Deutschland holt Luft

Können negative Emissionen nützlich sein? Spektrum.de mit einem Artikel über eine Studie des Helmholtz-Zentrums über die Kosten und Möglichkeiten der CO2-Abscheidung.

“Alle Strategien bewerteten die Fachleute hinsichtlich sechs verschiedener Fragekategorien: Wie stark trägt die Maßnahme zum Klimaschutz bei? Wie wirkt sie sich auf die Umwelt aus? Lässt sie sich technologisch umsetzen? Was bedeutet sie wirtschaftlich? Welche institutionellen Hürden gibt es? Und welche sozialen? Bei jeder Fragestellung berücksichtigten sie verschiedene Teilaspekte (in der Ökonomie etwa Investitionsrisiken, die Kosten pro entnommener Tonne CO2 sowie das Potenzial für Preissenkungen) und verpassten den Antworten je nach Bewertung eine Ampelfarbe. So entstand eine umfangreiche Tabelle, in der die jeweilige Methode in jedem Bereich mal mehr, mal weniger intensiv grün, gelb oder rot aufleuchtet. Die Übersicht wirkt auf den ersten Blick enorm komplex. Lässt sich nicht eine einfache Antwort auf die Frage finden, welcher Weg zur CO2-Speicherung in Deutschland am meisten verspricht?”

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Bei den Grünen liegen kurz vor der Europawahl offenbar die Nerven blank. Sind die Umfrageergebnisse so dramatisch, dass nun verzweifelt die Keule rausgeholt werden muss? Wirtschaftsminister Habeck gibt der Vorgängeregierung die Schuld an der Wirtschaftskrise, vergisst dabei aber, dass die SPD Teil eben dieser Regierung war und , dass er seit 2,5  Jahre Teil der Regierung ist. Er vergisst auch, dass günstiges russisches Gas Teil der Strategie der Ampel-Koalition war. Noch im Koalitionsvertag wurden 50 neue Gaskraftwerke als Backup für die Erneuerbaren Energie vereinbart. MSN.com:

„Friedrich Merz, die Union ist verantwortlich für die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten“, sagte der Grünen-Politiker am Samstag bei einem kleinen Parteitag seiner Partei in Potsdam in einem direkten Angriff auf den CDU-Chef. „Alles geht zurück auf einen historischen Fehler der großen Koalition.“ Deutschland hätte sich niemals abhängig machen dürfen vom Gas des russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Was ich das eigentlich Empörende finde, ist die Nichtaufarbeitung dieser Geschichte, vor allem in der Union“, sagte Habeck.

Stichwort Nichtaufarbeitung der Geschichte: Wir gehen zurück ins Jahr 2010. Der Grüne Jürgen Trittin lobte seinerzeit den Bau der Pipeline Nordstream 1. Klar, das Ziel war ja auch die Kernkraftwerke loszuwerden und das ging am günstigsten mit billigem russischem Gas. Stern.de:

“Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream zu deren Baubeginn als „ein Stück mehr Versorgungssicherheit“ begrüßt. Jedoch könne eine weitere Pipeline alleine „unsere Probleme nicht lösen, da müssten andere hinzukommen“, sagte Trittin am Freitag dem MDR. Die rund 1220 Kilometer lange Leitung soll ab Ende 2011 Erdgas vom russischen Wyborg bis nach Lubmin an der deutschen Ostseeküste befördern und die Versorgungssicherheit Europas verbessern. Deutschland dürfe sich dennoch „nicht vollständig von einem Lieferanten abhängig machen“, warnte Trittin. Die Grünen plädierten „beispielsweise für den Bau einer weiteren Pipeline, der Nabucco-Pipeline, die über die Türkei nach Mitteleuropa führt“.”

Vielleicht hat Robert Habeck das ja einfach nur vergessen? Beim Spiegel stimmt Nicolaus Blome schon mal ein Abschiedslied an.

“Es sind letzte Tage für die Grünen. Am Sonntag ist Europawahl, und in Deutschland werden sie laut den Umfragen mehr Prozentpunkte einbüßen als alle anderen Parteien zusammen. Bei der letzten Europawahl gewannen die Grünen fast doppelt so viele Mandate wie die AfD, nur zwei weniger als die CDU (ohne CSU). Doch sosehr die Grünen 2019 die großen Sieger waren , so sehr sehen sie 2024 wie die großen Verlierer aus. Da geht etwas zu Ende. Ein Schaden muss es nicht sein.”

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Ein interessantes Szenario entwirft Thies Beckers auf Twitter/X.

“Wenn Deutschland im Jahr 2023 125 GW PV, 100 GW Onshore-Wind und 50 GW Offshore-Wind hätte… Nehmen wir an, es gäbe eine wundersame Speichertechnologie, die alle Überschüsse speichert und ohne Verluste entlädt. 2651 von 8766 Stunden wäre Deutschland nicht in der Lage, die Nachfrage zu decken.”

(Abbildung: Screenshot Twitter/X)

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John Schlanj hat einen Aufsatz über die wahren Kosten der Erneuerbaren Energien in den USA geschrieben. Seit Fazit (übersetzt) über die Fehler bei der Berechnung der wahren Kosten kommt einem seltsam bekannt vor. Es hat weltweit Gültigkeit.

“Hier ist eine Liste der häufigsten Fehler, die Solar- und Windbefürworter beim Vergleich variabler Energie mit Kernenergie machen:

  • Sie vergleichen die subventionierten Kosten für variable Energie mit den nicht subventionierten Kosten für Kernenergie.
  • Sie vergleichen die n-of-a-kind-Kosten für variable Energie mit den ersten Kosten der Kernenergie.
  • Sie berücksichtigen nicht die Kosten für Batterien, die erforderlich sind, um variable Energie zuverlässiger zu machen.
  • Sie berücksichtigen nicht die Kosten für den Überbau von variabler Energie, die erforderlich ist, um saisonale Schwankungen zu überwinden.
  • Sie berücksichtigen nicht die Kosten für die Netzverbesserungen, die erforderlich sind, um variable Energie zuverlässiger zu machen und ländliche Gebiete zu erreichen, in denen Platz für variable Energie mit geringer Dichte gibt.
  • Sie berücksichtigen nicht die überschüssigen Fix- und Kapitalkosten für die Sicherung variabler Energie mit nicht ausgelasteten fossilen Brennstoffen (oder Wasserstoff-) Anlagen.
  • Sie verwenden maximale Kapazitätsfaktoren für variable Energie bei Kostenberechnungen. Zum Beispiel deuten sie darauf hin, dass die Kosten für Windkraft in Iowa für andere Staaten mit niedrigeren Windgeschwindigkeiten gelten. Für die Kernenergie entspricht der durchschnittliche Kapazitätsfaktor derzeit seinem Maximum.
  • Sie zitieren ein LCOE für Versorgungssolar- und Onshore-Wind und befürworten dann die groß angelegte Nutzung von Dachsolar- und Offshore-Windenergie, die jeweils etwa 3-mal teurer sind (siehe Tabelle 1).”

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Eingeladen und abserviert. Axel Bojanowski beschreibt auf seinem Blog, wie Anhörungen heutzutage laufen und wie Politiker solche Anhörungen austricksen. Beispiel Joachim Weimann:

“Mir wurde dabei die Ehre zuteil mich als einer von insgesamt fünf Experten im zuständigen Ausschuss des Bundestages zu dem Entwurf äußern zu dürfen. Theoretisch ist ein Austausch zwischen Politikern und unabhängigen Experten natürlich eine gute Sache, mit der man die Qualität der Gesetze tendenziell verbessern kann.” Sein Resümee fiel ähnlich aus wie Hännys: “Tatsächlich sind solche Anhörungen aber reine Pflichtübungen für die Abgeordneten, denn die Bewertung des Gesetzes steht lange vorher fest und kein noch so gutes Expertenargument kann an dessen Text auch nur eine Kommasetzung verändern.” Weimann war enttäuscht: “Es war das erste Mal, dass ich zu einer Anhörung eingeladen wurde und um ehrlich zu sein, hatte ich damals noch die naive Vorstellung, dass diese Veranstaltungen einen tieferen Sinn haben und tatsächlich der Information der Abgeordneten dienen.” Der Wissenschaftler erkannte System: “Dass die Presseerklärungen zu der Ausschusssitzung meistens schon vor der Anhörung ausliegen, habe ich erst später mitbekommen.”

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