Das erneuerbare Energiesystem – Ausblick auf die Kraftwerksstrategie

Eine wissenschaftliche Analyse, ob die Backup-Kapazitäten für die Stromerzeugung in Deutschland reichen liefert das Science Media Center. Dabei ragen zwei Punkte heraus: 

Mit Flexibilitäten sind in der Analyse nicht zuschaltbare Kraftwerke gemeint, sondern Verbraucher. 

“Eine flexible Stromverbrauchsanpassung in den Größenordnungen, die wir für unsere Rechnung angewendet haben (20 bis 50 Gigawatt), ist heute bei weitem noch nicht üblich, wird jedoch auch in der Forschung oder von der Bundesnetzagentur für 2030 angenommen. Daraus ergeben sich wichtige Fragen: Kann man sich drauf verlassen, dass die Technik in sechs Jahren funktionieren wird und genügend Verbraucher mitmachen, um diese Größenordnung zu erreichen?” 
 
Eine besondere Rolle kommt dabei sogenannten Flexibilitäten zu. Damit sind Stromverbraucher gemeint, die für eine kurze Zeit ihren Verbrauch drosseln, abschalten oder steigern können, ohne dass ihre Aufgabe beeinträchtigt würde. Das sind zum Beispiel Wärmepumpen mit Speichern oder Elektroautos, die geladen werden, Industrieprozesse oder auch Batterien. Diese Flexibilitäten optimieren den Stromverbrauch entlang der Stromerzeugung von WKA und PV-Anlagen, sodass weniger Kraftwerke für das Back-up nötig sind. Die Leistung der Flexibilitäten gibt an, wie viel GW an Verbrauch sich im Stromnetz an WKA- und PV-Einspeisung anpassen lässt. Wir legen als maximale Verschiebung von Leistungsbedarfen einen Zeitraum von 48 Stunden zugrunde. Der Strombedarf wird durch die Flexibilität nicht beeinflusst. 

Im weiteren Verlauf der Analyse geht es um abgeschaltete Kohlekraftwerke in 2030 und wie diese ersetzt werden. Der Artikel geht von äußerst knappen Ergebnissen aus. 

“Es gelingt zwar, die abgeschalteten Kohlekraftwerke zu ersetzen. Aber die Situation bleibt die gleiche wie in der Grafik vorher: In beiden Szenarien stünde dem Back-up-Leistungsbedarf nicht ausreichend Leistung im Inland gegenüber, um die Stabilität des Stromnetzes zu jeder Zeit zu garantieren. Allerdings würde unter der Annahme Flexibilität (50 GW) die Leistungsspitze fast ganz erreicht, wenn der Kraftwerkszubau auf 21 GW gesteigert und die Notstromanlagen mit einbezogen würden, wie die Bundesnetzagentur empfohlen hat. 

Das Ergebnis ist sehr knapp. Die tatsächlichen Werte können sich durch unterschiedliche Annahmen ändern, schon die Wahl eines anderen Wetterjahres kann ein besseres oder schlechtes Ergebnis ergeben. 

Die Szenarien zeigen: Eine wichtige Größe für die Stromversorgung der Zukunft sind die Flexibilitäten. Das wirft für die kommende Kraftwerksstrategie wichtige Fragen auf: 

Was ist realistisch? Kann man sich darauf verlassen, dass tatsächlich genügend Verbraucher und Verbraucherinnen mitmachen? Was ist technisch überhaupt möglich? Mit welcher Sicherheit lassen sich Stromerzeugung und -verbrauch für 2030 abschätzen? Wie kann eine Strategie diese Unsicherheiten berücksichtigen? Welche Vorkehrungen könnten die gewohnte Stabilität des Stromnetzes und damit der Stromversorgung erhalten, welche Rolle kommt der Strommarktreform zu? Was ändert sich damit für Verbraucher?” 

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E-Fuels sind nach wie vor ein Reizthema. Der Tagesspiegel gibt mit Monika Greifahn einer Lobbyistin von E-Fuels die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Griefahn ist Vorstandsvorsitzende der E-Fuels-Alliance. 

“Es ergibt keinen Sinn, Technologien gegeneinander auszuspielen. Weder die E-Fuel-Alliance noch Transport & Environment, die Grünen, die FDP oder sonst jemand kann in die Zukunft schauen beziehungsweise alle Risiken erkennen. Bei klimafreundlicher Mobilität alles auf eine (hauptsächlich chinesische) technologische Karte zu setzen, erinnert an Fehler, die wir in Deutschland bei der Gasversorgung gemacht haben.   

Und ferner ist es wichtig, dass wir in Europa eine Vorreiterrolle einnehmen – ohne schwächere Regionen auszublenden. Der Streit, welche Technologie sich nun in Europa durchsetzt, ignoriert schlichtweg die Tatsache, dass die globale Geschwindigkeit der Transformation nicht unbedingt die gleiche wie in Europa ist.   

