Versteckter Wasserstoff

Ein sehr langer Artikel über natürliche Vorkommen von Wasserstoff in der Science.org. In Mali (Afrika) scheint es Vorkommen zu geben und auch andere Länder könnten natürlichen Wasserstoff haben. Der Wasserstoff entsteht, wenn bestimmte Druckverhältnisse in der Erde herrschen und Wasser sowie gewisse Minieralien vorhanden sind. Es könnte sogar sein, dass sich der Wasserstoff nachbildet. Noch sind nicht alle Prozesse verstanden und weitere Forschung ist notwendig. Für den Wasserstoff-Hunger sind das aber interessante Nachrichten. Auch geostrategisch ist es sehr spannend. Es werden neben Mali auch Vorkommen in Australien, Namibia und Brasilien vermutet. 

Da die Produktion ansonsten mittels Wasser und Strom sehr aufwendig ist, könnten Vorkommen ein echter Trumpf sein, denn Länder wie Deutschland werden viel davon benötigen. Es erscheint unmöglich hier Strom aus Wind und Sonne zu subventionieren und dann daraus mit erheblichen Verlusten Wasserstoff zu produzieren. Was nicht heißt, dass man es in Deutschland nicht doch so versuchen wird mit absehbaren Folgen, nämlich sehr teurem Wasserstoff. Natürliche Vorkommen bei entsprechenden Förderpreisen wären da im Vorteil. 

“Critically, natural hydrogen may be not only clean, but also renewable. It takes millions of years for buried and compressed organic deposits to turn into oil and gas. By contrast, natural hydrogen is always being made afresh, when underground water reacts with iron minerals at elevated temperatures and pressures. In the decade since boreholes began to tap hydrogen in Mali, flows have not diminished, says Prinzhofer, who has consulted on the project. “Hydrogen appears, almost everywhere, as a renewable source of energy, not a fossil one,” he says. 

It is still early days for natural hydrogen. Scientists don’t completely understand how it forms and migrates and—most important—whether it accumulates in a commercially exploitable way. “Interest is growing fast, but the scientific facts are still lacking,” says Frédéric-Victor Donzé, a geophysicist at Grenoble Alpes University. Big Oil is hanging back, watching while wildcatters take on the risky exploratory work. Commercialization of the Mali field has run into snags, and elsewhere only a few exploratory wells have been drilled. Donzé, who has sworn off accepting industry money, worries about hype.” 

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Der Ausbau von Solarflächen schreitet weltweit voran. Laut En-former, dem Energieblog von RWE, wurde weltweit die Marke von 1 Terrawatt erreicht. Bei der installierten Kapazität pro Kopf liegt Deutschland auf Platz 3. 

“Mit einem Zubau von fast 100 GW war China laut dem Bericht auch 2022 der weltweit führende Solarmarkt. Die USA erreichten mit 21,9 GW neuer Solarkapazität Platz zwei, gefolgt von Indien mit 17,4 GW. Spanien schaffte es als einziges europäisches Land in die Top fünf des SPE-Rankings. Bei der installierten Kapazität pro Kopf hingegen rangierten die Niederlande und Deutschland direkt hinter Spitzenreiter Australien mit 1,2 Kilowatt pro Kopf.” 

Dazu passt thematisch ein Artikel aus dem PV-Magazin. Frankreich plant offenbar Photovoltaik ebenfalls erheblich auszubauen. 

“Die französische Premierministerin Élisabeth Borne hat dem Nationalen Rat für den ökologischen Übergang (CNTE) einen neuen Plan vorgelegt, der überarbeitete Ziele für die erneuerbarer Energien und die Photovoltaik bis 2030 enthält. Er sieht eine Aufstockung des Budgets für die Energiewende von 30 Milliarden Euro auf 37 Milliarden Euro vor. 

Nach den aktualisierten Zubauzielen will Frankreich bis 2030 eine installierte Photovoltaik-Leistung auf 48,1 Gigawatt und bis 2050 von 140 Gigawatt steigern. Um das Ziel für 2030 zu erreichen, müssten jährlich zwischen 3700 und 5500 Megawatt an neuen Photovoltaik-Anlagen installiert werden. Bis Ende März verfügte Frankreich 17,15 Gigawatt an kumulierter installierte Photovoltaik-Leistung. Dies bedeutet, die installierte Leistung müsste sich in den kommenden sieben Jahren verdreifachen. 

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch stagnierte bei 20,7 Prozent im Jahr 2022. Damit ist Frankreich das einzige europäische Land, das den angestrebten Anteil von 23 Prozent noch nicht erreicht hat.” 

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Schweden macht es komplett anders als Deutschland. Es plant seine Kernenergie auszubauen. Das berichtet die Tagesschau

“Die schwedische Regierung hält die Atomkraft für einen entscheidenden Baustein auf dem Weg in eine klimafreundlichere Zukunft. Die Klimawende mit der Elektrifizierung von Industrie und Verkehr erfordere eine Verdopplung der Stromproduktion und die Kernkraft müsse einen großen Anteil dieser Zunahme ausmachen, sagte Klima- und Umweltministerin Romina Pourmokhtari. 

Bis 2045 müsse Atomkraft zugebaut werden, die mindestens der Leistung von zehn neuen konventionellen Reaktoren entspreche. Die Regierung arbeite mit voller Kraft daran, die Hürden zu beseitigen, die neuer Atomkraft im Land bislang im Weg stünden.” 

Vielleicht hat man in Schweden zwei Dinge im Blick: 

1. Die energie-intensive Wirtschaft aus dem Ausland, die sicherlich gern nach Schweden kommt. 

2. Den Export von Strom in Länder wie Deutschland, die von Exporteur zum Importeur von Strom wurden, weil sie ihre Art der Energiewende vollzogen haben. 

Beide Optionen wären lukrativ für Schweden, die den deutschen Energieweg sicherlich toll finden. 

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Es kommt immer auf die Betrachtung an. Bei Klimareporter jubelt man, weltweit ist jedes 5. Auto ein E-Auto. Das klingt weit netter als zu sagen, dass der Verbrenner immer noch 80% Anteil hat. 
Daher ist das Pauschalurteil in der Überschrift, dass Deutschland am Markt vorbei produziert auch etwas eigenartig. 

“Das reicht allerdings nicht, um das von der Bundesregierung gesteckte Ziel von 15 Millionen E‑Fahrzeugen bis Ende 2030 zu erreichen. „Um das zu schaffen, müssen hierzulande jedes Jahr mindestens doppelt so viele Fahrzeuge wie 2022 neu zugelassen werden“, so Püttner. Ob das klappt, ist fraglich – unter anderem, da die staatliche Förderung gesunken ist und im kommenden Jahr weiter sinken wird. 

Vorreiter in Europa ist weiterhin Norwegen, das die Förderung frühzeitig startete und die Ladeinfrastruktur schnell ausbaute. Dort fahren inzwischen fast 25 Prozent aller Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybrid-Antrieb, während es hierzulande erst knapp vier Prozent sind. Bei den Neuzulassungen 2022 betrug der E‑Anteil sogar rund 80 Prozent. 

Der Weltmarkt für die E‑Mobile wird derzeit stark von den drei chinesischen Herstellern BYD, SAIC und Geely sowie dem US-Autobauer Tesla dominiert. Die Chinesen verkauften 2022 zusammen 3,6 Millionen Autos und Tesla allein 1,3 Millionen, während die drei deutschen Hersteller VW, BMW und Mercedes zusammen auf 1,6 Millionen kamen. VW liegt im globalen Ranking dabei auf Platz vier.” 

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Leserpost von Marco Schmautz:

Betreff: Meereisausdehnung

Zumindest was die Satellietendaten für das Arktische Meereis angeht, so kann gesagt werden, dass es sich dort um einen merkwürdigen Starttermin handelt und zwar zum absoluten Maximum der letzten ca.120 Jahre. Es gibt auch Satellitendaten von vor 1979, aber die zeigen eine weit geringere Meereisausdehnung. Ganz zu schweigen von konventionel ermittelten Daten, die eine geringe Meereisausdehnung in den 50er Jahren zeigen. Ich empfehle hierzu die Seite „realclimatesience.com“

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Leserpost von Eberhard Wagner:

Hier finden Sie eine Analyse der Stromerzeugung von 2006 bis aktuell 2023. Die Schwierigkeiten, eine Energiewende herbeizuführen, werden dargelegt.

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Wegen steigender Kosten muss der schwedische Konzern Vattenfall den Bau des Offshore-Windparks Norfolk Boreas vor den Küsten Englands stoppen. Was bedeutet das für die Branche der Windenergie auf dem Meer? Alex Reichmuth hat für den Nebelspalter einen Energiespezialisten befragt.

Gestiegene Kosten bringen die Offshore-Branche in Schwierigkeiten

Der Windpark Norfolk Boreas vor der Küste Englands hätte Strom für durchschnittlich fast 1,5 Millionen Haushalte produzieren sollen. Doch vor einigen Tagen hat der schwedische Energiekonzern Vattenfall die Planung des Offshore-Projekts gestoppt. Vorgesehen war eine Nennleistung von 1,4 Gigawatt – was mehr ist als diejenige des AKW Gösgen (1 Gigawatt).

Als Grund für den Projektstopp gab Vattenfall Kostensteigerungen von bis zu 40 Prozent an. «Höhere Inflation und Kapitalkosten wirken sich auf den gesamten Energiesektor aus, aber die geopolitische Situation hat die Offshore-Windenergie und ihre Lieferkette besonders anfällig gemacht», sagte Anna Borg, die Chefin des Konzerns.

Weiterlesen im Nebelspalter.

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Swedish Research Council:

Population growth is the main driver of increased carbon emissions, study finds

The richest countries emit more carbon dioxide than the rest of the world combined, while population is only growing in the poorest countries. These are two widespread notions that argue for focusing on reducing emissions per capita in order to mitigate climate change. But this is not entirely true on the light of data from the last 30 years, new research published in the journal Sustainability shows.

A dominant narrative in the climate change debate is that addressing population is not relevant for mitigation. This is because the population is only growing in the poorest countries, whose contribution to global carbon emissions is negligible, the reasoning goes. The largest emissions come instead from rich countries where the population no longer grows.

„This way of reasoning is not correct. Our thorough analysis suggests that climate change mitigation strategies should address population along with per capita consumption and technological innovation. A comprehensive approach to the problem is needed,“ says Giangiacomo Bravo, professor at Linnaeus University.

The World Bank’s four income groups

The World Bank has four classifications of income for the world’s countries: low, lower-middle, upper-middle and high income. These are based on the respective country’s gross national income (GNI) per capita.

The current figures apply to the year 2021, when 28 countries are defined as low-income countries, 54 as lower-middle, 54 as upper-middle and 81 as high-income countries.

Analysis of 30 years of emission data

The basis for Giangiacomo Bravo’s statement is the analysis of 30 years of emission data for all the world’s countries that he and two research colleagues have carried out. By splitting the countries into four income groups according to the World Bank’s standard classification, the researchers were able to confirm that the contribution of low-income countries to emission increase is indeed limited. However, they also found that:

  • Population is growing in all four income groups.
  • The largest contribution to global carbon emissions comes from the upper-middle group.
  • Population growth is the main driver of increased emissions in all income groups except the upper-middle one.
  • The successful reduction in per capita emissions that occurred in high-income countries was nullified by the parallel increase in population in the same group.

„Our analysis does not support the widespread belief that increased affluence is the main driver of increased carbon emissions at the global level. It is definitely an important factor, but neglecting population growth leads to a skewed and misleading vision of reality.“

„Developed nations with stable or declining populations should hence quit fighting these trends and instead embrace them. Just as a small population growth in rich countries can drive big emission increases, a population decrease in rich countries could have big emission-related benefits going forward,“ says Giangiacomo Bravo.

Paper: Lucia Tamburino et al, An Analysis of Three Decades of Increasing Carbon Emissions: The Weight of the P Factor, Sustainability (2023). DOI: 10.3390/su15043245

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