht weiter, wenn es doch so ist! Die Stunde der Wahrheit naht.