Europa sollte Wiege möglichst vieler Technologien zum Schutz unseres Klimas werden und mit pragmatischen und umsetzbaren Lösungswegen den Rest der Welt ermutigen, es uns gleichzutun. Restriktive Rahmenbedingungen und Technologieverbote sind nicht der richtige Weg. Ohne den Aufbau einer globalen E-Fuels-Produktion wird die globale Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen bedrohlich langsamer sinken.” 

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Der Deutsche Wetterdienst DWD hat anlässlich des Extremwetter-Kongress ein Faktenpapier herausgegeben. 

“2022 war das sonnenscheinreichste und gemeinsam mit 2018 wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen mit einem deutlichen Niederschlags-defizit. In den zurückliegenden 9 Jahren traten mit 2022 fünf Jahre mit einer Jahresdurchschnittstemperatur größer 10 Grad Celsius auf. So hohe Werte wurden vor 2014 in Deutschland noch nie erreicht. Die Folgen waren erneut Hitzewellen und sehr trockene Bedingungen in den Sommermonaten mit Auswirkungen insbesondere auf die Land- und Forstwirtschaft, ähnlich wie in den Jahren 2018, 2019 und 2020 sowie ein ausgesprochen warmer Jahreswechsel 2022/23 mit vielfachen neuen Monatsrekorden.” 

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Es ist schon ein verwegener Plan. Zunächst die Energie für Industrieunternehmen teurer machen, um dann später Subventionen zu zahlen, damit die Unternehmen nicht reihenweise das Land verlassen. Robert Habeck setzt diesen Plan gerade um, wie die Tagesschau berichtet. Sehr interessant ist die Wortwahl, dass die Voraussetzungen für günstigen Strom in Deutschland verhältnismäßig schlecht sind. Schicken Sonne und Wind doch eine Rechnung? 

“Habeck erteilt Vorschlägen eine Absage, Deutschland solle angesichts ungünstiger Bedingungen für die Produktion von günstigem Sonnen- und Windstrom auf besonders energieintensive Betriebe etwa aus der Chemie-, Glas- oder Zementindustrie künftig verzichten. Dem Papier zufolge soll auch langfristig in Deutschland etwa Glas, Zement und Papier produziert werden, auch wenn die Voraussetzungen zur Produktion von günstigem Strom verhältnismäßig schlecht sind.” 

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“Warum wir endlich aufhören sollten, über Klimawandel zu reden” 

Das sagt kein Geringere als Eckhard von Hirschhausen im Focus. Dort wird er immer als als Arzt gehandelt, obwohl er schon seit Jahren nicht mehr behandelt. 

“Der Arzt und Autor war zu Gast als Redner bei dem Münchner Event der MaLisa Stiftung, an dem die Gäste, Medien und Macher und Macherinnen über die Repräsentation des Klimawandels und der Biodiversitätskrise im Fernsehen diskutierten. Hirschhausens bemerkenswerter Vorschlag: „Lasst uns überhaupt nicht mehr über das Klima reden, sondern über Lebensgrundlagen. Das berührt die Menschen.“ 

Der Arzt erklärt, dass die Lebensgrundlagen allen Menschen aus jedem Milieu wichtig sein – und warum der Klimawandel diese derzeit bedroht. Das Stichwort: Gesundheit. „Unsere Gesundheit fängt nicht einem MRT, Tabletten oder einer Operation an“, erklärt Hirschhausen. Nein, die Gesundheit fange mit fünf essenziellen Grundlagen an:  

Saubere Luft zum Atmen 

Sauberes Wasser zum Trinken 

Gesunde Pflanzen zum Essen 

Ertragbare Temperaturen 

friedliches Miteinander 

All diese Lebensgrundlagen, so wichtig für die Gesundheit und das Leben des Menschen, sind vom Klimawandel bedroht, warnt der Arzt und Autor. „Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten, unsere Grundlagen für unsere Gesundheit sind in Gefahr“, erklärt Hirschhausen. Daher plädiert er, dass Medienmacher und Medienmacherinnen künftig den Menschen erklären, welche enormen Folgen die Klimakrise für jeden Einzelnen hat.” 

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Pressemitteilung der Politik- und Kommunikationsberatung Dennis Riehle:

Die Verschleierungstaktik von Minister Habeck schadet dem Ansehen unserer Demokratie!

