„Die (AMOC) Kipper“ 

Von Frank Bosse

„Die Kipper“ heißt ein Drama über den Arbeitsalltag in der Ex-DDR von Volker Braun.
Es beschreibt triste Abläufe in diesem gewesenen Land („Die DDR ist das langweiligste Land der Welt.“) und den Versuch des Protagonisten, dem zu entkommen mit einem Team, er scheitert.
Was hat das mit dem Thema „Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC)“ zu tun?
Die Messungen der Strömung seit 2004 sind ebenfalls irgendwie langweilig: 

Quelle: Rapid  

Die fragliche Zeitreihe ist die rote. Man erkennt einen markanten Einbruch um 2010, sonst ist da nicht so viel Bewegung zu sehen. Für ein Team von „AMOC- Kippern“ muss das trist sein. Dieses Team hat bereits in der Vergangenheit viel geschrieben um einen hypothetischen Kollaps der Meeresströmung. 

Wir hatten regelmäßig berichtet, zuletzt hier.  

Nun also ein neuer Versuch, ein wenig Leben in den „tristen“ Alltag zu bekommen mit einem neuen Aufsatz der „üblichen Verdächtigen“, die „Kipper“ (nach dem DDR-Drama) unter Mitwirkung von Stefan Rahmstorf vom PIK. 

Die vielen Pressemeldungen dazu gehen wohl alle auf eine Pressemeldung des PIK selbst zurück.

Wenn der aufmerksame Leser also so etwas gelesen hat wie 

„Die AMOC schwäche sich in den Modellen nach dem Jahr 2100 deutlich ab…“ 

(hier im „Tagesspiegel“) dann hat das alles diese einzige Quelle. Wir haben uns die Arbeit angesehen und versuchen eine kritische Würdigung. Schließlich erfuhren wir erst in jüngster Vergangenheit, dass Modelle mit der gegenwärtigen Entwicklung des arktischen Eises kaum umgehen können.
Und dann nach 2100 mit der AMOC? 

Ihre Schlüsselabbildung des Aufsatzes ist ihre Fig. 1: 

  

Besonders interessant ist ihr oberer Teil. Er zeigt modellierte Verläufe der AMOC über die Zeit, 40- jährig geglättet, wohl um viel Variabilität “glatt zu bügeln”. Die Legende verrät: alle „roten“ Verläufe entstehen, wenn eine Erwärmung besonders durch CO2-Emissionen vorausgesetzt wird, die einen zusätzlichen Klimaantrieb von 8,5W/m² in 2100 voraussetzen (SSP585).

Derzeit gibt es nur ein einziges Modell mit dem wahrscheinlichsten Szenario für den Klimaantrieb der “realen Welt“ (SSP245), das den Zeitraum nach 2100 bestreicht, der Verlauf ist grün gekennzeichnet. Die „blauen“ Verläufe beschreiben Verläufe des schon „überholten“ Szenarios mit 2,6W/m² Antrieb in 2100, das ist ebenso unwahrscheinlich wie das rote mit zu viel Emissionen. Auffällig ist, dass die AMOC in dem Szenario mit weniger Emissionen (blau) schneller zurück gehen soll bis ins Jahr 2200 als mit mehr (grün).

Im Aufsatz wird das mit Hypothesen begründet über schon „eingeschriebenes Kippen“ aber ein “Kipper” wird überall nur ein Kippen sehen wie ein Hammer in allem einen Nagel. Die viel logischere Erklärung liegt auf der Hand. Die verwendeten Simulationen für „blau“ benutzen Modelle (oben im Bild aufgeführt) mit einer deutlich höheren ECS- Klimaempfindlichkeit (im Mittel 3,95 °C/2*CO2) als das verwendete für „grün“ (2,64). Die Daten hierfür findet man in der Literatur zu “CMIP6” Klimamodellen.   

Alles ist also in Wahrheit hochgradig abhängig von dem Parameter „Empfindlichkeit“ der Klimamodelle.  

Aktuelle Forschung legt eine „Sensitivity“ um 2,3 °C/ pro Verdopplung des CO2-Gehalts der Atmosphäre als zentralen Wert für die richtige Welt nahe, der Mittelwert der Modelle, deren Simulationen über 2100 hinaus gehen und die verwendet wurden beträgt ganze 4,13 °C/2*CO2 und liegt damit sogar noch sehr deutlich über den Annahmen des IPCC AR6 mit ca. 3 °C/2*CO2.   

Ist den „Kippern“ nicht aufgefallen, dass sie eine Modellwelt zur Beschreibung der realen Welt benutzten, die eine stark übertriebene Erwärmung beschreibt?
Es gibt doch mindestens eine Arbeit aus 2020, die Modelle untersucht hat auf ihre Fähigkeit, die Vergangenheit einigermaßen stimmig zu beschreiben und dringend empfahl, sieben der neun von den „Kippern“ verwendeten Modelle aus Zukunftsprojektionen herauszuhalten, sie laufen „zu warm“. Dann freilich hätte der Aufsatz nie geschrieben werden können, da es dann nur 2 Modelle über 2100 hinaus gegeben hätte, die nicht auszuschließen wären. Aber er sollte wohl unbedingt geschrieben werden.  

Und dann ist da noch die „Kalibrierung“ an den „Rapid“ Beobachtungen, in Türkis im Bild. Sie sind 20 Jahre lang (vgl. das erste Bild) und der „Abwärts-Trend“ wurde in ein Diagramm aufgenommen, das sonst nur 40-jährige Mittelwerte zeigt. Eigentlich dürfte da nur ein winziger Datenpunkt zu sehen sein, wenn Äpfel mit Äpfeln verglichen worden wäre, weil auch auf der realen AMOC sehr viel Variabilität liegt.
Wie es dazu kam, kann man sehr wahrscheinlich einem Satz des Aufsatzes selbst entnehmen: 

„The downward trend of 0.8 Sv per decade as measured by the RAPID-MOCHA array [21] closely corresponds to the smoothed decline over the same period in the models (figure 1), although it should be noted that this trend is not or only barely statistically significant in view of the relatively short time series and strong interannual variability“ 

Haben Sie einen deutlichen roten Abwärtstrend im ersten Bild erkennen können, wie er im Diagramm des Aufsatzes in Türkis vermerkt ist? Nein? Können Sie auch nicht, schreiben auch „die Kipper“ selbst, er ist nämlich „nicht oder kaum signifikant“. Aber er passte halt, obwohl die Variabilität in den Modellen selbst auch eliminiert wurde.  

Damit hätte ein aufmerksamer Begutachter die Bücher geschlossen! Es sind nur sehr wenige Modelle am Werkeln, in der übergroßen Mehrheit eine Welt beschreibend, die nicht die reale ist. Hinzu kommen grobe handwerkliche Fehler. Damit irgendeine Aussage über „das Kippen“ der AMOC auf der realen Erde zu machen, grenzt mehr an ein Stück aus dem Tollhaus, denn stellt es eine seriöse Publikation in einem namhaften Journal dar.   

Man darf gespannt sein, ob dieser Aufsatz, ebenso wie der mit den exorbitanten Klimakosten aus dem Hause PIK, nicht ein ähnliches Schicksal erleidet wie dieser: Die Wissenschaft korrigiert sich selbst „on the long run“.  Verdient hätte er es!   

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