Wetter- und Klimamodelle – Wie zuverlässig sind ihre Vorhersagen?

Man kann schon vorher immer fest davon ausgehen, dass Podcasts von Dirk Asendorpf sachlich und informativ sind. Das ist auch bei den knapp 30 Minuten über Wetter- und Klimamodelle so, die das Thema beim SWR3 Wissen Podcast sind. 

“Wer über eine Woche hinaus in die Zukunft gucken will, muss neben der Atmosphäre auch den Zustand der Ozeane in die Berechnung einbeziehen. Dafür arbeiten Wetterkunde und Klimawissenschaft zusammen. Bis vor wenigen Jahren waren das weitgehend getrennte Disziplinen. Während sich die eine mit konkreten Prognosen für das regionale Wetter der nächsten Tage befasste, ging es für die andere um globale Entwicklungen in Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Doch inzwischen verschwimmt die Grenze zwischen Klimaszenario und Wetterprognose.” 

Spannend sicherlich auch er Fortschritt bei der Wettervorhersage. 

“In den vergangenen 50 Jahren hat sich ihre Vorhersagegenauigkeit pro Jahrzehnt um etwa einen Tag verbessert; heute ist die Prognose für die kommenden vier Tage so zuverlässig wie es die 24-Stunden-Vorhersage vor 30 Jahren war.  

Für die nächsten ein bis zwei Stunden haben Wetterapps inzwischen eine sehr zuverlässige Antwort auf diese Frage. Dahinter steht kein großes vom Computer berechnetes Wettermodell, sondern die direkte Beobachtung mit Satelliten und einem über ganz Deutschland verteilten Radarmessnetz. Von Rostock bis Memmingen liefern 17 Beobachtungstürme eine Momentaufnahme der Wolken und Niederschläge.” 

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Noch einmal Podcast, diesmal von der FAZ. Dort ist ein möglicher Kollaps der Ozeane das Thema. Es geht um zwei aktuelle Papers, im ersten wird der Rückgang der Eisschilde nach der letzten Eiszeit beschrieben, der demnach rapide war. Das zweite Paper beschäftigt sich mit der Antarktis und dem Einfluss des Eises auf die Ozeane. Dichtes kaltes Wasser spielt eine große Rolle, wenn es fehlt, weil weniger Eis vorhanden ist, kann das Auswirkungen haben. 

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Ob es an der bevorstehenden Wahl in Bremen liegt? Politiker der Ampel rudern gerade kräftig zurück in Sachen Wärmewende. Laut Welt will die FDP nun später mit der Pflicht zu neuen Heizungen starten. Die SPD scheint es ähnlich zu sehen. 

Beim umstrittenen Gesetz zum Heizungstausch ist nach Ansicht von FDP-Fraktionschef Christian Dürr auch ein späteres Startdatum als 2024 denkbar. „Wir werden kein Gesetz beschließen, bei dem Fragen offenbleiben“, sagte Dürr den Zeitungen der Funke-Gruppe. 

Als Beispiel nannte er die Technologieoffenheit bei der Wahl der Wärmequelle nach einem Heizungstausch. Die zentrale Frage sei nicht, wann das Gesetz in Kraft trete, sondern „dass es funktioniert und vor Ort von den Stadtwerken und Versorgern umgesetzt werden kann“. 

Nach Angaben des NDR plädiert der niedersächsische Minister Lies SPD sogar für den Termin 2027. 

“Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) sollte man sich mehr Zeit nehmen. Man müsse konstruktiv und geplant an das Thema herangehen. Außerdem kritisierte Lies, dass Menschen ab 80 Jahren von der Austauschpflicht auf erneuerbare Energien ausgenommen sein sollen, als abwegig. Es wäre besser in Ruhe und allgemein auf Härtefällen zu schauen, so der Wirtschaftsminister. Demnach solle ein neues Heizungsgesetz erst 2027 in Kraft treten. Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Sebastian Lechner, unterstützte Lies. Da die EU bereits ab 2026 den CO2-Zerftifikatehandel auch für private Haushalte einführe, würden ohnehin Anreize für einen Heizungswechsel geschaffen. Auch Ministerpräsident Weil hatte sich bereits zu den Plänen des Bundes geäußert.” 

Selbst bei Wirtschaftsminister Habeck scheint ein Umdenken eingesetzt zu haben laut Berliner Morgenpost. Was die sinkenden Umfragewerte so alles möglich machen. 

“In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte der Minister mit Blick auf die parlamentarischen Beratungen, es sei „natürlich relevant, darüber nachzudenken, ob man später einsetzt oder ein bisschen später einsetzt – wie zu sagen, wir schaffen das, wir können das jetzt durchziehen.”” 