Kommunikationsberater kritisiert den Umgang mit wichtigen Informationen zum Atomausstieg

Zum kürzlichen Bekanntwerden möglicher Streichungen in wichtigen und brisanten Unterlagen zum Thema Energiewende und Atomausstieg durch Minister Robert Habeck erklärt der Politik- und Kommunikationsberater Dennis Riehle (Konstanz) wie folgt:

Auch wenn ich grundsätzlich für eine Energiewende bin, damit wir Abhängigkeiten reduzieren können, so ist das alleinige Setzen auf die sogenannten „Erneuerbaren“ einigermaßen unverantwortlich. Und auch das vor sich Hertragen einer Monstranz des 1,5-Grad-Ziels ist deshalb einigermaßen sinnfrei, weil wir bis heute nicht um die genauen Konnexionen zwischen CO2-Ausstoß und Erderwärmung wissen. Eine Reduktion auf diese Hypothese des allein anthropogenen Klimawandels ist zumindest bei einer kritischen Sicht auf die tendenziös gewordene Wissenschaft mit ihren einseitigen Schlusstechniken sicherlich fragwürdig.

Wir sollten daher zu einer vernunftbezogenen Politik zurückkehren, die es auch unterlässt, aus ideologischen Gründen eine Doppelmoral zu strapazieren, die beispielsweise weiterhin den krampfhaften Ausstieg aus der Atomenergie verteidigt, während sie auf unsichere Kohle- und Kernkraftwerke bei unseren Nachbarn setzt. Und wenn dann noch ein Minister, der das Volk wiederholt in die Irre führt und wesentliche Informationen vorenthält, die für die öffentliche Debatte und den politischen Diskurs um den pragmatischsten Weg in der Energiewende von erheblicher Bedeutung sind, nicht nur seinen Amtseid verletzt, sondern die eigene Ideologie zur Durchsetzung einer aufoktroyierten Entscheidung missbraucht, die in der Mehrheitsgesellschaft keinen Rückhalt findet.

Sie fügt darüber hinaus der Bundesrepublik in wirtschaftlicher wie technologischer Sicht massiven Schaden zu, weshalb die Empörung und das Wahlverhalten des Bürgers nur allzu gut nachzuvollziehen sind. In funktionierenden Demokratien wäre ein solches Verhalten eines Kabinettsmitglieds nicht tragbar und würde unmittelbar zum Rücktritt führen. Dass sich Habeck bis heute in seiner Funktion halten kann, nachdem er beim Heizungsgesetz bereits eine ähnliche Taktik angewendet hat, macht die Verschiebung von Sittlichkeit und Normen in unserem Land offenbar. Dies beweist einen verbohrten Elitarismus und das Ansinnen, gegen die Mehrheit eine Doktrin durchzusetzen, welche der Angemessenheit nicht zugänglich ist, sondern der Sehnsucht nach Eigenverwirklichung, Überlegenheit und Absolutheit folgt.

Weitere Informationen unter www.dennis-riehle.de.

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Windräder stören Anwohner nicht nur direkt, sondern können bei ihnen auch zu finanziellen Verlusten führen. In der Schweiz ist eine Studie veröffentlicht worden, gemäss der Immobilienbesitzer mit grossen Wertminderungen Ihrer Liegenschaften rechnen müssen, wenn in der Nähe eine Windkraftanlage gebaut wird. Alex Reichmuth hat darüber im Nebelspalter (https://www.nebelspalter.ch/windraeder-vermindern-den-wert-von-wohnhaeusern-erheblich) berichtet.

Windräder vermindern den Wert von Wohnhäusern erheblich

In der Schweiz sollen im Zuge der Energiewende Hunderte oder sogar Tausende Windräder aufgestellt werden. Für Anwohner könnte das nicht nur störende Auswirkungen haben, sondern auch erhebliche finanzielle Verluste bedeuten. Das geht aus einer neuen Studie des Hauseigentümerverbands (HEV) Region Winterthur hervor. Demnach drohen Besitzern von Wohnhäusern empfindliche Wertminderungen, wenn in ihrer Nähe Windkraftanlagen gebaut werden.

Die Studie geht von Windrädern aus, wie sie derzeit im Kanton Zürich geplant sind: Sie haben eine Leistung von 5,5 Megawatt und sind inklusive Rotoren 220 Meter hoch. Wird eine solche Anlage im Abstand von 300 Meter zu bewohnten Häusern errichtet, droht eine Wertminderung der entsprechenden Immobilien von satten 25 Prozent. Bei einem Abstand von einem Kilometer müssen die Eigentümer mit einem Verlust von acht Prozent rechnen. Selbst bei einer Entfernung von zwei Kilometer droht noch immer eine Einbusse von fünf Prozent. Absolut gesehen geht es rasch um Zehntausende oder sogar Hunderttausende Franken. Werden mehrere Windräder aufgestellt, kann die Wertminderung noch grösser sein.

Mehr dazu im Nebelspalter (https://www.nebelspalter.ch/windraeder-vermindern-den-wert-von-wohnhaeusern-erheblich

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