Deutschland erlebt wieder mal den “Mojib-Latif-Moment”

Wir erinnern uns. Der berühmte Klimaforscher prognostizierte im Jahr 2000 im Spiegel, dass Deutschland zukünftig keine Winter mehr erleben werde. Wir haben bereits Ende 2020 darauf aufmerksam gemacht, dass Latif sich beklagte, dass der Spiegel ihn lediglich falsch zitiert habe. Er meinte nämlich andere Zeiträume. Allerdings hat er seine Aussage nie korrigieren lassen, sie stehen immer noch so falsch da. 

“Einfach nur falsch zitiert hat der Spiegel Mojib Latif, als der im Jahre 2000 erklärte, in unserem Breiten werde es keine Winter mehr mit Eis und Schnee geben, denn, so sagt er in der Zeit, gemeint hat er die Zeit zwischen 2050 – 2100. Nun, in 40 Jahren dürfte Latif vermutlich nicht mehr auf der Welt sein, um seine Prognose selber zu überprüfen. Da ist er also auf der sicheren Seite. Die Menschen, die auf der Alpensüdseite leben, werden sich momentan ohnehin ihren eigenen Reim darauf machen im Angesicht von 3 Meter Schneefall in sehr kurzer Zeit. Aber vielleicht meint Mojib Latif auch einfach nur Norddeutschland mit „unseren Breiten“, weil er hier beheimatet ist?ie Originalmeldung gibt es hier. Warum Latif vom Spiegel niemals verlangte, den Artikel zu ändern, bleibt sein Geheimnis. Noch ein Funfact: Latif beschreibt in dem Spiegel-Artikel, dass es mehr Westwindwetterlagen geben wird und damit mildere Winter. Die heftigen Schnellfälle rund um den Nikolaustag 2020 basieren auf einem Tiefdruckgebiet aus dem Westen, das gegen die Alpen prallt. Vielleicht war ihm dieses meteorologische Ereignis einfach nur fremd?” 

Wie Kachelmannwetter meldet, verzeichnen einige Orte in Schleswig-Holstein neue Rekorde für Tiefsttemperaturen im November 2023. Das gleiche gilt für Dänemark. wo sogar 100 Jahre alte Rekorde gebrochen worden sind. Diese Kälterekorde finden in der Regel keine große mediale Erwähnung, im Gegensatz zu Wärmerekorden. Man kann ohnehin viel lernen dieser Tage, denn die Kälte wäre halt Wetter, während Wärme Klima ist. Vielleicht wollen die Medien auch einfach nicht die Kunden verwirren und Ihnen aktuelle Informationen zur Nordatlantischen Oszillation NAO näherbringen? Bei der NASA sieht man sehr schön, was gerade in Europa passiert. 

Weitergehende Informationen zur NAO gibt es auf den Webseiten vom Geomar für das Mojib Latif ebenfalls tätig ist. Wie auch immer, wer Schnee hat, der sollte ihn genießen bei einem Spaziergang. Denn nach 2050 wird es solche Wanderungen nicht mehr geben… 

+++ 

Stichwort Mojib Latif. Der gab kürzlich ein Interview, das bei Utopia zusammengefasst wurde. Das ist für sich genommen spannend, weil es keineswegs sicher ist, dass die Ahrtalflut eine direkte Auswirkung des Klimawandels ist. 

“Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist einer der bekanntesten Klimaforscher Deutschlands. Im Interview mit Watson warnt er vor der schleichenden Gefahr des Klimawandels. Hierzulande würden viele Menschen glauben, nicht zu den Betroffenen zu zählen, doch Latif sagt: „Viele sind sogar schon betroffen und merken es gar nicht.“ So gebe Deutschland schon jetzt Milliarden für die Begleichung von Klimaschäden und Anpassungsmaßnahmen aus, „die wir alle mit unseren Steuern zahlen“. 

Genauer geht Latif im Interview nicht auf die Folgen der Klimakrise in Deutschland ein. Doch es dürfte klar sein, worauf er mit seiner Aussage anspielt: Hitzewellen und Extremwetter-Ereignisse werden durch den Klimawandel häufiger, sind sich Wissenschaftler:innen einig. Sich daran anzupassen oder entstandenen Schäden zu beheben, kostet viel Geld. Laut einer Studie vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) entstanden durch die Überschwemmungen im Ahrtal und an der Erft im Jahr 2021 Schäden von mindestens 40 Milliarden Euro. Dieselbe Studie schätzt die volkswirtschaftlichen Folgekosten der Klimakrise von 2022 bis 2050 auf mindestens 280 bis 900 Milliarden Euro.” 