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Gas wird nach einem Artikel bei Montelnews Steinkohle in nächster Zeit bei der Stromerzeugung Anteile wegenehmen. Der Grund liegt im Preis. Dieser ist für Erdgas deutlich gesunken. 

The country’s gas plants outperformed hard coal units over the last two months in terms of output and should continue to do so over summer amid cheap gas prices, data from the Fraunhofer Institute showed. Hard coal plants produced more power than gas units in January and February. However, gas produced 5 TWh of power in March, versus 3.7 TWh from hard coal, and in April, gas produced 3.4 TWh compared with 2.5 TWh from hard coal, the institute’s data showed. “Fuel switching is in full swing,” said Nathalie Gerl, senior power analyst at Refinitiv. “The share of gas versus hard coal has clearly risen this year, and we see a distribution of 60:40 between the two fuels.” For May and June, Refinitiv expected the share to shift further in favour of gas to 75:25, she added, amid even lower gas prices, low availability of coal and strong solar output. 

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En-former, der Energieblog analysiert sehr ausführlich das Strategiepapier des Wirtschaftsministeriums zu den “Wind and Land” Planungen. 

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Der polnische Mineralölkonzern Orlen plant in den Einstieg in die Kernenergie. Das berichtet das Manager Magazin

“Der polnische Mineralölkonzern PKN („Polski Koncern Naftowy“) Orlen will bis zum Jahr 2029 das erste Mini-Atomkraftwerk in Polenbauen. Derzeit würden sechs mögliche Standorte auf ihre Eignung geprüft, heißt es in einer am Montag verbreiteten Presseinformation des Unternehmens. Orlen setzt dabei auf Atomkraftwerke (AKW) im Kleinformat, die sogenannten SMR („Small Modular Reactor“ – also kleine modulare Reaktoren), die deutlich kleiner sind als herkömmliche AKW. In Polen sollen SMR vom Typ BWRX-300 des amerikanischen Herstellers GE Hitachi entstehen.” 

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Norwegen möchte offenbar doch nicht mehr die Batterie für andere Länder sein. Das Land will keinen neuen Stromleitungen in andere Länder mehr. Montelnews

“Vor kurzem hatte die Regierung in Norwegen bereits den Bau eines Kabels mit 1,4 GW nach Schottland abgelehnt. Die Regierung sorgt sich vor einem Anstieg der heimischen Strompreise, der zu Lasten der Industrie gehen könnte. Die Sozialdemokraten hatten bereits zu Beginn der gemeinsamen Regierung mit der europaskeptischen Senterpartiet ein Verbot für neue Interkonnektoren bis 2025 ausgesprochen, dieses aber mit dem Parteitagsbeschluss vorerst verlängert. Das Verbot für neue grenzüberschreitende Verbindungen bezieht sich auch auf mögliche Projekte, die Windparks auf See über Plattformen mit mehreren Ländern verbinden könnten.” 

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Spanish National Research Council (CSIC):

Storing carbon dioxide underground may be a safe solution to mitigate climate change, according to new study

A study led by the Institute of Environmental Assessment and Water Research (IDAEA) and the Mediterranean Institute for Advanced Studies (IMEDEA CSIC-UIB), both belonging to the Spanish National Research Council (CSIC), has shown that injecting billions of tons of atmospheric CO2 (carbon dioxide) underground has a low risk of leakage back to the surface.

According to the simulations, the CO2 would remain deep in the subsurface for millions of years, even if the overlying low-permeability rocks were fractured. These results indicate that this technology, called geological CO2 storage, can be safely undertaken to mitigate climate change.

The study, published in the journal Geophysical Research Letters, has been carried out in collaboration with the Lawrence Berkeley National Laboratory and the University of Illinois at Urbana-Champaign. This interdisciplinary research has developed a novel methodology to calculate the probability of CO2 leakage considering billion tons of CO2 injected underground over a time scale of millions of years, much larger than what had been investigated until now.

„The objective of CO2 storage is to take this greenhouse gas from the hard-to-abate industry and inject it deep underground. For the gas to remain at depth, it must be injected into rocks with high permeability and porosity, such as sandstones. However, there is a risk of CO2 leakage, as CO2 is less dense than the saline water that fills the pores at great depth, so it can float upwards and leak back to the surface,“ explains the IDAEA-CSIC researcher Iman Rahimzadeh Kivi and first author of the study.

To calculate the risk of CO2 leakage, researchers predicted the gas flow to the surface after its injection at 1,550 meters deep (the common depth to store the gas underground) using numerical transport models in two different scenarios.

„Our predictions show that in the best-case scenario, when the underground rock properties remain intact, the CO2 would only rise 200 meters upwards after one million years. In our worst-case scenario, when the rocks present a large number of fractures, CO2 would rise 300 meters upwards,“ indicates Victor Vilarrasa, researcher at IMEDEA-CSIC-UIB and principal author of the study.

„This means that even in the worst possible scenario, the CO2 would be indefinitely contained in the subsurface at 1250 meters‘ depth for millions of years,“ says Rahimzadeh Kivi.

The authors highlight that this study is relevant to increase confidence in the security of underground CO2 storage to achieve carbon neutrality and mitigate the effects of the climate emergency.

„The scenarios proposed by the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) to achieve zero emissions, and even net-carbon removal from the atmosphere, require geological CO2 storage. And this study shows that permanent CO2 storage can be safely achieved,“ concludes Vilarrasa.

Paper: Geophysical Research Letters (2023). DOI: 10.1029/2022GL10044

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Holly East und Jamie Johnson auf The Conversation:

Tropical seagrass meadows are sand factories that can help defend coral reef islands from sea-level rise

Seagrasses are flowering plants that form dense underwater meadows in coastal waters worldwide, from the frigid seas of the Arctic to the warm shallows of the Caribbean. These meadows provide a refuge for young fish, food for grazing sea turtles and manatees, and help to slow climate change by absorbing carbon from the atmosphere up to 35 times faster than rainforests.

In a new study, we discovered another reason to preserve the world’s remaining seagrass meadows: they can build and maintain coral reef islands.

Throughout the tropics, the breakdown of shells and skeletons belonging to organisms living on coral reefs has produced enough sand to form entire islands. These coral reef islands are inhabited by over 700,000 people globally in nations including Kiribati, the Marshall Islands and the Maldives. Our research showed that seagrass meadows can make the right type of sand for building and maintaining the shorelines of these islands. This sand could help protect them from sea-level rise, which threatens the existence of low-lying nations.

Islands in the Maldives are primarily built from coral, but rising sea temperatures have caused reefs to bleach in recent years, which can kill corals. Seagrass may be vital for building and maintaining these islands in the future if reefs are lost to climate change.

How seagrass builds islands

If you are ever lucky enough to swim in a tropical seagrass meadow, take a close look at the leaves. You may notice that, instead of being completely smooth and green, there are what look like white grains of sand stuck to their surface.

A microscope reveals that these white grains are in fact tiny plants and animals. These creatures – scientists call them seagrass epibonts – are made of calcium carbonate and can include sea snails, single-celled foraminifera, crusts of coralline algae and colonies of invertebrates called bryozoans.

Some epibionts fall off the leaves or are whisked away when the seagrass dies to be deposited with other sediment on nearby islands. Over time, this accumulation helps to build and maintain the island shorelines. In our study, we aimed to find out how much sand was produced by organisms living in a seagrass meadow in the southern Maldives.

We used satellite images to map the density of seagrass and counted the leaves by randomly placing grids on the seafloor. We repeated this process 300 times, counting 27,528 individual seagrass leaves – not how most visitors to the Maldives spend their trip.

We collected 400 leaves and analysed them in a laboratory to work out the mass of epibionts living on them. The sand samples we collected from the meadow indicated how many of these organisms were the right size for building an island (between 0.063 and 2mm).

How much sand does a seagrass meadow make?

The rate at which different parts of the meadow produced sand-sized grains ranged from 0.22 to 0.86kg per square metre per year. Across the 1.1 square kilometres of seagrass meadow we studied, total annual sediment production was 762,000kg, with 482,000kg of this being the right size for island-building.

The volume of sand-sized sediment produced across the meadow would be large enough to build the neighbouring island of Faathihutta in just 18 years. Not all of this sand will go on to build islands – some will remain in the ocean. Nonetheless, this is a huge volume of sand being produced near islands in desperate need of sediment to bolster shorelines threatened by rising seas.

Reef island nations will need to protect seagrass meadows and aid their recovery in areas where they have been damaged. Another challenge will be ensuring that the movement of sand from seagrass meadows to islands is not obstructed by sea walls, harbours or jetties.

The societal benefits of seagrass meadows remain underappreciated. In the Maldives, seagrass is often removed from tourist resorts to meet visitor expectations of pristine white sands. This is a misconception of what the shallow waters around tropical islands are supposed to look like – and one that deprives visitors of the wide variety of marine life that call seagrass meadows home, such as schools of baby fish, seahorses and turtles.

Tourists should now also be aware that the very survival of the coral reef islands may depend on the sand that these seagrass meadows produce.

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