Back to the future – klimafreundliche Plumpsklos 

Berlin geht neue Klimawege. Die Stadt setzt auf Plumpsklos im öffentlichen Raum. Ganz wichtig, diese sind geschlechterneutral und dabei auch noch klimafreundlich. Aus der Pressemitteilung des Senats:  

“Markus Kamrad, Staatssekretär für Verbraucherschutz: „Toiletten im öffentlichen Raum sind ein elementarer Bestandteil einer lebenswerten Stadt. Wir wollen erproben, wie autarke Toiletten, die keinen Strom- oder Wasseranschluss brauchen und für alle Geschlechter gleich gut nutzbar sind, die Aufenthaltsqualität im Stadtgrün verbessern können. Und vor allem wollen wir rausfinden, welches der beiden Systeme dafür am besten geeignet ist.“  

Mit dem Projekt wird untersucht, wie die oft stark genutzten Berliner Grünflächen mit ökologischen und klimafreundlichen Toiletten versorgt werden können. Im Praxistest soll erprobt und evaluiert werden, inwieweit in den Grünflächen unterschiedliche autarke Toilettensysteme den Anforderungen an Standorte, die nicht über Strom sowie Wasser- und Abwasserrohre erschlossen sind, gerecht werden können. Geplant ist ferner eine Untersuchung, inwiefern die Parktoiletten zu einer verminderten Nutzung von Sträuchern und Hecken zur Verrichtung der Notdurft und somit zu einem verbesserten Zustand der Grünanlagen selbst beitragen können.” 

Der Hersteller des Plumpsklos geht laut Tagesspiegel sogar noch weiter. Für ihn geht nebenbei der alte Unternehmertraum in Erfüllung: Aus Scheiße Geld machen. 

“Die Zukunftsmusik endet jedoch nicht an der Toilettentür. Einmal täglich werden alle 24 Toiletten gesäubert und kontrolliert. Die menschlichen Fäkalien werden dann nach Eberswalde gebracht, wo man versucht, durch Kompostierung aus den Hinterlassenschaften einen „Superdünger“ herzustellen. „Wir verstehen diese Toiletten als ein Portal in die Zukunft“, erklärte Finizio-Geschäftsführer Florian Augustin. Menschlicher Kot habe ein enormes Potenzial, die Biodiversitätskrise zu adressieren.” 

Wer so ein Plumpsklo benutzt, der sollte nach dem Verlassen sehr genau schauen, in welche Zeit ihn das Portal befördert hat. 

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Spanien leidet unter einer Dürre. Das hat mittlerweile auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft, wie Agrarheute berichtet. 

“Spaniens Landwirte sind im Grunde erfahren in Sachen Trockenheit. Traditionell kennen sie den Trockenfeldbau und die Bewässerungswirtschaft. Wobei die Wassergabe immer mehr geworden ist. Ein gutes Drittel der 13 Mio. Hektar Fläche für Nutzpflanzen braucht heute Bewässerung. Das sind etwa Zitrusbäume oder die großen Kulturen unter Folien. Selbst im Grunde genügsame Olivenhaine bekommen heute Wasser. Olivenbauern sind auf ertragreichere Sorten umgestiegen, die nur mit Extrarationen liefern. 

Dürrefolgen sind die Quittung für schlechtes Wassermanagement 

Doch Wasser ist nicht in dem Maße da, wie es gebraucht würde. Seit 1980 ist der Anteil verfügbaren Wassers um 12 Prozent gesunken. Und es könnten noch einmal zwischen 14 und 40 Prozent weniger sein bis 2050. Viel Wasser wird offiziell aus Flüssen und Reservoiren entnommen. Hinzu kommen illegale Brunnen. Behörden schätzen, dass es 500.000 solcher Brunnen in Spanien gibt. Naturschutzorganisationen glauben, es könnten doppelt so viele sein. Das ist fatal für das Grundwasser und führt zu weiteren Engpässen.” 

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Der Klimawandel bekommt zu wenig Raum in den öffentlich-rechtlichen Medien. Ein oft gehörter Vorwurf. Aus der NZZ

“Die jüngste Auswertung widmet sich unter anderem der Klimaberichterstattung in der «Tagesschau», Deutschlands wichtigster Nachrichtensendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dazu haben Wissenschaftler der Universität Hamburg ausgewählte Begriffe aus allen Sendungen seit November 2007 gezählt und miteinander verglichen. Ihr Fazit: Das Klima sei insgesamt ein «Randthema», das gegenüber anderen Themen wie der Wirtschaft zurückbleibe.” 

Eine eigene Auswertung der NZZ kommt zu komplett anderen Ergebnissen: 

“Knapp 3000 20-Uhr-Sendungen seit dem Jahr 2015 hat die NZZ dafür ausgewertet, ausserdem 41 000 Berichte von tagesschau.de seit 2007. Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre gemeinsam, kommt von den acht untersuchten Themen lediglich Corona häufiger in der Hauptsendung der «Tagesschau» vor als das Klima. Seit Januar 2023 ist es nur noch der Ukraine-Krieg, der öfter genannt wird. Nicht das Klima ist also ein Randthema für die «Tagesschau», sondern die Krise des Rentensystems, die Rekordinflation oder die Wohnungsnot.” 

Wie kann es zu solche höchst unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Die Antwort ist höchste simpel. 

“Einen der möglichen Gründe für die widersprüchlichen Resultate offenbart ein Blick in die Autorenzeile der ARD-Analyse der Universität Hamburg: Dort findet sich neben dem Kommunikationswissenschafter Michael Brüggemann auch der Name Norman Schumann wieder. Der Mathematiker war in der radikalen Klimabewegung Extinction Rebellion in Nordrhein-Westfalen als Sprecher aktiv und auch an der erwähnten Programmanalyse von Klima vor acht beteiligt; er ist Sprecher und Mitgründer der Initiative. Schumanns Engagement bei Extinction Rebellion, das er nach eigenen Angaben im Juni 2020 vollständig eingestellt hat, war der ARD nicht bekannt. Ein ARD-Sprecher schätzt die Arbeit auf NZZ-Anfrage aber als «handwerklich solide» ein. 

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Das Kreditgeschäft wird „grüner“. Aus der Tagesschau

“Auch regionale Banken und Sparkassen seien in ihrem Geschäft vom Klimawandel betroffen, sagte Christian Elbers von der Bundesanstalt für Finanzaufsicht BaFin bei einer Fachtagung des „Handelsblatts“ in Frankfurt am Main. Mittelfristig sei vor allem in Ost- und Südwestdeutschland mit deutlichen Auswirkungen des Klimawandels zu rechnen. Das habe Konsequenzen für die Finanzierung zahlreicher Branchen, angefangen bei der Landwirtschaft.  

Finanzierung von Unternehmen, die viel CO2 verursachen, werden zunehmend risikoreich, berichtete der Chef der Bankenaufsicht bei der Bundesbank, Karlheinz Walch. Er stellte eine Studie vor, nach der das Risiko zwischen 1,4- und 2,4-mal höher ist als bei Krediten an andere Unternehmen. 

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Habecks Schattenmann: Jan Fleischhauer widmet Patrick Graichen, dem Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, eine Kolumne

“Ich möchte Ihnen einen Mann vorstellen, der es verdient hat, dass man ihn beim Namen kennt. Der Mann heißt Patrick Graichen. Herr Graichen ist verbeamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Das ist sein offizieller Titel. Ich würde sagen: Er ist der Mann, der es in der Hand hat, 35 Millionen Immobilienbesitzer so arm zu machen wie noch kein Staatssekretär vor ihm. Patrick Graichen ist der Vater der Wärmepumpe. Vor vier Wochen hat ein Gesetzentwurf sein Haus verlassen, in dem steht, dass ab Januar 2024 in deutschen Häusern keine Gas- oder Öltherme mehr eingebaut werden darf. Ich dachte erst, es gehe um Neubauten. Das hätte ich verstanden. Wer ein neues Haus plant, kann Platz für Alternativen schaffen.” … “Was sagt Herr Graichen zu allem? Vor ein paar Monaten war der Staatssekretär zu Gast beim Verband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Geht eine Hand hoch: Wo denn die 60.000 Handwerker herkommen sollen, die es schätzungsweise bräuchte, um die ehrgeizigen Pläne der Bundesregierung in die Tat umzusetzen? Na ja, sagte der Herr Staatssekretär, dann müssen halt ein paar Fliesenleger weniger Fliesen verlegen. Es gab ein sehr lautes Klack, als allen die Kinnlade runterfiel.” 

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Mythen, immer wieder Mythen. Im Focus sollen Mythen über Wärmepumpen entkräftigt werden. Bereits nach den ersten beiden Punkten rollt man mit den Augen. 

“Mythos 1: „Wärmepumpen funktionieren nicht in kalten Klimazonen.“ 

Falsch. Die meisten Wärmepumpen sind in den kältesten Klimazonen zu finden. Mehr als die Hälfte aller Haushalte in Norwegen haben eine Wärmepumpe, wie unsere Studie in der Fachzeitschrift Nature Energy zeigt.  

Mythos 2: „Wärmepumpen funktionieren nicht, wenn es kalt ist.“ 

Größtenteils falsch. Selbst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt arbeiten Wärmepumpen noch gut, wie Felddatenzeigen. Bei sehr kalten Temperaturen (unter -20 Grad Celsius) funktionieren Wärmepumpen noch, aber eine Zusatzheizung könnte sinnvoll sein. Solche Temperaturen werden in Deutschland aber in der Regel nicht erreicht.” 

Hier wird besser verschwiegen, dass es eine hohe Zahl an Sole-Wasser-Wärmepumpen in Norwegen gibt, bei denen die Lufttemperatur keine Rolle spielt. Und es wird auch besser nicht erwähnt, dass mit geringeren Außentemperaturen der Strombedarf der Wärmepumpe steigt. Bei einem Preis von 4,1 Cent pro Kilowattstunden wie aktuell in Norwegen ist es daher auch eher unerheblich, wenn mehr Strom zum Heizen verbraucht wird. Deutschland hat einen 10-fachen Preis für Strom. Do the math. All das erfährt der Leser leider nicht vom Experten beim Entkräften der Mythen. Schade. 

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Leserpost von Reinhard Storz:

Werfen wir einen Blick in die Zukunft so sollen die Stromerzeugungskapazitäten aus Sonne und Wind drastisch erhöht werden. Ebenso soll der Stromverbrauch für Elektromobilität, für Wärmepumpen und Wasserstofferzeugung in erheblichem Maße ansteigen. Aber nachts gibt es keinen Solarstrom und bei Windstille keinen Windstrom. Da müssen dann Gaskraftwerke den Mangel beheben da Kohle und Kernenergie ja in der Stromerzeugung abgeschafft werden.

Was lernen wir daraus? Die erforderliche Erdgasmenge zur Deckung des Verbrauchs wird zunehmen.

Und die Versorgung mit Erdgas aus den Niederlanden wird abnehmen, da die Förderung im Bereich Groningen wegen Erdbewegungen mit Gebäudeschäden verringert werden soll. Norwegen hat seine Gaslieferung nach Deutschland im vergangenen Jahr erhöht, aber ob das auf Dauer so bleiben wird ist unbekannt.

Auch wissen wir nicht, ob die Terminals auf Dauer die maximale Gasmenge umschlagen können. Möglicherweise sind wochenlange Pausen für Wartung, Reparaturen, Sicherheitsüberprüfungen etc. erforderlich, die zu geringeren Gasmengen führen. Unter Berücksichtigung der Genannten sowie möglicherweise weiterer Aspekte, die mir nicht eingefallen sind, scheinen die Flüssiggasterminals durchaus nicht überdimensioniert. Etwas Reserve in der Kapazität ist schließlich immer besser als ein Mangel.

Viele Grüße
Reinhard Storz

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