+++ 

Hört auf die Wissenschaft, allerdings nur, wenn es in das jeweilige Weltbild passt. Petteri Taales von der Weltwetterorganisation WMO gibt Deutschland Ratschläge. Sie solle den Atomausstieg überdenken. How dare he? Die Zeit

“Kurz vor der Weltklimakonferenz in Dubai hat der Chef der Weltwetterorganisation (WMO), Petteri Taalas, Deutschland empfohlen, eine Rückkehr zur Atomkraft in Erwägung zu ziehen. „Atomkraft ist eine gute Technologie, um klimafreundliche Energie zu produzieren“, sagte Taalas in Genf. Ohne Atomkraft den Kohleausstieg zu bewerkstelligen und trotzdem genügend bezahlbare Energie herzustellen, werde schwierig. „Ich würde die Bundesregierung aufrufen, den Atomausstieg zu überdenken.“  

Der Weltklimarat (IPCC), der unter dem Dach der WMO den Zustand des Klimas wissenschaftlich untersucht und beschreibt, wirbt in seinen Berichten dafür, alle nicht fossilen Energiequellen zu nutzen, um die Treibhausgase zu senken, auch Atomstrom. Die EU-Kommission hat Strom aus Atomkraftwerken in ihrer Taxonomie-Verordnung als grüne Energiequelle aufgenommen.” 

+++ 

Schluss mit der Klimaangst. Was sich beim Lesen der Überschrift noch ganz interessant anhört, wird beim Anhören des Podcasts beim MDR doch eher zu einem Plädoyer für die “Letzte Generation”. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis wir die ersten Klimapsychologen antreffen. Arbeit scheint es ja genügend zu geben. 

“Wie man Menschen mit Klimaangst beruhigt, sie auffängt und welche Ratschläge man ihnen am besten an die Hand gibt, wissen die beiden Psychotherapeutinnen und Gründerinnen der „Psychologists for Future“ Lea Dohm und Mareike Schulze. In ihrem Buch „Klimagefühle – Wie wir an der Umweltkrise wachsen, statt zu verzweifeln“ (Knaur Verlag, 2022) teilen sie ihre Strategien für einen gesunden Umgang mit den eigenen Klimagefühlen und zeigen, wie man trotz Klimakrise psychisch gesund bleibt. Um einen gesunden Umgang mit den eigenen Klimagefühlen zu finden, haben die „Psychologists for Future“ (P4F) unter anderem die „10 Säulen der Selbstfürsorge“ entwickelt. Darin beschreiben sie Leitplanken für eine achtsame Lebensführung im Alltag.” 

+++ 

Die Welt beleuchtet die Rolle verschiedener Länder in Sachen Klima anlässlich der Weltklimakonferenz. Beispiel China.  

“Aktuell ist China für rund 30 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich und damit der mit Abstand größte Klimasünder. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird zwar massiv gefördert, doch damit allein lässt sich der wachsende Energiebedarf des Landes nicht decken. Daher gehen noch immer neue Kohlekraftwerke ans Netz, was die Emissionen weiter in die Höhe treibt. Wenn es so weitergeht, hat China innerhalb nur weniger Jahrzehnte bald mehr CO₂ ausgestoßen als die USA in 100 Jahren. Klimaökonomin Sonja Peterson vom Institut für Wirtschaftsforschung Kiel sieht China daher in einer besonderen Verantwortung: „Ein Signal in Richtung Kohleausstieg wäre wichtig.“” 

Wenn man die Staatssekretärin Jennifer Morgan im ZDF hört, scheint es keinerlei Haushaltsprobleme in Deutschland zu geben. Geld gibt es im Überfluss in Deutschland. 

+++ 

In Dubai findet die bereits 28. Klimakonferenz der Uno statt. Solche Monsteranlässe scheinen nicht den geringsten Effekt auf den CO2-Ausstoss und den CO2-Gehalt der Atmosphäre zu haben, wie Alex Reichmuth im Nebelspalter (https://www.nebelspalter.ch/themen/2023/11/klimakonferenzen-keine-wirkung-erkennbar) aufzeigt.

Reichmuths Faktencheck

Klimakonferenzen: Keine Wirkung erkennbar

Die Ausgangslage: Morgen Donnerstag beginnt in Dubai die Uno-Klimakonferenz mit rund 70’000 Teilnehmern. Es ist seit 1995 die 28. solche Konferenz. Offenbar ist die Weltgemeinschaft überzeugt, dass solche Anlässe einen Nutzen haben.

Warum das wichtig ist:

  • Auch an dieser Klimakonferenz wird versucht, die Umsetzung des Abkommens von Paris 2015 voranzubringen. Damals wurde beschlossen, dass sich die Erde um nicht mehr als 1,5 Grad erwärmen soll.
  • Um dieses Ziel zu erreichen, müsste der Ausstoss an Klimagasen bis 2030 um 45 Prozent verglichen mit 2010 sinken.
  • Die Welt ist überhaupt nicht auf Kurs.

O-Ton: «Die Kluft zwischen dem, was nötig ist, und dem, was passiert, ist bedrohlicher denn je.» (Antonio Guterres, Uno-Generalsekretär, siehe hier)

Weiterlesen im Nebelspalter (https://www.nebelspalter.ch/themen/2023/11/klimakonferenzen-keine-wirkung-erkennbar). Der Beitrag kann nach 20 Sekunden Werbung freigeschaltet werden.

Teilen: